BMW stärkt Effizienz mit KI und einem fokussierten Modellmix
BMW richtet Produktplanung, Fertigung und interne Abläufe stärker auf regionale Märkte und Effizienz aus. Künstliche Intelligenz soll dabei eine größere Rolle spielen. Bis 2028 peilt der Konzern drei bis fünf Prozent EBIT-Marge im Autogeschäft an.
BMW will seine Kostenstrukturen und Entscheidungswege straffen. Zugleich setzt der Automobilhersteller stärker auf regionale Produktstrategien, digitale Prozesse und den Einsatz künstlicher Intelligenz.
BMW
BMW will sein Geschäft in den kommenden Jahren stärker auf Profitabilität, regionale Marktanforderungen und effizientere interne Abläufe ausrichten. Beim Capital Market Day 2026 stellte der Münchner Automobilhersteller mehrere Maßnahmen vor, mit denen Kostenstrukturen, Produktangebot und Entwicklungsprozesse angepasst werden sollen. Ein wesentlicher Baustein ist der breitere Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Nach Angaben des Unternehmens wurden erste Veränderungen bereits eingeleitet. Weitere Maßnahmen würden derzeit geprüft und sollen bis zum Frühjahr 2027 beschlossen werden. Langfristig strebt BMW im Segment Automobile wieder eine EBIT-Marge zwischen acht und zehn Prozent an. Für 2028 nennt der Konzern zunächst einen Zielkorridor von drei bis fünf Prozent. Der Free Cashflow des Automobilsegments soll perspektivisch mindestens sieben Milliarden Euro erreichen.
Modellangebot soll stärker regional ausgerichtet werden
Ein Schwerpunkt liegt auf der Überarbeitung des Produktportfolios. Der Hersteller will sein Modellangebot stärker an den Anforderungen einzelner Absatzregionen ausrichten und zugleich die Variantenvielfalt überprüfen. Fahrzeuge mit vergleichsweise geringem langfristigem Ergebnisbeitrag sollen dabei an Bedeutung verlieren. Für den BMW 2er Active Tourer ist beispielsweise kein Nachfolger vorgesehen. Gleichzeitig will der Autobauer das obere Ende des Portfolios weiter ausbauen. Im kommenden Jahr soll das erste Modell der Marke BMW Alpina auf den Markt kommen.
Es orientiert sich nach Konzernangaben an der 7er-Reihe und soll das Angebot zwischen BMW und Rolls-Royce ergänzen. Auch für den US-Markt prüft das Unternehmen ein weiteres Sports Activity Vehicle oberhalb des BMW X7. Für Europa plant BMW ab 2028 zudem ein vollelektrisches Modell im volumenstarken Einstiegssegment. Dabei sollen Technologien der Neuen Klasse schrittweise auch in kompakteren Fahrzeugen eingesetzt werden.
In China setzt BMW auf eine stärkere Lokalisierung. Mit dem Hochlauf der Neuen Klasse soll die Fertigung in volumenstarken Segmenten ausgebaut werden. Gleichzeitig will der Konzern Importe stärker auf Modelle mit höherem Ergebnisbeitrag konzentrieren. Auch Entwicklungsumfänge sollen künftig stärker vor Ort entstehen. Bis 2030 sollen nach Unternehmensangaben mindestens 95 Prozent der in China angebotenen Fahrzeuge lokal produziert und stärker auf dortige Kundenanforderungen zugeschnitten werden. Zusätzlich prüft BMW, in China gefertigte Fahrzeuge verstärkt in südostasiatische Märkte zu exportieren.
KI soll Entwicklungsprozesse beschleunigen
Neben der Produktstrategie rückt BMW den Einsatz künstlicher Intelligenz stärker in den Mittelpunkt. KI-Anwendungen sollen künftig breiter in Entwicklung, Einkauf, Produktion, Vertrieb und Aftersales eingesetzt werden. Ziel sei es, Routineaufgaben zu automatisieren, Informationen schneller auszuwerten und Entscheidungsprozesse zu verkürzen.
