Renault Mega E-Tech im Schnee.

Innerhalb der aktuellen Dekade möchte Renault den Weg vom klassischen Autobauer zum Tech-Unternehmen antreten. (Bild: Renault)

Aus dem einstigen rumänischen Billigheimer Dacia, von dem wenige etwas wissen wollten, ist mittlerweile einer der große Hoffnungsträger des Konzerns in Europa geworden. Dazu zählten jüngst ein geändertes Logo nebst neuem Markenauftritt und das Ausrufen einer komplett neuen Strategie. Auch wenn es keiner in Paris offen zugeben mag: Renault will aus der Schwester Dacia so etwas wie einen coolen Skoda-Zwilling mit Abenteuergenen machen. Dafür dürfen die kommenden Fahrzeuge wachsen und ganz unverhohlen im einstigen Renault-Terrain wildern. Konzernchef Luca de Meo nimmt sich bei vielen seiner Entscheidungen das Volkswagen-Konstrukt zum Vorbild. Rund um die betont französisch auftretende Kernmarke Renault sollen sich Dacia, Nissan und Mitsubishi im erfolgreichen Gleichschritt gruppieren. Fahrzeuge auf gleichen Plattformen sind dabei nur ein erster Schritt. Bei Motoren, Getrieben und wichtigen Komponenten soll es keine Extrawürste mehr geben – zumindest, wenn dies die Fahrzeugklasse hergibt. Ausnahmen will man allenfalls für die Märkte in den USA machen, wo gerade Nissan das Premiumsegment bedient.

Die vor knapp zwei Jahren von Luca de Meo ausgerufene Renaulution dauert indes an. Bis 2023 will sich der französische Autokonzern komplett erholen und so arbeiten die Marken unter anhaltend schweren Bedingungen daran, die eigenen Margen zu verbessern. Bis 2025 sollen im Rahmen einer ganzheitlichen Renaissance neue Segmente erschlossen werden, um kurz- wie mittelfristig die Rentabilität zu steigern. Die eigentliche Revolution soll dann ab Mitte des Jahrzehnts folgen, wenn Renault mit all seinen Marken die Mobilität der Zukunft ausrufen möchte. Was sich bereits alles andere als einfach anhört, trifft bei den Konzernmarken auf höchst unterschiedliche Rahmenbedingungen.

Renault wird digital und elektrisch

Luca de Meo betont: „Wir werden uns von einem Autokonzern, der mit Technologie arbeitet, zu einem Tech-Unternehmen entwickeln, das mit Autos arbeitet und bis 2030 mindestens 20 Prozent seines Umsatzes mit Dienstleistungen, Daten und Energiehandel erzielt. Die Renaulution ist ein Strategieplan, den wir so umsetzen und erreichen werden, wie wir ihn erarbeitet haben: gemeinsam.” Renault wird demnach mit bekannt europäischem Fokus sukzessive elektrisch. Anlässlich des Pariser Autosalons stellten die Franzosen dazu immerhin einige der wenigen nennenswerten Höhepunkte vor. Dabei überraschte es, dass Renault trotz der angespannten Investitionslage an der Brennstoffzelle festhält. Hyvia hat sich als Joint Venture der Renault Gruppe der Wasserstoffmobilität verschrieben und setzt trotz des Elektrotrends auf leichte Nutzfahrzeuge wie Vans, City Busse und ein LKW-Chassis mit Brennstoffzelle.

Nachdem Dacia mit klarem Fokus in die kommenden Jahre steuert und so lange wie möglich an den ertragreichen Verbrennern festhalten soll, sieht der Fahrplan für Renault ganz anders aus. Die französische Automarke soll elektrisch werden und nach Stellantis-Vorbild mit deutlich reduzierten Kostenstrukturen Gewinne erwirtschaften.

