Elektrische Fordmodelle E-Pickup, E-Transit und E-Mustang in einem Halbkreis auf Asphalt vor Stadt im Wolkenschleier

Die neuen vollelektrischen Modelle von Transit, Mustang & Co. sollen Ford weiter nach vorne bringen. (Bild: Ford)

Wer dem neuen Ford Mustang auf der Detroit Motorshow in die stechenden LED-Lampen schaute, glaubte seinen Augen kaum zu trauen. 5,0-Liter-V8 und jede Menge Pony-Gene – von Elektro keine Spur. Kurz vorher hatte man auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover das Hohelied auf den elektrischen Ford Transit gesungen. Ford gibt Gas – gefühlt an allen Fronten. „Wir arbeiten gerade am Nachfolger des Ford Explorer. Das wird ein Auto wie kein anderes, etwas ganz Besonderes – so etwas hat man noch nicht gesehen“, kommt Darren Palmer, verantwortlich für alle Elektroautos des Blue Oval, ins Schwärmen.

Palmer ist stolz auf sein Team und den neuen Ford F-150 Lightning, der nicht nur den Elektromarkt in Nordamerika auf den Kopf stellen könnte. Der Lightning hat beste Chancen, das wichtigste Elektroauto der nächsten Jahre zu werden. Die Ford-Verantwortlichen rund um CEO Jim Farley sind sich der Bedeutung ihres bestromten F-150 durchaus bewusst. Seit dem Model T, das Anfang des vergangenen Jahrhunderts die automobile Massenproduktion einläutete, hat es kein wichtigeres Auto von und für Ford gegeben.

Ford Transit, Transporter, grau, mit Aufdruck 100% electric auf der Seite, in Fahrt in städtischer Umgebung
Nach dem Ford Transit steht als nächstes der Explorer vor der Umstellung auf ein vollelektrifiziertes Modell. (Bild: Ford)

Darum will Ford auf zu völlig neuen Ufern

Die F-Serie und allen voran der F-150 sind seit mehr als vier Jahrzehnten die meistverkauften Fahrzeuge der USA – pro Jahr entscheiden sich bis zu einer Million Kunden für den Fullsize-Pickup. Genau der F-150 ist als erster seiner Klasse unter dem Namen Lightning nun als Elektroversion zu bekommen. Der Autobauer aus Dearborn hat damit nicht nur den direkten Wettbewerbern General Motors und Stellantis eine schmerzhafte Nase gedreht, sondern auch Tesla ins Abseits gestellt, die ihren allzu polarisierenden Cybertruck trotz anderslautender Ankündigungen noch nicht zur Marktreife gebracht haben.

Doch Ford geht es um mehr als ein einziges Auto, denn das Blue Oval will auf zu völlig neuen Ufern. Dafür hat sich die Traditionsmarke vor Jahren neu aufgestellt und damit fest eingefahrene Strukturen aufgebrochen. „Wir haben gerade im Silicon Valley viele Firmen besucht und uns dort sehr genau angeschaut, was diese anders machen“, erläutert Darren Palmer und ergänzt: „Es wurde schnell klar, dass es um die richtigen Leute an der rechten Stelle geht, um schneller zu reagieren. Das konnten wir mit den alten Ford-Strukturen einfach nicht.“

Zusätzlich holte das Führungsteam rund um John Farley wichtige Köpfe ins Unternehmen - gerade auch von Marken wie Tesla oder Apple - und ließ diese unter dem Arbeitstitel Ford Model E abseits der normalen Strukturen in kleinen Teams arbeiten, während das klassische Geschäft im Bereich Ford Blue weiterlief. „Anfangs waren wir erst 50, dann gerade einmal 70 Leute – mit allen Freiheiten. Es gab keine festen Arbeitszeiten, keine Schreibtische und auch keine Parkplätze direkt am Gebäude“, erinnert sich Darren Palmer.

