Die radikalen Sparmaßnahmen der Autoindustrie im Überblick
Die Autoindustrie verschärft ihren Sparkurs: Laut einer Studie von Roland Berger könnten bis 2030 rund 200.000 Jobs in Deutschland wegfallen. Stellenabbau, Abfindungsprogramme und Standortprüfungen zeigen die Dimension des Umbaus. Unser Ticker bündelt die wichtigsten Maßnahmen.
Redaktion, dpaRedaktion,dpa
Volvo verschärft nach einem Milliardenverlust seinen Sparkurs: Der schwedische Autobauer will weltweit weitere 2.500 Stellen streichen und seine Kosten deutlich senken.Volvo / Kris Wood
Anzeige
Der Sparkurs der deutschen Autoindustrie dürfte sich in den kommenden Jahren noch deutlich verschärfen. Eine neue Studie von Roland Berger rechnet damit, dass die Zahl der Beschäftigten bei Herstellern und Zulieferern in Deutschland bis 2030 von rund 692.000 auf etwa 490.000 sinken könnte. Damit würden innerhalb von fünf Jahren mindestens 200.000 Arbeitsplätze wegfallen. Nach Einschätzung der Unternehmensberatung könnte der Stellenabbau sogar noch größer ausfallen, sollten notwendige Anpassungen nicht schnell genug umgesetzt werden.
Ein zentraler Grund für den wachsenden Kostendruck sind die hohen Überkapazitäten am Standort Deutschland. Während die deutschen Werke über Produktionskapazitäten für rund 6,4 Millionen Fahrzeuge pro Jahr verfügen, wurden 2025 nur etwa 4,2 Millionen Autos gebaut. Die Auslastung liegt damit laut Roland Berger bei lediglich rund 60 Prozent. Für einen profitablen Betrieb seien dagegen mindestens 75 bis 80 Prozent erforderlich. Rechnerisch gebe es deshalb Kapazitäten für mindestens fünf Fahrzeugwerke zu viel. Gleichzeitig beziffert Roland Berger den Kostenvorteil chinesischer Hersteller unter anderem bei Material, Fertigung, Batterie und E-Antrieb auf insgesamt rund 30 Prozent.
Die Folgen zeigen sich längst weit über den klassischen Stellenabbau hinaus. Hersteller und Zulieferer reduzieren Fixkosten, bieten Abfindungen an, überprüfen Werke und Produktionskapazitäten, verlagern Aktivitäten oder verhandeln über tarifliche Leistungen. Volkswagen, Audi, Bosch, Continental, Schaeffler, ZF, Webasto, Porsche, Mercedes-Benz, Daimler Truck und zahlreiche weitere Unternehmen haben Programme aufgelegt, um Kosten zu senken und ihre Strukturen neu auszurichten. Dieser Ticker bündelt die wichtigsten Maßnahmen der Autoindustrie – von Stellenabbau und Abfindungsprogrammen über Standortentscheidungen bis hin zu weiteren Eingriffen in die Kostenstruktur.
Anzeige
Volvo streicht nach Milliardenverlust weitere 2.500 Stellen
Volvo verschärft nach einem Milliardenverlust seinen Sparkurs und will weltweit weitere rund 2.500 Stellen abbauen. Allein 2.000 Arbeitsplätze sollen in Schweden wegfallen. Mit dem neuen Sparprogramm will der vom chinesischen Geely-Konzern kontrollierte Autobauer seine jährlichen Ausgaben um rund fünf Milliarden schwedische Kronen (umgerechnet rund 450 Millionen Euro) senken. Der Stellenabbau soll unter anderem durch das Auslaufen von Beraterverträgen, natürliche Fluktuation und Abfindungsangebote umgesetzt werden.
Hintergrund sind die schwachen Geschäftszahlen des dritten Quartals 2026. Volvo lieferte mit rund 141.300 Fahrzeugen elf Prozent weniger Autos aus als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank um fast ein Viertel auf 66,9 Milliarden Kronen. Nach einem operativen Gewinn von 6,4 Milliarden Kronen im Vorjahr stand nun ein Verlust vor Zinsen und Steuern von 5,6 Milliarden Kronen zu Buche. Unter dem Strich verlor der Autobauer 5,7 Milliarden Kronen (513 Millionen Euro). Besonders schwer wiegt die Entwicklung in China, wo der Umsatz nahezu um die Hälfte einbrach. Auch das US-Geschäft schwächelte. Dort belasten Einfuhrzölle und der Wegfall von Kaufanreizen für Elektroautos das Geschäft.
Anzeige
Bereits 2025 hatte Volvo den Abbau von rund 3.000 bürobasierten Stellen einschließlich Beratern angekündigt. Das entsprach etwa 15 Prozent der damaligen Büroarbeitsplätze. Zusammen mit weiteren Maßnahmen sollten so insgesamt 18 Milliarden schwedische Kronen eingespart werden. Der Personalabbau zeigt inzwischen Wirkung: Während Volvo im Vorjahreszeitraum noch rund 43.000 Menschen beschäftigte, waren es in den ersten neun Monaten 2026 durchschnittlich rund 39.300. Konzernchef Hakan Samuelsson, der im April 2025 die Führung übernommen hatte, steht damit weiter unter erheblichem Druck. Anfang Oktober 2026 hatte er bereits den Jahresausblick zurückgezogen.