Nissan und Mitsubishi ringen um eigenen Markenkern

Schwieriger sieht dies hingegen bei den beiden japanischen Töchtern Nissan und Mitsubishi aus. Verglichen mit der Zeit in den 1990er und frühen 2000er Jahren sind beide Marken gerade in Europa nur noch ein Schatten ihrer selbst. Interessante Modelle fehlen ebenso wie ein Markenkern an sich. Anfang des kommenden Jahres bringt Mitsubishi mit seinem bekannten Hybrid-Fokus beispielsweise seinen neuen Kompaktcrossover ASX heraus. Der ist jedoch nicht nur auf der gleichen Plattform wie der Renault Captur unterwegs und nutzt dessen Motoren, er ist ein komplett identisches Auto.

Mitsubishi Kompaktcrossover ASX
Der Mitsubishi-Kompaktcrossover ASX ist identisch zum Renault Captur. (Bild: Mitsubishi)

Die beiden Modelle Nissan X-Trail und Qashqai wirken mit dem mittlerweile eingeschränkten Antriebsportfolio international nur mäßig konkurrenzfähig. Lange mussten die Nissan-Kunden auf den Ariya warten – ein elektrisches Crossover, mit dem die Renault-Tochter insbesondere den Modellen der VW ID-Familie oder einem Skoda Enyaq entgegentreten möchte. Zugunsten einer neuen Ära in der Mobilität will Nissan auf Investitionen in reine Verbrenner verzichten. Bis zum Geschäftsjahr 2026 erwarte man, dass in Europa bereits 75 Prozent der Nissan-Neuwagen elektrifiziert unterwegs sein werden, Ende des Jahrzehnts sollen es hundert Prozent sein, heißt es beim OEM, der diesem Programm den Claim „Nissan Ambition 2030" gibt.

Dahinter, so Guillaume Cartier aus der Nissan-Chefetage, „spielen wir unser disruptives Naturell aus". 2030 sollen sich 25 elektrifizierte Modelle im Portfolio befinden. Um dies alles zu stemmen, entsteht im britischen Sunderland ein auf den Namen EV 36 Zero getauftes Kompetenzzentrum für Elektromobilität. Dort soll es ebenso um Automobilproduktion gehen wie um den Bau von Batterien und deren Technologieentwicklung. Erneuerbare Energien sollen die zur Fertigung nötige Kraft liefern. Und bis 2028 soll eine Feststoffbatterie auf den Markt kommen. „Im ersten Quartal erwies sich das Geschäftsumfeld als schwieriger als erwartet“, erläutert Nissan-CEO Makoto Uchida, „unsere Fortschritte trotz dieser Rahmenbedingungen beweisen, dass die Geschäftsgrundlage von Nissan durch den Business-Transformationsplan Nissan Next stetig gestärkt wurde und dass wir zu einer Gewinnstruktur übergehen, die widerstandsfähiger gegenüber externen Faktoren ist.“ Man werde die Gewinnstruktur weiter verbessern und gleichzeitig den Umsatz dieser neuen Fahrzeuge maximieren.

Dacia erweist sich als simples Erfolgsmodell

Gut daher, dass es Dacia gibt. Der ehemals rumänische Autobauer wird in den kommenden Jahren die nächste Phase einer Metamorphose durchlaufen. In weniger als zwei Jahrzehnten sind die 7,5 Millionen verkaufte Fahrzeuge schon deshalb ein großer Erfolg, weil bei Dacia in erster Linie Privatkunden zugreifen. Dacia belegt hier Platz drei europaweit. Das Modell Logan mit wenig anspruchsvollem Design ist vergessen, heute überraschen ansprechende Fahrzeuge wie Jogger oder Sandero, und dies weitgehend ohne Elektrifizierung, die erst 2023/2024 zu greifen beginnt. Dacia-CEO Denis Le Vot fasst das Erfolgsrezept zusammen: „Jahr für Jahr zieht Dacia neue Kunden an, die nach dem suchen, was in der heutigen Welt vielleicht am wertvollsten ist: das Wesentliche. Diese Kunden wünschen eine rationale, verantwortungsvolle Gesellschaft und haben eine neue Sichtweise auf das Automobil. Sie interessieren sich für Autos, die Raum, Komfort und aktuelle Optik mit maximaler Erschwinglichkeit vereinen. Das ist Dacia.“

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