Führungswechsel

Geely-Gründer Li Shufu tritt ab

Bedeutender Führungswechsel bei Geely: Gründer Li Shufu zieht sich vom Vorsitz zurück und wird Ehrenvorsitzender auf Lebenszeit. Neuer Chairman wird An Conghui. Li tritt in einer ziemlich erfolgreichen Phase der internationalen Expansion ab.

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Li Shufu hat Geely zu einem international expandierenden Autokonzern aufgebaut. Im Jahr 2010 kaufte Geely den schwedischen OEM Volvo.

Der chinesische Automobilhersteller Geely stellt seine Führungsstruktur neu auf. Unternehmensgründer Li Shufu gibt zum 18. August 2026 den Vorsitz des Verwaltungsrats ab und scheidet zugleich als Executive Director aus. Zum neuen Chairman wird An Conghui ernannt, auch bekannt als Andy An.

Li Shufu bleibt dem Unternehmen jedoch eng verbunden. Der Milliardär wird zum „Honorary Chairman for Life“ ernannt, einer repräsentativen Ehrenfunktion ohne operative Verantwortung. Zudem bleibt er Großaktionär und kontrollierender Anteilseigner von Geely Automobile. Nach Angaben des Unternehmens hat er derzeit keine Absicht, seine Beteiligung zu reduzieren. „Ich habe volles Vertrauen in die zukünftige Entwicklung des Unternehmens unter der Führung des neuen Chairman, des Managementteams und des Verwaltungsrats“, erklärte Li Shufu laut Mitteilung.

Der scheidende Unternehmensgründer hat Geely in den zurückliegenden 20 Jahren zu einem international aufsteigenden OEM gemacht, der auch jenseits des chinesischen Heimatmarktes funktioniert. Im Jahr 2010 übernahm Li den angeschlagenen schwedischen Autobauer Volvo von Ford, 2018 wurde er Großaktionär beim Daimler-Konzern.

An Conghui übernimmt den Vorsitz

Mit An Conghui rückt eine zentrale Führungspersönlichkeit aus dem Geely-Umfeld an die Spitze des Unternehmens. Geely bezeichnet die Ernennung als geordneten Übergang im Rahmen der bereits im Juni angekündigten Nachfolgeplanung. Der Konzern verweist auf die langjährige Erfahrung Ans innerhalb der Geely-Gruppe sowie auf dessen tiefes Verständnis für die strategische Ausrichtung und das operative Geschäft.

Nach Einschätzung des Verwaltungsrats soll der Wechsel die Zusammenarbeit zwischen Geely Automobile und dem kontrollierenden Aktionär weiter stärken. Gleichzeitig betont das Unternehmen, mögliche Interessenkonflikte weiterhin gemäß den Börsenregeln in Hongkong und den internen Governance-Vorgaben zu überwachen.

Parallel zum Wechsel an der Spitze wird auch die Führungsstruktur des Managements angepasst. Der bisherige CEO Gui Shengyue übernimmt die Funktion des Vice Chairman. Neuer CEO wird Gan Jiayue, der bereits dem Vorstand als Executive Director angehört. Geely begründet die Entscheidung mit dessen umfangreicher Managementerfahrung und Branchenexpertise. Der bisherige Vice Chairman Daniel Li Donghui legt dieses Amt nieder, bleibt dem Unternehmen aber als Executive Director erhalten.

Neuaufstellung in Zeiten des Wachstums

Die Personalien fallen in eine Phase, in der Geely seine internationale Präsenz konsequent ausbaut. Im zweiten Quartal 2026 steigerte der Konzern seinen Nettogewinn um 36 Prozent auf 4,9 Milliarden Yuan. Der Umsatz legte um 15 Prozent auf 89,8 Milliarden Yuan zu. Treiber der Entwicklung ist vor allem das Auslandsgeschäft. In den ersten sechs Monaten des Jahres verdoppelten sich die Exporte auf 474.228 Fahrzeuge. Damit konnte Geely die schwächere Nachfrage auf dem chinesischen Heimatmarkt teilweise kompensieren.

Um die internationale Expansion weiter zu beschleunigen, plant der Konzern unter anderem die Übernahme von Produktionskapazitäten im Ford-Werk im spanischen Valencia. Zudem soll die lokale Fertigung der Modelle EX5 und EX2 in Brasilien anlaufen. Produziert werden die Fahrzeuge dort über ein Gemeinschaftsunternehmen mit Renault. Trotz der dynamischen Entwicklung liegt Geely im Exportgeschäft weiterhin hinter dem chinesischen Wettbewerber BYD, der im ersten Halbjahr mehr als 812.700 Fahrzeuge außerhalb Chinas absetzen konnte.

Mit dem Rückzug von Li Shufu aus der operativen Führungsverantwortung markiert Geely nun einen der bedeutendsten personellen Einschnitte seiner Unternehmensgeschichte. Gleichzeitig setzt der Konzern auf Kontinuität: Die Nachfolger stammen durchweg aus den eigenen Reihen und sollen den eingeschlagenen Internationalisierungskurs fortführen.