Die Firmenzentrale von Grob in Mindelheim

Bereits vor knapp sechs Jahren hat man in der Grob-Zentrale in Mindelheim die Weichen für die Transformation hin zur E-Mobilität gestellt. (Bild: Grob-Werke)

Eine rückläufige Wirtschaftsentwicklung, politische Unruhen, Handelskriege, die Coronapandemie und nun der Ukraine-Krieg sind insbesondere auf den Chefetagen von Wirtschaftsunternehmen mittlerweile Alltagsgeschäft und mehr als bloß abstrakte Stichworte. Jedes für sich genommen ist geeignet, einen Krisenmodus auszulösen. Im mittelstands- und automobil-geprägten Deutschland sind Unternehmen wie der im Unterallgäu ansässige Maschinenbauer Grob der Stolz und das häufig zitierte Standbein der Wirtschaft.

Grob ist für seine Zerspanungsmaschinen bekannt, die die Branche auch künftig benötigt. Doch dass es weiterhin gut für die in der Branche als unerlässlich geltenden Player des Mittelstands laufen wird, ist kein Automatismus. Wohl gerade dann nicht, wenn man im Schwerpunkt Maschinen für eine Branche fertigt, die sich selber in einer der größten Transformationen befindet und die den exakten Kurs, in welcher Form sie Mobilität in fünf oder zehn Jahren bereitstellen wird, noch sucht: völlig elektrisch, mit Wasserstoff, noch teilweise oder im Schwerpunkt auf fossilen Energien beruhend und womöglich auch bereits teilautonom? Wie kann sich vor allem die Welt des Maschinenbaus dafür wappnen? Womöglich durch einen Mix aus mutiger Transformation und gleichzeitig maßvoller Hand im Bewahren.

Grob spezialisiert auf Statoren-Fertigungsprozesse

Vor knapp sechs Jahren hat man in der Grob-Zentrale im bayerisch-schwäbischen Mindelheim jedenfalls die Weichen für die Transformation hin zur E-Mobilität gestellt. „Rückwirkend betrachtet können wir mit Stolz behaupten, dass dies die richtige Entscheidung war“, sagte Christian Grob, Aufsichtsratsvorsitzender der Grob-Werke, anlässlich einer Pressekonferenz im Rahmen der ersten Hausmesse nach zweijähriger Corona-Zwangspause. Man habe gesehen, dass es eine lange Zeit brauche, bis die unterschiedlichen Technologien stabil laufen. Hierzu sei ein langer Atem mit genügend Reserven notwendig.

Einen solchen scheint man bei Grob (gehabt) zu haben. Gleichzeitig hat sich der Hersteller strategisch so aufgestellt, dass er zukünftig Technologien für den kompletten Antriebsstrang eines Elektrofahrzeugs anbieten kann - angefangen von E-Motoren über Batteriemodule bis hin zu Batteriezellen. Obendrein reiht sich in die Produktlinie nun bald auch das Thema 3D-Druck ein. Alleine mit Blick auf das Produktportfolio liegen die Paritäten bei Grob zwischen der klassischen Zerspanung und der Elektromobilität heute bei einem Verhältnis von etwa 50:50. Nicht ohne Stolz hebt Christian Grob dabei hervor, dass man in der Lage war, die gesamte Belegschaft durch die unruhige Zeit gebracht zu haben, ohne jegliche Einbußen und ohne Menschen zu entlassen.

Schub bei Zerspanung und E-Mobilität

Nach einem eher verhaltenen zurückliegenden Geschäftsjahr, das bei Grob von März bis Ende Februar läuft, könne man nun eine deutliche Steigerung im Umsatz und eine fulminante Steigerung beim Auftragseingang verzeichnen, schildert German Wankmiller, Vorsitzender der Geschäftsführung und CEO der Grob-Werke. „Aktuell planen wir mit einem Umsatzwachstum in Mindelheim und der Grob-Gruppe von zirka 15 Prozent p.a.“ Insbesondere bei Produkten für die Elektromobilität sowie dem Bedarf in der Zerspanungstechnologie benötige man kontinuierlich mehr Fläche für Produktion, Montage und Inbetriebnahme. Deshalb erweitere man die Werke in Mindelheim, im chinesischen Dalian und im amerikanischen Bluffton, erklärt der CEO. Im klassischen Zerspanungsbereich kann Grob auf die siebte Entwicklungsstufe der 5-Achs-Bearbeitungszentren verweisen. Gesamt hat das Unternehmen nun vier Baureihen und 20 Maschinentypen im Portfolio.