In der Fahrzeugentwicklung sollen digitale Agenten künftig verschiedene Arbeitsschritte von der technischen Anforderung bis zur Erprobung und Freigabe unterstützen. Die abschließende Bewertung und Freigabe soll weiterhin durch Entwickler erfolgen. Für Crashsimulationen arbeitet der Automobilhersteller unter anderem mit dem französischen KI-Anbieter Mistral AI zusammen.
BMW spricht in diesem Zusammenhang auch von sogenannten Large Industry Models. Diese Systeme sollen auf branchenspezifischen Engineering- und Simulationsdaten basieren und vorhandenes Fachwissen für Entwicklungsprozesse nutzbar machen. Parallel will der Konzern verstärkt standardisierte Lösungen einsetzen, wenn eine eigene Entwicklung keinen ausreichenden Differenzierungsbeitrag für die Marke verspricht
.In den Werken nutzt BMW KI bereits für verschiedene Aufgaben. Dazu gehören digitale Fabrikmodelle, automatisierte Qualitätskontrollen und autonome Transportlösungen in der Intralogistik. Perspektivisch sollen digitale Agenten und lernfähige Robotersysteme weitere Aufgaben übernehmen.
Auch die Elektronikarchitektur der Neuen Klasse soll über weitere Fahrzeugsegmente hinweg eingesetzt werden. BMW verspricht sich davon geringere Komplexität und eine schnellere Einführung neuer Softwarefunktionen. Langfristig will der Hersteller die Fahrzeugarchitektur stärker auf das Zusammenspiel KI-basierter Funktionen ausrichten.
Neue Assistenzsysteme ab 2027
Bei Fahrerassistenzsystemen plant BMW ebenfalls weitere Schritte. In China soll mit einer dortigen Variante des BMW iX3 ein gemeinsam mit Momenta entwickeltes Level-2-System eingeführt werden. Für Deutschland kündigt der Konzern ab 2027 navigationsgeführte Assistenzfunktionen an, die auf der neuen europäischen DCAS-Regelung basieren sollen. Grundlage dafür ist eine Entwicklungskooperation mit Qualcomm. Weitere Märkte sollen folgen.
Zusätzliche Funktionen will der Automobilhersteller künftig verstärkt über Softwareupdates beziehungsweise nachträgliche Buchungen bereitstellen. Damit gewinnt neben der technischen Fahrzeugarchitektur auch das softwarebasierte Geschäft über den Lebenszyklus der Fahrzeuge an Bedeutung.
Managementstrukturen sollen schlanker werden
Parallel zu den technologischen Veränderungen will BMW seine internen Strukturen vereinfachen. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben bereits im Juli eine Anpassung der Personalstrukturen mit dem Betriebsrat vereinbart. Dazu gehört auch ein freiwilliges Abfindungsprogramm. Bis Mitte 2027 soll die Zahl der Unternehmensbereiche und der zugeordneten Managementfunktionen um 20 Prozent sinken. Vergleichbare Veränderungen seien auch auf darunterliegenden Führungsebenen vorgesehen. Mit der Neuorganisation verbindet BMW das Ziel, Entscheidungswege zu verkürzen und die Kostenbasis zu verbessern.
Auch im europäischen Vertrieb steht eine Umstellung bevor. Nach der Einführung des Agenturmodells bei Mini in 24 europäischen Märkten soll das System ab Mitte 2027 auch bei der Kernmarke BMW starten. Dadurch will der Hersteller eine einheitlichere Datenbasis entlang der Customer Journey schaffen. KI soll dabei stärker für personalisierte Angebote und Prozesse im Handel sowie in digitalen Vertriebskanälen eingesetzt werden. Damit verzahnt BMW die geplanten Effizienzmaßnahmen mit einer grundlegenden Neuordnung von Entwicklung, Produktion und Vertrieb.