Diese Automobilakteure schlagen einen Sparkurs ein:
Porsche will 40 Prozent der Managementstellen abbauen
Porsche will mittelfristig 40 Prozent seiner Managementpositionen abbauen. Die Maßnahme ist Teil der im Oktober 2026 vorgestellten Strategie „Sportwagenschmiede ’35“. Insgesamt soll die Belegschaft in den direkten und indirekten Bereichen mittelfristig um 25 Prozent und langfristig um 30 Prozent schrumpfen. Wie viele Führungspositionen konkret wegfallen sollen, ließ Porsche offen. Zudem sollen Porsche Engineering und Porsche Digital zur Einheit „Porsche Technologies“ zusammengeführt werden. Auch die Entwicklungs- sowie Vertriebs- und Verkaufskosten will der Konzern um bis zu 20 Prozent senken.
Anzeige
Die Strategie baut auf bereits vereinbarten Sparmaßnahmen auf. Im Juli 2026 hatten sich Unternehmensführung und Arbeitnehmervertreter auf den sozialverträglichen Abbau von weiteren 5.000 Stellen bis 2035 geeinigt. Betroffen sind das Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum Weissach. Im Gegenzug wurde die Standortsicherung bis Ende 2035 verlängert, betriebsbedingte Kündigungen bleiben ausgeschlossen. Der Stellenabbau soll über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge erfolgen. Zugleich sieht das Zukunftspaket Investitionen von 2,1 Milliarden Euro vor. Zur Finanzierung werden unter anderem Tariferhöhungen teilweise einbehalten, das Weihnachtsgeld reduziert und die Homeoffice-Regelungen eingeschränkt.
Bereits im Februar 2025 hatte Porsche den Abbau von rund 1.900 Stellen bis 2029 angekündigt. Zusätzlich liefen die Verträge von etwa 2.000 befristet Beschäftigten aus. Auch im Leipziger Werk und bei mehreren Tochtergesellschaften wurden Stellen gestrichen. Hintergrund ist die anhaltende Krise des Sportwagenherstellers: Der Konzernüberschuss brach 2025 um 91 Prozent auf 310 Millionen Euro ein, der weltweite Absatz sank um zehn Prozent auf rund 279.400 Fahrzeuge. Besonders das schwache China-Geschäft, die US-Zölle und die hohen Kosten des Konzernumbaus erhöhen den Spardruck.
Bosch verschärft seinen Stellenabbau in Deutschland. Am Standort Nürnberg sollen bis Ende 2029 rund 900 Arbeitsplätze wegfallen und damit etwa die Hälfte der derzeit rund 1.800 Stellen. Nach Unternehmensangaben kommt dieser Abbau zusätzlich zu den bereits angekündigten Personalmaßnahmen im Konzern. Besonders betroffen ist der Unternehmensbereich Mobility. Der Konzern begründet den Schritt gegenüber dpa mit dem strukturellen Wandel der Autoindustrie sowie zunehmendem Wettbewerbs- und Preisdruck. Am Nürnberger Standort entstehen vor allem Komponenten für Verbrennungsmotoren und Brennstoffzellensysteme. Während der Anteil klassischer Verbrenner zurückgeht, habe sich auch das Geschäft mit Brennstoffzellen bislang schwächer entwickelt als erwartet. Daraus resultiere ein Personalüberhang, der nach Darstellung des Unternehmens langfristig wirtschaftlich nicht tragfähig sei.
Der Stellenabbau soll nach Angaben von Bosch möglichst sozialverträglich erfolgen. Konkrete Instrumente hat das Unternehmen bislang nicht genannt. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Angaben des Bayerischen Rundfunks allerdings nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die Maßnahme trifft Bosch in einer Phase umfassender Personalanpassungen. Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 beschäftigte der Konzern weltweit 406.225 Menschen und damit rund 6.500 weniger als Ende 2025. Gleichzeitig stieg der Umsatz im ersten Halbjahr um 3,6 Prozent auf 46,4 Milliarden Euro.
Mercedes startet neue Abfindungsrunde
Anzeige
Mercedes-Benz setzt seinen Sparkurs fort und will in Deutschland weitere Stellen abbauen. Dafür legt der Stuttgarter Autobauer sein freiwilliges Abfindungsprogramm neu auf, das voraussichtlich im Dezember 2026 starten soll. Es richtet sich vor allem an Beschäftigte in den indirekten Bereichen, etwa Verwaltung, Entwicklung und Produktionsplanung. Individuelle Angebote sollen Tarifbeschäftigte und Führungskräfte erhalten. Dabei gilt das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit: Beide Seiten müssen einem Ausscheiden zustimmen. Wie viele Stellen wegfallen sollen, ist bislang nicht bekannt. Bereits im Februar 2025 hatte Mercedes nach einem deutlichen Gewinneinbruch das Sparprogramm „Next Level Performance“ vorgestellt. Die weltweiten Produktionskapazitäten für Pkw sollen bis 2027 von 2,5 Millionen auf höchstens 2,2 Millionen Fahrzeuge sinken, die Produktionskosten um zehn Prozent. Helfen sollen effizientere Fertigungsprozesse, digitale Zwillinge und Einsparungen bei Material- und Fixkosten.
Im März 2025 einigten sich Konzern und Gesamtbetriebsrat zudem auf ein Maßnahmenpaket zur Senkung der Personalkosten. Im Gegenzug wurde die Beschäftigungssicherung für große Teile der deutschen Belegschaft bis Ende 2034 verlängert. Betriebsbedingte Kündigungen sind damit grundsätzlich ausgeschlossen. Stattdessen setzt Mercedes auf freiwillige Abfindungen und natürliche Fluktuation. Ein erstes Abfindungsprogramm lief von April 2025 bis März 2026. Mehr als 5.500 Beschäftigte sollen das Angebot genutzt haben.
