CEO Carlos Tavares mit Mikro und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, 4 weitere im Hintergrund, Messeszenerie

Stellantis-Boss Carlos Tavares (links) auf dem diesjährigen Pariser Autosalon gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (rechts). (Bild: Stellantis)

Seit nunmehr fast zwei Jahren formen die Groupe PSA und FCA den 14-Marken-Riesen Stellantis – mit 6,14 Millionen verkauften Fahrzeugen im vergangenen Jahr immerhin der fünftgrößte Autobauer der Welt. Firmenboss Carlos Tavares hat für den Volumenhersteller ein klares Ziel: ein führender E-Autoanbieter mit der Marge eines Premium-OEMs zu werden. Den Weg dorthin weist die neue Konzernstrategie „Dare Forward 2030“, die im Frühjahr verkündet wurde. Allen voran bekräftigt der Plan die Transformation des Portfolios: Bis 2030 soll der weltweite Absatz von Elektrofahrzeugen (BEV) auf fünf Millionen Einheiten jährlich anwachsen.

In Europa würden demnach ausschließlich E-Autos verkauft werden, in den USA soll der Anteil inklusive leichter Nutzfahrzeuge 50 Prozent betragen. Dafür werden bis zum Beginn des neuen Jahrzehnts mehr als 75 vollelektrische Modelle auf den Markt gebracht. In den USA sei in diesem Sinne eine spezifische Produktoffensive mit 25 völlig neuen BEVs geplant.

Am eindrucksvollsten bleiben die finanziellen Ziele von Stellantis: Bis Ende 2024 sollen die jährlichen Synergieziele in Höhe von fünf Milliarden Euro vollständig erreicht und der Fusionsprozess damit abgeschlossen sein. „Operative Exzellenz, eine schnelle Umsetzung und eine Gewinnschwelle von weniger als 50 Prozent der Verkäufe werden unsere Markenzeichen bleiben. Wir werden unsere Nettoerlöse bis 2030 verdoppeln und während des gesamten Jahrzehnts zweistellige angepasste operative Gewinnmargen erreichen“, sagte Tavares anlässlich der Strategievorstellung.

Dass diese Ziele keineswegs zu hoch gegriffen sind, beweist ein Blick auf die Halbjahreszahlen 2022 von Stellantis. In den ersten sechs Monaten konnte der Autobauer einen Umsatz von 88 Milliarden Euro (plus 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), ein operatives Ergebnis in Höhe von 12,4 Milliarden Euro (plus 44 Prozent) und eine starke Marge von 14,1 Prozent verbuchen. Zudem stiegen die weltweiten Verkäufe reiner E-Autos um knapp 50 Prozent.

Opel sehnt sich nach Sicherheit

Im Einklang mit der Strategie des Mutterkonzerns bleiben bei der deutschen Tochter Opel die Weichen auf Elektro gestellt. Mindestens in Europa soll 2028 Schluss sein mit dem Verbrenner. Bereits ab 2024 werde jedes Opel-Modell ein elektrifiziertes Pendant haben, so die Pläne in Rüsselsheim. In der Schublade liegen zudem die Entwürfe für eine Neuauflage des Kult-Wagens Manta – natürlich mit Elektromotor. Zum 40. Jubiläum bleibt allerdings der Corsa das Zugpferd von Opel. Im ersten Halbjahr war der Kleinwagen das meistzugelassene Fahrzeug in seinem Segment in Deutschland – gleiches gilt für das elektrische Gegenstück Corsa-e.

Auch der neue Astra soll der Marke mit dem Blitz Erfolg bescheren und nicht zuletzt Ruhe in einen durchgeschüttelten OEM bringen. Nach der Diskussion rund um Standortschließungen im vergangenen Jahr und dem erneuten CEO-Wechsel von Uwe Hochgeschurtz zu Florian Huettl in diesem Sommer sehnen sich die Opelaner nach Beständigkeit.

Allzu viel Sicherheit in Form von Standortgarantien möchte der neue Stellantis-Europachef Hochgeschurtz seiner ehemaligen Belegschaft allerdings nicht geben. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betonte der Stellantis-Manager, dass es für ein Werk grundsätzlich wichtig sei, die nötig Qualität zu liefern und wettbewerbsfähig aufgestellt zu sein. Sei dies gegeben, dann bräuchte man keine Garantien, so Hochgeschurtz. Damit lastet in den kommenden Jahren vor allem auf dem Golf-Konkurrenten Astra ein nicht unerheblicher Performance-Druck.

Klar ist hingegen, dass der deutsche OEM nicht wie geplant in den chinesischen Markt eintritt. Ursprünglich wollte man als reine Elektromarke vom boomenden Fahrzeugmarkt in Fernost profitieren. Diese Pläne lässt Opel nun ruhen. Laut Medienberichten seien die Gründe vor allem in den nationalistischen Tendenzen Chinas und dem Konflikt mit Taiwan zu suchen.

