Verschärfter Sparkurs

Schaeffler plant weiteren Stellenabbau und Werksschließungen

Schaeffler reagiert mit einem weiteren Restrukturierungsprogramm auf die schwache Nachfrage im Automobilgeschäft. Bis 2028 sollen zahlreiche Arbeitsplätze wegfallen und mehrere Standorte schließen. Langfristig will der Zulieferer seine Kosten deutlich senken.

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Außenansicht eines mehrstöckigen Bürogebäudes von Schaeffler mit grüner Firmenaufschrift auf dem Dach. Im Vordergrund sind Bäume zu sehen.
Schaeffler plant im Zuge eines weiteren Restrukturierungsprogramms den Abbau von rund 3.460 Arbeitsplätzen in Europa. Besonders betroffen sind die deutschen Standorte.

Der Automobilzulieferer Schaeffler hat ein weiteres Ergebnisverbesserungsprogramm angekündigt. Europaweit sollen 3.460 Arbeitsplätze wegfallen, davon rund 2.660 in Deutschland. Zudem plant der Konzern die Schließung von fünf Standorten, vier davon in Deutschland. Mit den Maßnahmen reagiert das Unternehmen auf die anhaltend schwierige Marktlage im Automobilgeschäft. Als Gründe nennt Schaeffler die rückläufige Nachfrage nach Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und den verzögerten Hochlauf der Elektromobilität. Hinzu kommen ein zunehmender Wettbewerbsdruck sowie vergleichsweise hohe Personalkosten in Deutschland. Auch die bestehende Organisationsstruktur mit zahlreichen Führungsebenen soll vereinfacht werden.

Vier deutsche Standorte vor der Schließung

Die geplanten Einschnitte verteilen sich auf insgesamt 16 europäische Standorte. Etwa die Hälfte der wegfallenden Arbeitsplätze entfällt auf die Produktion. Weitere 30 Prozent betreffen Forschung und Entwicklung, während die übrigen 20 Prozent auf andere Unternehmensbereiche entfallen. Besonders stark betroffen ist Deutschland. Gemessen an der Stammbelegschaft von 31.957 Beschäftigten zum 30. September 2026 entspricht der geplante Abbau von rund 2.660 Stellen einem Anteil von etwa neun Prozent. Werden die bereits laufenden Restrukturierungsmaßnahmen und 1.800 vereinbarte Altersteilzeitverträge berücksichtigt, steigt der Anteil laut Schaeffler auf rund 18 Prozent. Das neue Programm folgt auf die im November 2024 angekündigten Strukturmaßnahmen. Ziel sei es, bestehende Überkapazitäten abzubauen und die Entwicklungskapazitäten stärker an die veränderte Nachfrage anzupassen.

Zu den betroffenen Einrichtungen zählen die Werke in Dortmund und Morbach. Beide gehören zur Sparte Powertrain & Chassis und fertigen Produkte für Verbrennungsmotoren. In Dortmund beschäftigt Schaeffler derzeit rund 430 Menschen, in Morbach sind es etwa 160. Darüber hinaus sollen die Aktivitäten am Berliner Standort mit rund 270 Beschäftigten eingestellt werden. Auch die Schließung des Standorts Schwalbach ist vorgesehen. Ein Großteil der dortigen rund 385 Mitarbeitenden soll künftig am Standort Frankfurt tätig sein. Insgesamt sind in diesem Zusammenhang etwa 190 Stellen vom Abbau betroffen.

Weitere Anpassungen plant der Zulieferer im Werkzeugbau am Standort Höchstadt sowie im Sondermaschinenbau in Erlangen und Schweinfurt. Auch in Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg sollen Kapazitäten und Strukturen verändert werden. Außerhalb Deutschlands betrifft das Programm die französischen Standorte Haguenau und Toulouse sowie Skalica und Kysuce in der Slowakei. In Belgien soll der Produktionsstandort Herstal mit derzeit etwa 15 Beschäftigten geschlossen werden.

Einsparungen von 300 Millionen Euro jährlich geplant

Mit dem Restrukturierungsprogramm strebt Schaeffler ab 2030 jährliche Ergebnisverbesserungen von rund 300 Millionen Euro an. Dem stehen einmalige Aufwendungen von voraussichtlich 480 Millionen Euro gegenüber. Der überwiegende Teil soll bereits im Geschäftsjahr 2026 als Restrukturierungsrückstellung verbucht werden.

Die strukturellen Veränderungen sind hauptsächlich für die Jahre 2027 und 2028 vorgesehen. Nach Angaben des Unternehmens soll die Umsetzung möglichst sozialverträglich erfolgen. Grundlage dafür bildet die 2018 abgeschlossene Zukunftsvereinbarung. Über die konkreten Maßnahmen will sich der Konzern mit den Arbeitnehmervertretungen und den Betriebsräten der betroffenen Standorte abstimmen.

Ergänzend zu den strukturellen Anpassungen plant Schaeffler einen sogenannten Solidaritätsbeitrag. Vorgesehen ist unter anderem ein zeitlich begrenzter freiwilliger Gehaltsverzicht, der beim Vorstand beginnen und sämtliche Hierarchieebenen einbeziehen soll. Die Einzelheiten müssen noch mit den zuständigen Gremien abgestimmt werden. Nach Darstellung des Unternehmens könnte die Maßnahme die Personalkosten in den Jahren 2027 und 2028 zusätzlich reduzieren. Zugleich sollen dadurch weitere Stellenstreichungen und damit verbundene Restrukturierungskosten vermieden werden.

„Mit dem heute bekanntgegebenen Ergebnisverbesserungsprogramm wollen wir zeigen, dass es trotz der schwierigen Rahmenbedingungen möglich und sinnvoll ist, in Deutschland und Europa langfristig wettbewerbsfähig und kosteneffizient zu entwickeln und zu produzieren. Das setzt voraus, dass wir Standorte konsolidieren, Technologiekompetenzen in ausgewählten regionalen Clustern bündeln und die Personalkosten pro Kopf optimieren“, betont Vorstandschef Klaus Rosenfeld. „Gleichzeitig wollen wir die Organisation weiter verschlanken und Hierarchieebenen reduzieren. Das wichtigste Element des Programms – auch im Vergleich zu vorangegangenen Programmen – ist der Solidaritätsbeitrag, der unter anderem einen temporären Gehaltsverzicht über alle Hierarchieebenen hinweg umfassen soll.“

Neue Geschäftsfelder sollen Rückgänge ausgleichen

Parallel zum Sparkurs hält Schaeffler an seiner strategischen Ausrichtung als „Motion Technology Company“ fest. Der Konzern will seine technologische Basis nutzen, um zusätzliche Geschäftsfelder außerhalb des traditionellen Automobilgeschäfts zu erschließen. Potenziale sieht das Unternehmen insbesondere in der humanoiden Robotik und der Verteidigungsindustrie. Nach Angaben von Produktionsvorstand Jochen Schröder könnten dafür Kompetenzen eingesetzt werden, die ursprünglich im Kerngeschäft entwickelt wurden. Mit dem Aufbau neuer Aktivitäten sollen zumindest Teile des geplanten Stellenabbaus langfristig kompensiert werden. Konkrete Zahlen zu möglichen neuen Arbeitsplätzen nennt Schaeffler bislang nicht. Die Diversifizierung soll dazu beitragen, die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu verringern und rückläufige Geschäftsaktivitäten schrittweise durch neue Umsatzquellen zu ersetzen.