Im Juni 2026 verschärfte Mercedes den Sparkurs erneut. Rund 90.000 der etwa 108.000 Beschäftigten in Deutschland sollten ihre tarifliche Sonderzahlung im Juli erst im Folgejahr erhalten. Zugleich forderte der Vorstand niedrigere Arbeitskosten, schlankere Strukturen und schnellere Prozesse. Die IG Metall kritisierte die Maßnahmen scharf und rief Anfang Juli zu bundesweiten Protesten auf, unter anderem in Sindelfingen und Untertürkheim.
Anzeige
Ende September kündigte Mercedes schließlich die Neuauflage des Abfindungsprogramms an. Hintergrund ist das weiterhin schwierige Marktumfeld, insbesondere in China. In den ersten neun Monaten 2026 flossen bereits rund 1,1 Milliarden Euro in Restrukturierungsmaßnahmen, vor allem im Zusammenhang mit dem bisherigen Abfindungsprogramm. Auch in Teilen der Produktion, etwa in den Komponentenwerken Untertürkheim und Berlin, laufen inzwischen freiwillige Personalmaßnahmen. Damit will Mercedes seine Fixkosten weiter senken und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Volkswagen kündigt zehn Tarifverträge im Sparkurs
Volkswagen erhöht den Druck auf die Personalkosten und hat Ende September 2026 zehn seiner 13 Haustarifverträge zum Jahresende gekündigt. Betroffen sind unter anderem Vereinbarungen zu Entgelt, Arbeitszeiten, Zulagen und Teilen der Ausbildung. Damit will der Konzern zusätzlichen Spielraum für Kostensenkungen schaffen. Welche Leistungen tatsächlich verändert werden und wie hoch mögliche Einsparungen ausfallen, ist bislang offen. Die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 bleibt bestehen, zudem wirken die gekündigten Tarifverträge zunächst nach. Die IG Metall fordert die Rücknahme der Kündigungen und droht ab Januar 2027 mit Streiks.
Die Grundlage für den Sparkurs hatte Volkswagen bereits Ende 2024 gelegt. Damals einigten sich Konzern, Betriebsrat und IG Metall auf den sozialverträglichen Abbau von mehr als 35.000 Stellen an den deutschen VW-Standorten bis 2030. Allein in der technischen Entwicklung in Wolfsburg sollen rund 4.000 Arbeitsplätze wegfallen, die Zahl der Ausbildungsplätze wird ab 2026 von 1.400 auf 600 jährlich reduziert. Im Gegenzug wurden Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 ausgeschlossen. Auch die Produktionsstruktur wird angepasst: Golf und Golf Variant sollen ab 2027 von Wolfsburg nach Mexiko verlagert werden. Die Fahrzeugfertigung in Dresden endete bereits Ende 2025, während das T-Roc Cabrio in Osnabrück noch bis 2027 produziert werden soll.
Im Juni 2026 konkretisierte Konzernchef Oliver Blume auf der Hauptversammlung den Zukunftsplan bis 2030, der jährliche Netto-Einsparungen von mehr als sechs Milliarden Euro bringen soll. Geplant sind schlankere Konzernstrukturen, der Abbau von Überkapazitäten sowie eine stärkere Vereinheitlichung von Plattformen und Bauteilen. Konzernweit stehen bei Volkswagen, Audi, Porsche und Cariad rund 50.000 Stellen zur Disposition. Mehr als 28.000 Austritte bis 2030 seien bereits verbindlich vereinbart. Für 2025 bezifferte Volkswagen die nachhaltigen Kosteneffekte auf rund eine Milliarde Euro.
Zusätzlichen Druck erzeugen schwache Ergebnisse, rückläufige Verkäufe in China und Nordamerika sowie die US-Zölle. Medienberichten zufolge werden intern sogar Szenarien mit bis zu 100.000 Stellenstreichungen und möglichen Werksschließungen diskutiert. Offiziell bestätigt sind diese Pläne nicht. Mit der Kündigung der Tarifverträge verschärfte Volkswagen Ende September 2026 seinen Sparkurs erneut. Am 23. Oktober einigten sich Konzern und IG Metall darauf, die Verhandlungen am 24. November aufzunehmen. Volkswagen drängt auf niedrigere Arbeitskosten und zusätzliche Instrumente für einen sozialverträglichen Personalabbau, darunter Transfergesellschaften. Die Gewerkschaft lehnt dies ab und kündigt Widerstand an.
Jobabbau bei BMW: Produktion bleibt vorerst ausgenommen
BMW plant weltweit den Abbau von rund 8.000 Stellen und ist damit der letzte große deutsche Autohersteller, der ein umfangreiches Sparprogramm einleitet. Der Stellenabbau soll möglichst sozialverträglich über natürliche Fluktuation und ein freiwilliges Abfindungsprogramm erfolgen, das von Oktober 2026 bis Ende 2027 läuft. Da mehr als die Hälfte der knapp 154.000 Beschäftigten in Deutschland arbeitet, dürfte ein großer Teil der Kürzungen deutsche Standorte betreffen. Ausgenommen sind Mitarbeitende in der direkten Produktion.