Opel Astra in gelb, Aufnahme frontal von links, auf Landstraße vor Büschen und tiefstehender Sonne
Zum Erfolg verdammt: Auf den Schultern des neuen Astra lasten große Erwartungen bei Opel. (Bild: Opel)

Französische Marken auf dem Weg in elektrische Zukunft

Peugeot, als die mit Abstand stärkste der französischen Marken im Konzern, teilt einige der Chancen und Herausforderungen mit ihrer deutschen Markenschwester Opel. Was für Opel der Corsa ist, ist für Peugeot das Schwestermodell 208 – inklusive der rein elektrischen Version e-208. Ebenso wie Opel steuern die Franzosen auf eine rein elektrische Zukunft hin.

Vor allem 2023 soll für Peugeot ein „elektrisches Jahr“ werden, wie der OEM mitteilt. So wird der Hersteller als erste Konzernmarke die neue Generation von Hybridantrieben im 3008 und 5008 einführen. Zudem kommt der vollelektrische 308 auf den Markt, später folgt die Elektroversion des 408. Das Ziel ist klar: Ab Ende 2023 soll jedes Modell von Peugeot elektrifiziert sein.

Mit weniger Tempo aber gleichem Ziel ist Citroën unterwegs. Zu den Erfolgsmodellen gehören weiterhin der C3 und C4. Letzterer kommt als Crossover-Version C4 X als reines Elek­troauto auf den Markt – in Deutschland und vielen europäischen Märkten sogar ausschließlich. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Citroën seinen Bestseller C3 als Elektroversion anbietet. Nicht unwahrscheinlich, dass das Modell bereits im kommenden Jahr unter Strom gesetzt wird.

Klar ist: Optisch wird es sich mindestens im Logo stark vom aktuellen Modell unterscheiden. Denn Citroën verpasst sich einen neuen, minimalistischeren und moderneren Markenauftritt. Neben den beiden starken französischen Volumenmarken kommt den Premiumfahrzeugen von DS eine besondere Bedeutung zu. Die Analysten von S&P Global Mobility erwarten in den kommenden Jahren ein deutliches Wachstum der Marke. Angetrieben wird diese Entwicklung von den Modellen DS7, DS4 und dem neuen DS3, der auch in seiner Elektroversion ein großes Update erhält.

Soweit zur Produktstrategie. Denn abseits dieser klaren Modell-Roadmap liegt auch die Zukunft der französischen Werke im Vagen. Zwar wurde den Standorten seitens Tavares mittelfristig Sicherheit zugesagt, ein langfristiges Bekenntnis bleibt wie bei Opel allerdings aus.

2 weiße Peugeot-Fahrzeuge unter einem Sonnendach an der Steckdose, links e-308 und rechts e-308sw, Wüstenszene
Auch bei Peugeot führt kein Weg an der Elektrifizierung vorbei. Im kommenden Jahr geht der 308 als Limousine und Kombi in einer Elektroversion in der wichtigen Kompaktklasse an den Start. (Bild: Peugeot)

Jeep wird zum Elektro-Zugpferd der US-Töchter

Stellantis´ Elektrostrategie schwappt über den großen Teich und trifft vor allem auf Jeep. Die SUV-Marke hat erst jüngst ihre Pläne für die komplette Elektrifizierung der eigenen Produktpalette angekündigt. Vier E-Geländewagen sollen bis 2025 auf dem Markt sein. Der erste Spross dieser Strategie ist das Kompakt-SUV Avenger. Auch Dodge und Ram bereiten sich auf die elektrische Zukunft vor und präsentieren in diesen Wochen die ersten Modelle. Der Dodge Charger Daytona SRT gibt einen ersten Ausblick, Ram hält sich noch bedeckt.

Chrysler kündigte seinerseits an, sein erstes vollelektrisches Fahrzeug bis 2025 auf den Markt bringen zu wollen. Das mag zwar später sein als die Konzerngeschwister, allerdings streben die Amerikaner bereits bis 2028 ein vollelektrisches Fahrzeugportfolio an. Noch ist der Chrysler Pacifica Hybrid das einzige elektrifizierte Modell.

Italienische Traditionsmarken im Umbruch

Auch 65 Jahre nach seiner Geburt erfreut sich der Fiat 500 ungebrochener Beliebtheit – und das vor allem in der Elektroversion. So ist der Stadtstromer im ersten Halbjahr 2022 in Deutschland sowie weiteren europäischen Märkten das meistverkaufte Elektroauto überhaupt. Neben dem 500 bleiben Panda und Tipo die Bestseller der italienischen Traditionsmarke. Mit einem Blick auf Alfa Romeo werden Parallelen zu Chrysler offensichtlich. Denn bislang sind die Italiener bei BEVs noch völlig blank – trotz kommuniziertem Verbrenneraus im Jahr 2027.

Will die sportliche italienische Marke auch in einer elektrischen Zukunft eine Rolle spielen, gilt es, verlorenen Boden gutzumachen. Das neue SUV Tonale ist als Plug-in-Hybrid überhaupt das erste elektrifizierte Modell von Alfa Romeo. Bereits die nächste Giulia dürfte allerdings vollelektrisch vom Band laufen, auch ein elektrisches Flaggschiffmodell wurde bereits angekündigt.

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