ZF Standort in Schanghai

Mit dem ZF-Hauptsitz für die Region Asien-Pazifik in Schagnhai (siehe Bild) und drei Entwicklungszentren positioniert sich der Automobilzulieferer schon seit längerem stark in China. (Bild: ZF)

Die chinesischen Automobilhersteller ziehen mit einer unglaublichen Geschwindigkeit voran und stellen die deutsche Autoindustrie zunehmend vor große Herausforderungen. Dieser Entwicklung wollen Europas Autobauer natürlich entgegenwirken, um nicht von der asiatischen Konkurrenz abgehängt zu werden. Daraus resultiert ein deutlich höheres Tempo am hiesigen Markt, das den internationalen Wettbewerb vorantreibt. Auch die deutschen Automobilzulieferer verstärken ihr Investment in den chinesischen Markt zunehmend. Doch nicht nur als Kunden oder Wettbewerber, sondern auch als starke Partner sieht man die Unternehmen aus Fernost.

Zulieferer ZF verkündete erst vor einigen Tagen eine wichtige strategische Partnerschaft mit Elektronik-Auftragsfertiger Foxconn, der Teil des weltweit größten Elektronikproduzenten, der Hon Hai Technology Group ist. Zum Stichtag am 30. April erwarb Foxconn 50 Prozent der Anteile an der ZF Chassis Modules GmbH, der Fahrwerksystemeinheit des Antriebsexperten. Die Beteiligung markiert damit den Start eines gemeinsamen Joint Ventures zum Ausbau strategischer Innovationen. Die somit gegründete ZF Foxconn Chassis Modules GmbH beliefert globale Premium- und Volumenhersteller, ist an 25 Standorten weltweit vertreten und beschäftigt rund 3.800 Mitarbeiter, davon knapp 100 in Deutschland.

ZF verkauft 50 Prozent seiner Fahrwerksystemeinheit an Foxconn

Das neue Unternehmen, geleitet von den beiden ZF-Führungskräften Eike Dorff (CEO) und Urs Rienhoff (CFO), will im globalen Markt der Achssystemmontage Expansionschancen nutzen. Es soll technologieoffen agieren und mit kontinuierlicher Prozessoptimierung eine größtmögliche Anpassung an Märkte und Vertragspartner erreichen. Durch die Zusammenarbeit will sich die ZF Friedrichshafen weitere Ressourcen für profitables Wachstum, neue Kundenzugänge und zusätzliche Entwicklungsfelder über den wachsenden Kernmarkt Achssystemmontage hinaus sichern.

Für Foxconn eröffnet der Erwerb von 50 Prozent an der ZF Chassis Modules GmbH mit einem Unternehmenswert von insgesamt rund einer Milliarde Euro wiederum neue Perspektiven im Automobilsektor. „Chinesische Autohersteller sind bei einer hohen Entwicklungsgeschwindigkeit gleichzeitig extrem technologieaffin und setzen neue Technologien früher ein als andere. Wir industrialisieren bereits heute eine Vielzahl unserer Neuentwicklungen zuerst in China und dann erst in Europa", erläutert ZF-Vorstand Stephan von Schuckmann gegenüber dem Handelsblatt.

Doch was bedeuten Kooperationen dieser Art für den deutschen Industriestandort, der ohnehin geschwächt dasteht? Verliert dieser nun weiter an Bedeutung und bleibt im internationalen Vergleich noch stärker zurück? „Das muss man immer aus zwei Perspektiven betrachten. Zunächst mal ist es sicherlich für den Industriestandort Deutschland immer gut, wenn deutsche Unternehmen international Erfolg haben. Das hilft natürlich dabei, deutsches Engineering und entsprechende Technologie weltweit zu vermarkten“, kommentiert Fabian Brandt, Automotive-Experte beim Strategieberater Oliver Wyman gegenüber der Automobil Produktion.

Standing in China für deutsche Zulieferer unverzichtbar

Der positive Effekt für die Beschäftigung in Deutschland dürfte dagegen minimal sein, da die zusätzliche Wertschöpfung Zuliefererindustrie stark lokalisiert ist. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen und die zunehmenden Handelsbarrieren verstärken diesen Trend, sodass wir in Zukunft wahrscheinlich noch stärker ein Local for Local-Geschäft sehen werden. Das bedeutet, dass solche Partnerschaften in Deutschland kaum zusätzliche Beschäftigung und Wertschöpfung in der Produktion erzeugen.“

Dennoch expandiere die chinesische Automobilindustrie ihrerseits verstärkt ins Ausland, beispielsweise mit ersten internationalen Fertigungsstandorten in Spanien, Ungarn oder Mexiko. Auch auf diesen Märkten würden die Chinesen verlässliche Partnerschaften suchen, für die sich deutsche Zulieferer anbieten. Darüber hinaus sehe Brandt die Kooperation zwischen chinesischen Akteuren und europäischen Automobilzulieferern als große Chance am Erfolg des riesigen und weiter wachsenden asiatischen Automobilmarktes teilzuhaben, der in den letzten 15 Jahren immer weiter an Bedeutung gewonnen hat.

Automobilzulieferer mit globalen Ambitionen haben gar nicht die Wahl, auf den chinesischen Markt zu verzichten. Das kann entweder im Huckepack der westlichen Marken gelingen oder indem sich die Unternehmen direkt an die chinesischen Hersteller als Kunden wenden", erklärt der Automobil-Fachmann.

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