Hintergrund sind sinkende Gewinne, der schwache chinesische Markt, zunehmender Preis- und Konkurrenzdruck, US-Zölle sowie die allgemeine Konjunkturschwäche. Zudem sollen die hohen Entwicklungskosten für die neue Fahrzeuggeneration „Neue Klasse“ nach deren Markteinführung wieder sinken. BMW rechnet im Zuge der Restrukturierung mit einmaligen Belastungen von rund einer Milliarde Euro, wobei unklar ist, welcher Anteil auf Abfindungen entfällt. Die IG Metall reagierte zurückhaltend und betonte, dass tarifvertragliche Regelungen bestehen bleiben. Bereits zwischen Mitte 2025 und Mitte 2026 war die BMW-Belegschaft um etwa 2.000 Personen geschrumpft.
Proteste gegen IAV-Stellenabbau angekündigt
Der Entwicklungsdienstleister IAV verschärft seinen Sparkurs und will bundesweit rund 1.400 Stellen streichen. Besonders betroffen ist der Standort Berlin: Das Betriebsgelände in Charlottenburg soll bis spätestens 2027 verkauft werden, lediglich ein „kompakter Kern“ der Belegschaft soll in der Hauptstadt verbleiben. Den übrigen Beschäftigten bietet IAV einen Wechsel nach Gifhorn in Niedersachsen an. Das Unternehmen begründet den Schritt mit Überkapazitäten und veränderten Marktbedingungen; die Maßnahmen sollen die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und Engineering-Arbeitsplätze in Deutschland erhalten. Die IG Metall kritisiert die Pläne scharf und kündigt Widerstand an. Eine Schließung des Berliner Stammsitzes mit rund 1.250 Beschäftigten werde man nicht hinnehmen, erklärte die Gewerkschaft. Auch der Standort Stollberg in Sachsen ist von den Abbauplänen betroffen; Proteste sind bereits angekündigt.
Bentley startet Sparprogramm trotz Gewinn
Auch bei Bentley steht trotz weiter schwarzer Zahlen ein Sparkurs an. Die VW-Luxustochter hat ein Effizienzprogramm angekündigt, das den Abbau von bis zu 275 Stellen vorsieht, vor allem in Management-Funktionen und nicht-produzierenden Bereichen. Das Unternehmen reagiert damit auf wachsenden Wettbewerbsdruck, sinkende Auslieferungen und die hohen Anforderungen der Elektrifizierungsstrategie. Zwar schrieb Bentley 2025 zum siebten Mal in Folge Gewinn, doch das operative Ergebnis geriet unter anderem durch Plattformkosten sowie Wechselkurs- und Zolleffekte unter Druck. Parallel hält der Hersteller an seinen milliardenschweren Investitionen in den Standort Crewe fest, um das Werk für die Produktion künftiger Elektromodelle umzurüsten.
Trotz der angekündigten Stellenstreichungen will man bei Bentley in Cewe an hohen Standortinvestitionen festhalten, um die Zukunftsfähigkeit des Werkes zu sichern.Jonathan FLEETWOOD
MAN kündigt Stellenabbau am Hauptstandort an
Der Lastwagen- und Bushersteller MAN will in Deutschland rund 2.300 Stellen abbauen. Das soll über 10 Jahre hinweg und "absolut sozialverträglich" passieren, wie ein Sprecher sagte. Kündigungen sind nicht geplant. Betroffen sind vor allem der Hauptstandort München mit 1.300 Jobs, Salzgitter mit 600 und Nürnberg mit 400 Stellen. MAN müsse sich dem "anhaltend schwächelnden Truck-Markt in Deutschland anpassen und seine Kostenposition weiter verbessern", begründet MAN den Schritt. Belastend seien hohe Strom- und Arbeitskosten und der steigende Druck der asiatischen Konkurrenz. Das schlage sich auch auf die Rendite nieder. "Wir gehen jetzt in eine Hochinvestitionsphase und müssen anhaltend Gewinne erwirtschaften, um unser Produktportfolio auszuweiten", sagte der Sprecher.
Bei den Nutzfahrzeugherstellern in Europa fange die Transformation mit elektrischen Trucks gerade erst an .Produktionsstandorte sollen erhalten bleiben. Durch den Abbau fielen zudem weniger Stellen weg, als Mitarbeiter in Rente gingen, heißt es von MAN. Man werde also auch weiterhin Menschen einstellen und bleibe ein heimischer Nutzfahrzeughersteller, mit dann rund 13.000 Mitarbeitern, sagte ein Sprecher. "Alle unsere Produktionsstandorte in München, Nürnberg, Salzgitter und Wittlich sollen erhalten bleiben." Dort werde man über die nächsten fünf Jahre eine Milliarde Euro investieren.
Continental prüft Abspaltung von Contitech
Die ersten Sparmaßnahmen verkündete der Hannoversche Zulieferer Continental im November 2023: In der Automotive-Sparte, in der die Geschäfte mit Displays und Fahrassistenzsystemen gebündelt sind, sollten weltweit rund 5.500 Stellen abgebaut werden, über 1.000 davon an den rund 30 deutschen Standorten. Im Februar 2024 kündigte Conti dann an, rund 7.150 weitere Stellen zu kürzen, davon 5.400 in den Verwaltungsbereichen sowie 1750 Stellen im Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk. Rund ein Jahr später meldet der Zulieferer, dass bereits 80 bis 90 Prozent der angekündigten Stellenstreichungen umgesetzt wurden. Angesichts der weiterhin schwierigen Lage in der Automobilbranche will das Unternehmen jedoch bis zum Ende 2026 weitere 3.000 Jobs der schwächelnden Autozuliefersparte kürzen. Einen zusätzlichen Stellenabbau gäbe es auch bei der Softwaretochter Elektrobit mit Sitz in Erlangen und Standorten unter anderem in Berlin, Stuttgart und Braunschweig. Scharfe Kritik kam von der Arbeitnehmerseite. „Wir sind zutiefst besorgt, dass sich die tiefen Einschnitte bei der Automotive Forschung und Entwicklung zu einem umfassenden Kahlschlag ausweiten“, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Iglhaut. „Stellenabbau und Kostensenkungen um jeden Preis“ seien keine tragfähige Zukunftsstrategie.