Die Flexibilität eines Startups und die Liquidität eines OEMs

Mit Blick auf schnelle Problemlösungen sprudeln die Beispiele nur so aus dem Elektroverantwortlichen heraus: „Wir haben uns zum Beispiel beim Mach E gefragt, was sind die zehn größten Probleme und sind alle durchgegangen. Probleme wie bei der Ladung der Smartphones waren nach ein paar Tagen gelöst. Fix it - mehr interessiert mich nicht, habe ich gesagt.“

Darren Palmer ist ebenso wie seine Kollegen aus dem Topmanagement von Ford sicher, dass es ein "Weiter so" in der Autoindustrie nicht geben kann. Vorbei sind die Zeiten, in denen man ein Auto bis zur letzten Schraube perfektionieren kann: „Es darf kein Over-Engineering mehr geben. Wir brauchen gute und schnelle Lösungen, die auch machbar und bezahlbar sind, denn die Welt ist einfach schneller geworden und gerade die kleinen Startups sind schnell und passen sich an.“ Daher will man bei Ford in Zukunft flexibel wie ein Start-Up sein und dazu auf die stattlichen Finanzen eines etablierten Autoherstellers zurückgreifen.

Ford-CEO Jim Farley in blauem Anzug im Büro vor verschwommener Wand mit Ford-Schriftzug
Das Führungsteam um CEO Jim Farley und VP Global EV Programs Darren Palmer verändert die Struktur des Autobauers von Grund auf. (Bild: Ford)

So will Ford bis Ende 2023 in einem ersten Schritt 600.000 Elektrofahrzeuge produzieren, während Verbrenner wie Bronco, Mustang und F-150 zum Image beitragen sollen. Für das Gesamtjahr 2022 hat Ford-Finanzvorstand John Lawler ein EBIT von 11,5 bis 12,5 Milliarden US-Dollar im Visier, was einer Steigerung von bis zu 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprechen würde.

In Europa will Ford schon bald komplett elektrisch werden

„Es gibt große Dinge, die wir sehr gut machen, wie die Herstellung von Fahrzeugen mit hoher Nachfrage in großem Umfang", räumt Jim Farley ein, „und andere, sowohl in bestehenden als auch in aufstrebenden Bereichen, in denen wir uns verbessern müssen und werden.“ Die Attraktivität dieser Produkte - Bronco, Bronco Sport, Maverick, Mustang Mach-E, E-Transit und jetzt des F-150 Lightning - sei unbestreitbar. Dies schlage sich in Aufträgen nieder, in der Regel mit reichhaltigen Konfigurationen, die den Kunden ein großartiges Erlebnis und Ford selber gesunde Preise bescheren.

Mittlerweile ist das ehemals kleine schlagkräftige Startteam von Ford Model E nach der Pionierarbeit aufgespalten und teilweile in neue Prozesse eingebunden. „Endlos lange halten kann man so ein Team, das parallel arbeitet, nicht“, hört man Darren Palmer das Bedauern an, „doch die schnellen Arbeitsprozesse sind geblieben.“ Ein neues Fahrzeug werde jetzt in einem Hub von einem Team aus den besten Leuten entwickelt – vom Anfang bis zum Ende. Flexibel würden immer wieder die Leute dazukommen, die man brauche. So entstehe derzeit eine Reihe neuer Fahrzeuge.

Etwas anders sieht es mit den beiden elektrischen Crossovern aus, die ab Herbst nach Europa kommen sollen. Als technische Plattform dient ihnen der modulare Elektrobaukasten von Volkswagen. Die Unternehmen kooperieren nicht nur bei den Pickup-Modellen Ford Ranger und VW Amarok, sondern auch beim Citytransporter mit dem Arbeitstitel „One Ton“ sowie bei zwei elektrischen Crossover-Fahrzeugen. Der erste soll Ende des Jahres in Europa auf den Markt kommen – produziert in Köln.

Der F-150 Lightning ist nach dem Mach E, der auch in Europa angeboten wird, die neue elektrische Speerspitze der Amerikaner. In den kommenden Jahren nimmt der Autobauer aus Detroit 50 Milliarden US-Dollar in die Hand, um sich fit zu machen für den Umschwung in die Elektromobilität. Bis 2030 will Ford in Europa komplett elektrisch werden und die so wichtigen Nutzfahrzeuge sollen bis spätestens 2035 folgen.

Ford F-150 Lightning, elektrischer Pickup, Camping-Variante mit aufgebautem Zelt und offenem Kofferraum vorne auf Wiese
Der F-150 Lightning vereint das, was in den kommenden Jahren für die gesamte Marke gelten soll: Eine Kombination aus Tradition und elektronischer Moderne. (Bild: Ford)

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