Batteriematerialien

Vor allem die Batterieproduktion erfordert eine Vielzahl neuer Materialien. (Bild: Volkswagen)

Volkswagen veröffentlichte für das Jahr 2021 erstmals seinen Responsible Materials Report, in dem Methodik und Aktivitäten des Autokonzerns detailliert dargestellt werden. Im Fokus stehen Maßnahmen zur Minderung von Menschenrechts- und Umweltrisiken in besonders gefährdeten Rohstofflieferketten. Insgesamt beinhaltet das Dossier Informationen zu 16 Risiko-Rohstoffen wie Lithium und Kobalt. Die höchsten Risiken bestünden auf Ebenen der Lieferkette, zu denen Volkswagen keine direkten Vertragsbeziehungen unterhält, so der Konzern. Dies mache die Umsetzung von Standards besonders anspruchsvoll.

Für die eigenen Zulieferer hat Volkswagen im vergangenen Jahr verbindliche Nachhaltigkeitsanforderungen implementiert, die unter anderem Leder und Naturkautschuk betreffen. Zudem hat sich der OEM einem Moratorium für den Tiefseebergbau angeschlossen und trat der Globalen Plattform für nachhaltigen Naturkautschuk (GPSNR) bei.

Für das Jahr 2022 hat Volkswagen als eines der zentralen Ziele die vertiefte Zusammenarbeit mit Zulieferern in der gesamten Batterielieferkette ausgerufen. Hierfür ist der Autobauer unter anderem der Initiative for Responsible Mining Assurance (IRMA) beigetreten und hat sich verpflichtet, entsprechende Standards in den eigenen Lieferketten umzusetzen. Gleichzeitig sollen die Möglichkeiten des Recyclings für Batteriematerialien erweitern werden. Zu diesem Zweck führt der Wolfsburger Hersteller das Forschungskonsortium HVBatCycle an, das Kathodenmetalle, Elektrolyt und Graphit dauerhaft in Closed-Loop-Systeme überführen möchte.

„Um Risiken für Menschenrechte zu erkennen, zu bewerten und zu mindern und um eine verantwortungsvolle Rohstoffbeschaffung sicherzustellen, haben wir entsprechende Managementsysteme implementiert“, erläutert Volkswagens Einkaufsvorstand Murat Aksel. „Andererseits haben wir hohe Erwartungen an unsere Geschäftspartner und Lieferanten in Bezug auf die Nachhaltigkeit. Nicht verhandelbare Grundlagen unserer Geschäftsbeziehungen sind zum Beispiel unser Code of Conduct für Geschäftspartner, unser Nachhaltigkeitsrating sowie ein Beschwerdemechanismus.“

Renault bezieht Materialien aus Marokko

Auch die französischen Konkurrenten Volkswagens melden Vollzug bei der Sicherung von nachhaltigen Rohstoffreserven. So hat unter anderem Renault eine Kooperation mit dem Metallunternehmen Managem aus Marokko abgeschlossen, in dessen Fokus die Lieferung von Kobaltsulfat für Batterien steht. Managem soll über die kommenden sieben Jahre insgesamt 5.000 Tonnen des Rohstoffs liefern. Durch die langfristig angelegte Partnerschaft ergebe sich die Möglichkeit, Nachhaltigkeitssysteme in die eigene Lieferkette für Batterien einzubinden, so der Autohersteller. Im Fokus steht neben der Vermeidung von Emissionen auch die Optimierung der Energiebilanz mit Hilfe grüner Technologien.

Insgesamt möchte die Renault-Gruppe den CO2-Fußabdruck der eigenen Batterien bis 2030 um 35 Prozent senken. Partnerunternehmen, die diese Strategie mittragen, sind unter anderem Vulcan für die Lieferung von emissionsarmem Lithium und Terrafame für entsprechende Nickelsubstrate.

Stellantis setzt auf nachhaltiges Lithiumhydroxid

Stellantis möchte hingegen durch eine neue Kooperation mit dem Zulieferer Controlled Thermal Ressources (CTR) die eigenen Lieferketten stärken. Beide Unternehmen haben Anfang des Monats eine Vereinbarung über die Lieferung von Lithiumhydroxid unterzeichnet, das in der nordamerikanischen Fertigung von E-Fahrzeugen zum Einsatz kommen soll. Das Projekt Hell’s Kitchen von CTR im kalifornischen Imperial County soll Lithium aus geothermischen Solen gewinnen. Damit werden erneuerbare Energie und Dampf verwendet, um Lithiumprodukte herzustellen. CTR soll Stellantis über zehn Jahre rund 25.000 Tonnen Lithiumhydroxid liefern.