Auch bei Kunststofftechnik-Tochter Contitech setzt der Zulieferer wie kürzlich verkündet nun den Rotstift an. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, sollen von 2028 an jährlich 150 Millionen Euro eingespart werden, insbesondere in der Verwaltung, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt. Dafür würden vom kommenden Jahr an Tätigkeiten verlagert, Stellen abgebaut und Abläufe angepasst. "Die genaue Zahl der abzubauenden Stellen in Deutschland sowie die Art der Umsetzung hängen von der Ausgestaltung der Maßnahmen in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern ab", teilte Continental mit. Ein Großteil der geplanten Veränderungen entfalle auf die in Hannover ansässigen Bereiche von Contitech. Continental will sich nach der Abspaltung seiner Autosparte Aumovio im kommenden Jahr auch von Contitech trennen. Im Konzern verbleiben soll nur das angestammte Reifengeschäft, auf das rund ein Drittel des bisherigen Konzernumsatzes entfällt.
Der Continental-Unternehmensbereich ContiTech plant die Einstellung der Produktion an den Standorten Bad Blankenburg (Thüringen), Stolzenau (Niedersachsen) und Moers (Nordrhein-Westfalen) sowie die Einstellung des Werkzeugbaus am Doppelstandort Frohburg und Geithain (Sachsen).(Bild: Continental / Collage)
Auch bei Conti-Tochter Aumovio wird der Sparkurs konkreter. Hintergrund ist die Neuausrichtung der weltweiten F&E-Aktivitäten, von der an den süddeutschen Standorten Ulm, Lindau und Markdorf bis zu 600 Mitarbeitende betroffen sind. Um den Stellenabbau sozialverträglich abzufedern, hat Aumovio mit dem Rüstungselektronik-Spezialisten Hensoldt eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Ziel ist es, betroffenen Beschäftigten neue berufliche Perspektiven zu eröffnen. Hensoldt, das seine Kapazitäten wegen der hohen Nachfrage in der Verteidigungsindustrie deutlich ausbaut, sucht insbesondere Fachkräfte aus den Bereichen Systementwicklung, Software und Elektrotechnik – also genau jene Kompetenzen, die auch bei Aumovio gefragt sind. Aumovio betont dabei seinen Ansatz „Von Arbeit in Arbeit“ und will gemeinsam mit Sozialpartnern und regionalen Unternehmen nahtlose Übergänge in neue Beschäftigung ermöglichen.
AMS Osram baut weltweit tausende Stellen ab
Trotz verbesserter Geschäftszahlen plant der deutsch-österreichische Lichtkonzern AMS Osram einen weltweiten Stellenabbau, der auch einen Standort in Baden-Württemberg betrifft. Nach Angaben des Unternehmens sollen mehrere hundert Arbeitsplätze in Deutschland entfallen. Insgesamt ist der Abbau von rund 2.000 Stellen vorgesehen, davon jeweils etwa 1.000 in Europa und Asien. Ein Teil dieser Maßnahmen war allerdings bereits zuvor angekündigt worden. Zeitgleich präsentierte AMS Osram am Morgen aktuelle Geschäftszahlen, die einen deutlichen Aufwärtstrend erkennen lassen. Demnach ist es dem Konzern gelungen, den Verlust spürbar zu reduzieren. Ungeachtet dessen sind auch am Standort Herbrechtingen im Landkreis Heidenheim, an dem Halogenlampen gefertigt werden, Stellenstreichungen geplant. Wie viele Arbeitsplätze konkret betroffen sind, wollte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage nicht beziffern. In Herbrechtingen beschäftigt AMS Osram derzeit rund 470 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der Schwerpunkt des Stellenabbaus in Europa liegt nach Unternehmensangaben in Deutschland. Im Halbleitergeschäft am Standort Regensburg sollen laut Konzernchef Aldo Kamper eine niedrige bis mittlere dreistellige Zahl an Arbeitsplätzen wegfallen. Betroffen seien vor allem etablierte Produkte, die inzwischen auch von asiatischen Wettbewerbern angeboten würden. Aus Kostengründen werde deren Produktion nach Asien verlagert. In Regensburg entstehe dadurch jedoch Raum für den Ausbau hochautomatisierter Fertigungsprozesse. Weitere Stellen werden im Lampengeschäft abgebaut. Neben dem Standort in Baden-Württemberg betrifft dies insbesondere Schwabmünchen bei Augsburg. Die Schließung des Werks in Schwabmünchen ist bereits seit einiger Zeit bekannt, wird nun aber in den aktuellen Zahlen des Konzerns berücksichtigt. Die IG Metall hatte den dortigen Stellenabbau zuletzt mit 270 Arbeitsplätzen beziffert. Das Geschäft mit klassischen Halogenlampen für Automobile geht seit Längerem zurück, da diese Produkte schrittweise durch LED-Technologie ersetzt werden. Konzernchef Kamper betonte jedoch, dass die Halogenlampen noch über viele Jahre hinweg eine Rolle spielen würden.
