Physical AI

Schaeffler eröffnet Fabrik für humanoide Robotik in China

Schaeffler hat in Taicang eine Pilotfabrik für humanoide Robotik eröffnet. Dort montieren humanoide Roboter erstmals Komponenten für andere Humanoide. Die Anlage verbindet Serienfertigung, KI-Training und digitale Zwillinge.

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In Taicang fertigen jetzt humanoide Roboter Komponenten für neue humanoide Systeme.

Schaeffler baut sein Geschäft in der humanoiden Robotik weiter aus und hat im chinesischen Taicang eine sogenannte Lighthouse Factory eröffnet. Auf rund 7.500 Quadratmetern bündelt der Automobilzulieferer eine intelligente Montagelinie, ein Trainings- und Datenerfassungszentrum, eine Plattform für digitale Zwillinge sowie ein Rechenzentrum. Ziel sei es, den kompletten Entwicklungs- und Industrialisierungsprozess für humanoide Robotersysteme an einem Standort abzubilden, heißt es aus Taicang.

Eine Besonderheit der Fabrik: Humanoide Roboter übernehmen selbst Teile der Montage von Komponenten für andere humanoide Systeme. Damit setzt Schaeffler den Ansatz „Humanoide fertigen Humanoide“ erstmals in einer industriellen Umgebung um. „Wir wollen die Produktion der Zukunft gestalten und weltweit führender Zulieferer und bevorzugter Technologiepartner für humanoide Robotik werden“, sagt Jochen Schröder, Schaeffler-Vorstand für Produktion, Supply Chain Management und Einkauf. Mit der neuen Fabrik entstehe ein geschlossener Fertigungskreislauf, „in dem Humanoide Komponenten für Humanoide montieren“.

Serienfertigung von Aktuatoren startet

Im Zentrum der Anlage steht eine von Schaeffler entwickelte Montagelinie für lineare und rotative Aktuatoren. Diese gelten als Schlüsselkomponenten für die Bewegungssteuerung humanoider Roboter. An fünf Stationen arbeiten sechs Humanoide zusammen. Sie übernehmen unter anderem das Bereitstellen und Sortieren von Bauteilen, die Montage, Qualitätsprüfungen sowie Kennzeichnungs- und Verpackungsprozesse.

Parallel dazu startet Schaeffler die Serienfertigung dieser Komponenten. Kunden und Entwicklungspartner erhalten zugleich die Möglichkeit, physische KI-Systeme unter realen Industriebedingungen zu trainieren und zu validieren.

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die enge Verzahnung von realer Produktion und virtueller Simulation. Ein digitaler Zwilling bildet sämtliche Abläufe der Montagelinie ab und verarbeitet Daten zu Montagegenauigkeit, Energieverbrauch, Prozesszeiten und Anlagenzuständen. Änderungen an Prozessen können dadurch zunächst virtuell getestet werden, bevor sie in die reale Produktion einfließen. Schaeffler verspricht sich davon kürzere Entwicklungszeiten und eine höhere Prozessstabilität.

Training für den Einsatz in Fabriken

Ergänzend zur Fertigung trainiert Schaeffler humanoide Roboter für typische industrielle Aufgaben. Dazu gehören Sichtprüfungen, Verpackungsvorgänge, Materialtransporte, das Bewegen von Behältern sowie Montage- und Nachfüllprozesse an Produktionslinien.

Die Trainingsumgebungen orientieren sich an den Bedingungen in den weltweit rund 100 Werken des Unternehmens. Daten aus Simulation, Training und laufender Produktion werden zusammengeführt, um die Fähigkeiten der Roboter kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Wachsende Nachfrage nach humanoider Robotik

Die Investition erfolgt vor dem Hintergrund einer steigenden Nachfrage nach Lösungen für die humanoide Robotik. Nach Angaben des Unternehmens gewann Schaeffler im dritten Quartal 2026 zwei weitere Kunden in der Region Greater China. Der globale Auftragseingang in diesem Geschäftsfeld beläuft sich inzwischen auf rund 400 Millionen Euro.

„Chinas Industrie für humanoide Robotik tritt in eine Phase des schnellen Wachstums ein“, sagt Yilin Zhang, Regional CEO Greater China bei Schaeffler. Die neue Fabrik sei ein wichtiger Schritt, um das lokale Ökosystem für humanoide Robotik auszubauen und die Aktivitäten des Unternehmens in diesem Markt zu stärken.

Die Investitionen in humanoide Robotik erfolgen in einem Markt, dem Analysten in den kommenden Jahren ein außergewöhnlich starkes Wachstum zutrauen. Laut Fortune Business Insights lag das globale Marktvolumen für humanoide Roboter im Jahr 2025 bei rund 4,89 Milliarden US-Dollar. Für 2026 wird bereits ein Anstieg auf 6,24 Milliarden US-Dollar erwartet. Bis 2034 soll der Markt auf 165,13 Milliarden US-Dollar wachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 50,6 Prozent entspricht. Besonders dynamisch entwickelt sich die Region Asien-Pazifik, die bereits 2025 mit einem Marktanteil von 42,6 Prozent den weltweit größten Absatzmarkt stellte.