„Im Kampf gegen die globale Erderwärmung ist die Stärkung unserer Lieferkette für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge zur Unterstützung unserer ehrgeizigen Elektrifizierungsziele absolut entscheidend“, betont Stellantis-CEO Carlos Tavares. „Indem wir sicherstellen, dass wir durch verschiedene Partnerschaften auf der ganzen Welt über eine robuste, wettbewerbsfähige und kohlenstoffarme Lithiumversorgung verfügen, können wir unsere ambitionierten Produktionspläne für Elektrofahrzeuge auf verantwortungsvolle Weise erfüllen.“ Für den europäischen Markt unterzeichnete Stellantis bereits im vergangenen Jahr einen ähnlichen Vertrag mit dem Zulieferer Vulcan, der ab 2026 für fünf Jahre entsprechende Materialien zuliefern soll.

Als Teil des Strategieplans Dare Forward 2030 möchte der Volumenhersteller bis 2030 weltweit rund fünf Millionen BEV pro Jahr verkaufen. Dies entspricht 100 Prozent des europäischen sowie 50 Prozent des nordamerikanischen Absatzes. In diesem Zusammenhang sollen die eigenen Batteriekapazitäten auf insgesamt 400 GwH anwachsen.

Volvo will CO2-neutralen Stahl einsetzen

Volvo setzt aktuell bei der nachhaltigen Fahrzeugproduktion beim Stahl an. Der schwedische Autobauer ist als erster OEM der Initiative SteelZero beigetreten, die den Übergang zur CO2-Neutralität in der Stahlfertigung beschleunigen möchte. Mit der Unterzeichnung entsprechender Erklärungen verpflichtet sich Volvo, bis 2030 Anforderungen an eine CO2-basierte Stahlbeschaffung zu erfüllen. Bis 2050 soll der gesamte Stahl klimaneutral geliefert werden. Die Produktion von Stahl machte laut dem schwedischen Autohersteller im Jahr 2021 rund 33 Prozent aller mit der Fertigung verbundenen Emissionen der eigenen Fahrzeuge aus. Weltweit ist die Stahlherstellung für sieben Prozent aller Emissionen verantwortlich.

„Nachhaltigkeit in der Stahlproduktion ist nicht nur eine gute Nachricht für die Umwelt, sondern auch für das Geschäft, denn dadurch begrenzen wir unsere Anfälligkeit für künftige Klimarisiken und -vorschriften“, sagt Kerstin Enochsson, Chief Procurement Officer bei Volvo. „Wir freuen uns, der SteelZero Initiative beizutreten und die Transformation der Stahlindustrie zu unterstützen. Wir signalisieren unsere Nachfrage nach verantwortungsvoll beschafftem, CO2-armem und -freiem Stahl und wollen damit dazu beitragen, dass die Bereitstellung für unseren Sektor erhöht wird.“

SteelZero wurde von der Climate Group in Zusammenarbeit mit ResponsibleSteel ins Leben gerufen, einem Standardisierungs- und Zertifizierungsgremium der Stahlindustrie, dem auch Volvo Cars beitreten möchte. Neben der CO2-Reduzierung konzentriert sich ResponsibleSteel auch auf Arbeits- und Menschenrechte innerhalb der Lieferkette, sowie die Nutzung von Wasser und die Auswirkungen auf lokale Ökosysteme. Im vergangenen Jahr kündigte das Unternehmen zudem eine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Stahlhersteller SSAB an, um im Rahmen von dessen HYBRIT-Initiative die Entwicklung von fossilfreiem, hochwertigem Stahl für die Automobilindustrie zu erforschen.

Volvo strebt aktuell an, den CO2-Fußabdruck eigener Fahrzeuge bis 2025 um 40 Prozent im Vergleich zu 2018 zu senken. Dies soll unter anderem durch eine Verringerung der CO2-Emissionen in der Lieferkette um 25 Prozent bis 2025 erreicht werden. Ebenfalls 2025 soll eine klimaneutrale Produktion Realität werden. Die europäischen Volvo-Werke sowie die chinesischen Standorte in Chengdu und Daqing werden bereits zu 100 Prozent mit sauberem Strom betrieben, heißt es beim Hersteller.

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