Der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck will in Europa wettbewerbsfähiger werden und hat sich mit dem Gesamtbetriebsrat auf Eckpunkte für die Standorte in Deutschland geeinigt. Von dem Sparprogramm Cost Down Europe bei der zuletzt schwächelnden Marke Mercedes-Benz Trucks sind sowohl die Produktion als auch die Zentrale, Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung und damit rund 28.000 der 35.500 deutschen Beschäftigten betroffen. Neben der Senkung der Materialkosten sind gleichfalls die Personalkosten ein Teil des Gesamtpakets.
So ist auch ein Personalabbau von 5.000 Stellen vorgesehen. An den insgesamt fünf deutschen Standorten in Gaggenau, Kassel, Mannheim, Stuttgart und Wörth sollen die wiederkehrenden Kosten um mehr als eine Milliarde Euro bis spätestens 2030 dauerhaft gesenkt werden. Achim Puchert, als Vorstandsmitglied verantwortlich für Mercedes-Benz Trucks sowie die Regionen Europa und Lateinamerika, erklärte gegenüber der dpa, man werde weitestgehend mit der natürlichen Fluktuation und Altersteilzeit bei der Reduzierung der Personalkosten hinkommen. Aber auch gezielte Abfindungsprogramme seien möglich, hieß es. „In den anderen Funktionen werden wir um einen sozialverträglichen Personalabbau nicht herumkommen", so Puchert.
Dennoch haben sich Unternehmen und der Gesamtbetriebsrat darauf geeinigt, die laufende Beschäftigungssicherung zu verlängern. Gesamtbetriebsratschef Brecht sagte, dies sei ein zentrales Anliegen gewesen: „Sie läuft nun bis Ende 2034. Somit sind betriebsbedingte Kündigungen von jetzt an für zehn Jahre ausgeschlossen. Das gibt zusätzliche Sicherheit für die Kolleginnen und Kollegen in Deutschland." Bei der Leiharbeit gibt es eine einheitliche Lösung: Die Quote wurde auf 18 Prozent erhöht. Das Thema spiele in der Produktion zurzeit eine geringe Rolle, sagte Brecht. An allen deutschen Standorten gibt es aktuell etwa nur 700 Leiharbeiter.
Webasto will im Zuge seiner Sanierung rund 650 Stellen in Deutschland abbauen. Darauf haben sich Management und Arbeitnehmervertreter geeinigt, wie das in Stockdorf vor den Toren Münchens ansässige Unternehmen mitteilte. Der Stellenabbau soll möglichst sozialverträglich ablaufen, Vorstand und Betriebsrat haben einen Sozialplan vereinbart. „Dies war eine schwere, aber angesichts der Marktentwicklung auch bei Webasto unumgängliche Entscheidung“, sagte der erst seit wenigen Wochen amtierende Vorstandschef Jörg Buchheim laut Mitteilung.
Webasto beschäftigte Ende 2024 weltweit gut 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon aber nur 3.700 in Deutschland. Die Vereinbarung bedeutet, dass in den heimischen Standorten knapp jede sechste Stelle wegfallen soll. „Die geplanten Personalmaßnahmen werden wir mit größtem Respekt für die soziale Sicherheit unserer Mitarbeitenden und im Einklang mit unserer Unternehmenskultur umsetzen“, sicherte Buchheim der Belegschaft zu. Eine Transfergesellschaft soll den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter maximal zwölf Monate bei der Suche nach einer neuen Tätigkeit unterstützen. Der Stellenabbau soll schon Ende dieses Jahres vollzogen sein.
Der Stellenabbau soll schwerpunktmäßig die Unternehmensverwaltung und Entwicklung treffen, aber auch die Kapazitäten der Produktion sollen an die gesunkene Nachfrage „angepasst“ werden. Betroffen sind demnach die Standorte Gilching, Hengersberg, Neubrandenburg, Utting sowie die Stockdorfer Zentrale. Webasto war im vergangenen Jahr in finanzielle Schieflage geraten und hatte im Dezember eine Stabilisierungsvereinbarung mit den wichtigsten Gläubigern abgeschlossen. Im vergangenen Monat hatte bereits der langjährige Vorstandschef Holger Engelmann Webasto das 124 Jahre alte Familienunternehmen vorzeitig verlassen.
5.600 Stellen - 2.600 davon in Deutschland - sollen bis Ende September 2027 im zur Sparte Digital Industries (DI) gehörenden Automatisierungsgeschäft von Siemens wegfallen. Insgesamt plane der Zulieferer weltweit rund 6.000 Stellen zu streichen. Veränderte Bedingungen in zentralen Märkten machten Anpassungen notwendig, hieß es von Siemens selbst. „Insbesondere der deutsche Markt ist seit zwei Jahren rückläufig. Daher müssen Kapazitäten in Deutschland angepasst werden.“ Insgesamt werde der Personalbestand in Deutschland aber „in der Tendenz konstant“ bleiben, da Siemens in anderen, wachsenden Bereichen rekrutiere. Denn im Automatisierungsgeschäft war der Umsatz zuletzt deutlich abgesackt, aber insgesamt laufen die Geschäfte bei Siemens derzeit gut: Im ersten Quartal machte der Konzern einen Gewinn von 2,1 Milliarden Euro.