Beim Blick auf die Maschinen für die Elektromobilität weist Wankmiller darauf hin, dass man insbesondere bei den Hairpin-Stator-Linien mit einem Marktanteil von 60 Prozent Marktführer in der Autoindustrie ist. Durch komplementäre Entwicklungen hat das Unternehmen innerhalb der letzten drei Jahre auch Maschinen und Anlagen für die Rotor-, die Imprägnier- und die Nadelwickel-Technik für die Grob-Gruppe entwickelt und diese bereits erfolgreich in den Markt eingeführt. Vor etwa drei Jahren ist man überdies ins Geschäft mit Großanlagen für die Batteriemontage eingestiegen. Die Maschinen bieten Prozessketten und standardisierte Montageabläufe für Großprojekte.

Von den derzeit laufenden hohen Investitionen in sogenannte Gigafactories, also in die Batteriezellen-Fabriken, partizipiere man auch bei Grob, sagt Vertriebschef Christian Müller. Gerade in der Elektromobilität würden nicht nur Newcomer, sondern auch große, etablierte OEMs wie General Motors, Ford und Stellantis erheblich investieren. Beim Auftragseingang der letzten zwölf Monate verteile sich der Auftragseingang in den Weltregionen auf knapp 30 Prozent in Nordamerika, auf 30 Prozent in Asien und etwas über 40 Prozent in Europa. Durch die Covid-Pandemie sei die Forderung der Kunden nach „Local for Local“ zudem stark gestiegen, sagt der CSO.

Grob kündigt Anlagen zur Batteriezellfertigung an

Einen nächsten Schritt geht man bei Grob mit dem Markteintritt von Maschinen und Anlagen für die Batteriezellen-Produktion. Auf die Frage, was diese auszeichne, sagt CEO Wankmiller bei einem Rundgang durch die Mindelheimer Werkshallen, dass man hier insbesondere in den Wettbewerb mit asiatischen Herstellern trete. Gerade mit Blick auf die Kathoden seien die sichere Entfeuchtung sowie das Vermeiden von Schmutz die beiden erheblichen Qualitätsgaranten. Mit der eigens kreierten Anlagentechnik könne man diese maßgeblichen Kriterien sicherstellen und falle dabei durch ein hohes Maß an Qualität im Vergleich zu den Produkten asiatischer Provenienz auf.

Beim Thema smarte Fabrik weisen die Allgäuer auf eine „konsequente Digitalisierung und Vernetzung der Konstruktions- und Produktionsprozesse“ hin. In der Produktion habe man dazu etwa durch Handling-Systeme und Roboter-Anwendungen eine konsequente Automatisierung aller Fertigungs- und Produktionsanlagen durchgeführt, beschreibt Wankmiller. Dadurch könne man die Fertigung auch in mannlosen Schichten betreiben. Trotz oder gerade wegen der Automatisierung will das Unternehmen wachsen.

Für die Grob-Gruppe arbeiten aktuell etwa 7.500 Mitarbeiter, sagt Wolfram Weber, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung und CFO der Grob-Werke. Um weiter zu expandieren, suche man an allen Standorten Mitarbeiter, allein in Mindelheim seien dies 400. „Wir rechnen damit, dass die Mitarbeiterzahl in einem Jahr bei weit über 8.000 weltweit liegen wird.“ Auch im vergangenen Jahr hat man Weber zufolge wieder fast 50 Millionen Euro in die Entwicklung der Produkte der E-Mobilität und Zerspanung investiert - der gleiche Betrag wie schon in den beiden Jahren zuvor. Man habe die Transformation auch aus kaufmännischer Sicht gut bewältigt, bilanziert der Finanzchef.

Was jedoch bleibe, sei die große Herausforderung durch die Instabilität der internationalen Lieferketten. Bisher jedenfalls habe man echte Stillstände in der Montage verhindern können, sagt der CFO. Damit das so bleibe, würden alle Bereiche der Materialwirtschaft mit Hochdruck und eng abgestimmt mit der Konstruktion und dem Vertrieb an der Materialversorgung zusammenarbeiten.

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