Von der Arbeitnehmerseite kam Kritik. „Wir haben kein Verständnis für die geplanten Maßnahmen bei der DI und sind angesichts der massiven geplanten Abbauzahl überrascht und verärgert“, sagte die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, Birgit Steinborn. „Wenn die One Tech Company ein Wachstumsprogramm sein soll, dann fordern wir, dass Arbeitsplätze nachhaltig geschaffen statt zugunsten der Profitmarge abgebaut werden“, so Steinborn. Unter diesem Titel hat Siemens vergangenes Jahr ein Programm angekündigt, mit dem unter anderem Einheiten stärker zusammengebracht werden sollen.
Nach einem schwierigen Jahr 2024 mit rückläufigen Verkaufszahlen reagiert Audi mit einem umfangreichen Sparprogramm. Die Notwendigkeit ist offensichtlich: Der weltweite Absatz sank um 11,8 Prozent auf 1.671.218 Fahrzeuge, wobei keine Region von den Rückgängen verschont blieb. Besonders betroffen waren China und die USA, während Europa mit einem Minus von 5,9 Prozent vergleichsweise glimpflich davonkam. Eine besonders schwerwiegende Maßnahme: Audi streicht bis Ende 2029 insgesamt 7.500 Stellen in Deutschland, um jährlich über eine Milliarde Euro einzusparen. Die Einigung mit dem Betriebsrat sieht vor, dass es bis Ende 2033 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Der Stellenabbau betrifft vor allem den „indirekten Bereich“ und soll Bürokratie reduzieren.
Parallel investiert Audi acht Milliarden Euro in die deutschen Werke. In Ingolstadt wird ein weiteres Einstiegs-Elektromodell gefertigt, während Neckarsulm durch Digitalisierung und KI gestärkt werden soll. Zudem prüft Audi die Produktion eines zusätzlichen Modells am Standort und richtet einen Standortfonds über 250 Millionen Euro ein. Die Mitarbeiter müssen sich zudem auf finanzielle Einschnitte einstellen: Die Ergebnisbeteiligung wird strukturell umgebaut und gekürzt. 2023 lag die Prämie noch bei 8.840 Euro pro Mitarbeiter, dürfte aber künftig geringer ausfallen.
Fast täglich tauchen neue Meldungen über immer extremere Sparmaßnahmen der Automobilunternehmen auf. So brandaktuell auch die kolportierte Ausgliederung der Antriebssparte bei Zulieferer ZF. Wie das Handelsblatt berichtet, prüfe das Unternehmen unter dem Namen Projekt Verde eine Abspaltung seiner zweitgrößten Division, die mehr als 32.000 Beschäftigte umfasst und mit einem Umsatzvolumen von über elf Milliarden Euro knapp ein Viertel des Konzernumsatzes umfasst. Besprochen habe ZF dieses Projekt, das wichtige Standorte wie Schweinfurt, die Zentrale in Friedrichshafen und das Getriebewerk in Saarbrücken betreffen würde, auf einer Betriebsversammlung am 18. Februar.
„In der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien bündelt ZF alle Pkw-Antriebsvarianten – von konventionellen über Plug-in-Hybrid- bis zu rein elektrischen Antrieben. Diese Geschäftseinheit leidet in besonderem Maße unter dem verzögerten Anlauf der E-Mobilität, den hohen Kosten und daraus resultierenden geringen Margen im traditionellen Getriebe-Geschäft", kommentierte ein ZF-Sprecher auf Anfrage von Automobil Produktion. „Um dieser Division wieder profitables Wachstum zu ermöglichen und die dafür nötigen Investitionen zu tätigen, prüfen wir derzeit strategische Kooperationen und Partnerschaften. Sie können sich auf einzelne Komponenten oder auch die gesamte Division beziehen. Dazu sind wir auch im regelmäßigen Dialog mit der Arbeitnehmervertretung.“ Den Status dieser Überlegungen wolle man öffentlich nicht kommentieren, so der Sprecher. Bereits im Juli 2024 schockte der Zulieferer mit Sparmaßnahmen: Bis zu 14.000 Stellen wolle man bis zum Ende des Jahrzehnts streichen, knapp 2.000 am Standort in Saarbrücken. Der zunächst bis Ende 2025 angepeilte Jobabbau in Saarbrücken soll ZF zufolge vor allem mit dem Auslaufen befristeter Verträge erreicht werden. Sollte sich die Auftragslage weiter nicht bessern, könnten dort bis Ende 2028 demnach sogar 4.500 der rund 10.000 Arbeitsplätze wegfallen. Das hoch verschuldete Unternehmen hatte sich zuvor ein strenges Sparprogramm auferlegt, um innerhalb von zwei Jahren seine weltweiten Kosten um ungefähr sechs Milliarden Euro zu reduzieren, hieß es.
Der Automobilzulieferer hat im Jahr 2024 einen Nettoverlust von knapp über einer Milliarde Euro verzeichnet, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 126 Millionen Euro erzielt wurde. Hauptursache für dieses negative Ergebnis waren hohe Rückstellungen für Umbaukosten in Höhe von rund 600 Millionen Euro. Der Umsatz sank um etwa elf Prozent auf 41,4 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 5,2 Milliarden Euro gegenüber 2023 entspricht. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) lag bei rund 1,5 Milliarden Euro, etwa 900 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.
Schaeffler schließt zwei europäische Standorte
Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hat im vergangenen Jahr schwächer abgeschnitten als vom Markt erwartet. So stieg der Umsatz zwar von 16,3 Milliarden auf 18,2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen anhand vorläufiger Zahlen mitteilte. Analysten hatten jedoch im Schnitt mit 18,5 Milliarden Euro gerechnet. Treiber des Anstiegs sei vor allem die Konsolidierung von Vitesco ab dem vierten Quartal gewesen, hieß es. Wie viele andere strauchelnde Zulieferer hatte Schaeffler Ende 2024 bereits einen deutlichen Stellenabbau verkündet: 4.700 Arbeitsplätze, 2.800 davon in Deutschland, sind planmäßig von diesen Maßnahmen betroffen und sollen bis 2027 abgebaut werden. Zwei europäische Standorte stünden zudem vor einer endgültigen Schließung.
Angesichts anhaltender finanzieller Schwierigkeiten hat Nissan unter der Leitung von CEO Makoto Uchida ein umfassendes Restrukturierungsprogramm initiiert, das auf die Stabilisierung des Unternehmens abzielt. Diese Maßnahmen folgen auf wiederholte Quartalsverluste und das Scheitern der Fusionsgespräche mit Honda. Nissan plant, innerhalb der nächsten zwei Jahre drei Produktionsstätten zu schließen. Die erste Schließung betrifft ein Werk in Thailand im Sommer 2025; die Standorte der beiden weiteren, die bis März 2027 stillgelegt werden sollen, wurden nicht bekannt gegeben. Zusätzlich werden in den US-amerikanischen Werken in Smyrna, Tennessee, und Canton, Mississippi, die Schichten reduziert, was zu weiteren Arbeitsplatzverlusten führt. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die weltweite Produktionskapazität um eine Million Einheiten auf vier Millionen Fahrzeuge pro Jahr zu senken.
Im Rahmen der Restrukturierung werden weltweit 9.000 Stellen abgebaut, was etwa 6,7 Prozent der globalen Belegschaft von 134.000 Mitarbeitern entspricht. Zudem ist eine Reduzierung der Führungspositionen um 20 Prozent geplant, um Entscheidungsprozesse zu straffen und die Effizienz zu erhöhen. Trotz der aktuellen Herausforderungen betont CEO Uchida die Bedeutung von Autonomie und die Notwendigkeit, das Potenzial von Nissan voll auszuschöpfen. Das Unternehmen bleibt offen für alternative Partnerschaften und fokussiert sich auf strategische Projekte, einschließlich der fortgesetzten Zusammenarbeit mit Honda im Bereich softwaredefinierter Fahrzeuge.
Obwohl der ElringKlinger-Konzern vorläufig „insgesamt solide Geschäftszahlen" verkünden konnte, leitet der Automobilzulieferer ebenfalls drastische Sparmaßnahmen ein. „Trotz hoher Investitionen in den Zukunftsfeldern haben wir einen starken operativen Free Cashflow erzielt und konnten die Nettofinanzverbindlichkeiten auf den niedrigsten Stand seit dreizehn Jahren senken. Mit dieser Entschuldung haben wir die Finanzierungsstruktur von ElringKlinger verbessert und ein festes Fundament für die weitere Transformation des Konzerns geschaffen. Nichtsdestotrotz sind die Rahmenbedingungen herausfordernd und erfordern ein klares, konsequentes Vorgehen", kommentiert CEO Thomas Jessulat.
Um den Konzern in diesem herausfordernden wirtschaftlichen und politischen Umfeld resilient aufzustellen, hat der Vorstand ein strategisches Maßnahmenpaket beschlossen und stellt unter anderem das Systemgeschäft bei elektrischen Antriebseinheiten ein. Zudem hat der Automobilakteur zum 31. Dezember 2024 den im Oktober unterzeichneten Verkauf zweier Gesellschaften in der Schweiz und in den USA rechtlich vollzogen. Diese Veräußerung erfolgte vor dem Hintergrund, dass hohe Investitionen zur kompetitiven Fortführung notwendig gewesen wären und den Konzern auf seinem Weg der Transformation eingeschränkt hätten. Vor dem Hintergrund der herausfordernden Situation in der weltweiten Automobilbranche reduziert ElringKlinger außerdem seine Standorte und plant, neben dem Werk in Thale, Deutschland, auch den US-amerikanischen Standort in Fremont, CA, stillzulegen. Beide Werke sollen Mitte des Jahres aus dem Konzernverbund ausscheiden.
Thyssenkrupp will weltweite Kosten senken
Der auch als Autozulieferer agierende Stahlkonzern Thyssenkrupp baut in der entsprechenden Sparte Stellen ab. „Ziel ist eine weltweite Senkung der Kosten um über 150 Millionen Euro, dies soll unter anderem durch einen Abbau von rechnerisch rund 1.800 Arbeitsplätzen erreicht werden“, teilte Thyssenkrupp Automotive Technology mit. Nach Unternehmensangaben hatte Thyssenkrupp Automotive zuletzt knapp 31.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Kosten senken will Thyssenkrupp Automotive Technology konkret durch eine Anpassung der Investitionen, eine Reduzierung des gebundenen Betriebskapitals sowie einen vorübergehenden Einstellungsstopp, insbesondere für Positionen oberhalb einer bestimmten Gehaltsgrenze. Die Kostensenkungen ergänzten ein konzernweites Programm. „Die Diskussionen um neue Zölle erzeugen weitere Unsicherheit“, sagte der Chef der Automotive-Sparte, Volkmar Dinstuhl.
Dieser Artikel wurde ursprünglich am 19.02.2025 veröffentlicht und wird seitdem fortlaufend aktualisiert. / Mit Material der dpa.