Zellfertigung

Volkswagen vertieft Batteriepartnerschaft mit Gotion

Volkswagen, PowerCo und Gotion wollen ihre Zusammenarbeit bei LFP-Batterien deutlich ausweiten. Drei Gemeinschaftsunternehmen in Spanien, der Slowakei und Marokko sollen Zellfertigung und Materialversorgung regional stärker absichern.

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Produktionshalle der PowerCo-Gigafabrik in Salzgitter mit automatisierten Fertigungsanlagen für Batteriezellen und Mitarbeitenden in Reinraumkleidung.
Mit der Gigafabrik in Salzgitter hat PowerCo den Aufbau einer eigenen europäischen Batteriezellfertigung bereits angestoßen. Künftig soll die Zusammenarbeit mit Gotion die Aktivitäten um LFP-Zellen in Valencia und Šurany sowie Kathodenmaterial aus Kenitra erweitern.

Volkswagen, die Batterietochter PowerCo und der chinesische Zellhersteller Gotion wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen. Vorgesehen sind drei Gemeinschaftsunternehmen in Spanien, der Slowakei und Marokko. Im Mittelpunkt stehen die industrielle Fertigung von LFP-Batteriezellen sowie die Produktion von Kathodenmaterial. Zugleich soll die regionale Batterie-Lieferkette für Europa gestärkt werden.  Die Partner arbeiten nach Unternehmensangaben seit 2020 zusammen. Gotion ist bereits Zelllieferant des Volkswagen-Konzerns und strategischer Partner von PowerCo. Künftig sollen beide Seiten Investitionen und industrielle Verantwortung an mehreren Standorten teilen. Die Vereinbarung umfasst zudem gemeinsame Aktivitäten bei Beschaffung und Vertrieb in Europa. 

Valencia soll zentrale Rolle übernehmen

Besondere Bedeutung kommt dem spanischen Standort Valencia zu. Die dort im Bau befindliche PowerCo-Fabrik soll in ein Gemeinschaftsunternehmen überführt werden. Die Volkswagen-Tochter soll 51 Prozent der Anteile halten und damit Mehrheitsgesellschafter bleiben. Gotion soll die übrigen 49 Prozent übernehmen. Der Standort soll zu einem europäischen Produktionszentrum für die Einheitszelle auf Basis der LFP-Technologie ausgebaut werden. Die bereits angekündigten Investitionen und Pläne für neue Arbeitsplätze sollen nach Angaben der Unternehmen unverändert bestehen bleiben.  Für seinen Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen in Valencia will Gotion rund 1,1 Milliarden Euro investieren. Die Höhe des Betrags spiegele nach Darstellung der Partner die Größe und strategische Bedeutung des Standorts wider.

Auch die bestehende Gotion-Fabrik im slowakischen Šurany soll künftig als Joint Venture betrieben werden. In diesem Fall soll der chinesische Batteriehersteller mit 51 Prozent die Mehrheit halten. PowerCo ist mit 49 Prozent beteiligt. Der Schwerpunkt soll auf LFP-Zellen für Elektrofahrzeuge und stationäre Energiespeichersysteme liegen. Beide Unternehmen wollen das Gemeinschaftsunternehmen zusammen führen. PowerCo plant, bis 2030 insgesamt rund 470 Millionen Euro in die Vorhaben in Šurany und im marokkanischen Kenitra einzubringen. Damit soll sich das Unternehmen jeweils einen Anteil von 49 Prozent sichern.

Kathodenmaterial soll aus Marokko kommen

In Kenitra ist der Aufbau einer neuen Produktionsanlage für LFP-Kathodenmaterial vorgesehen. Mit dem Werk wollen die Partner zusätzliche Bezugsquellen erschließen und die regionale Wertschöpfung ausweiten. Gotion soll auch an diesem Standort 51 Prozent halten. Die Führung des Unternehmens ist gemeinsam mit PowerCo geplant. Die drei Projekte verbinden damit unterschiedliche Stufen der Batteriewertschöpfung. Während Valencia und Šurany auf die Zellfertigung ausgerichtet sind, soll Kenitra Vorprodukte für die Batterieproduktion bereitstellen.

Lithium-Eisenphosphat-Batterien gelten vor allem wegen ihrer vergleichsweise niedrigen Kosten, ihrer Lebensdauer und ihrer Robustheit als interessante Technologie für preisgünstigere Elektrofahrzeuge. Volkswagen verweist in der Mitteilung auf Prognosen, nach denen der Anteil von LFP am europäischen Batteriemarkt von derzeit rund zehn Prozent bis 2030 auf 40 bis 60 Prozent steigen könnte. Zugleich gebe es in Europa bislang keine relevanten Produktionskapazitäten für diese Zellchemie. Mit der vertieften Kooperation wollen der Wolfsburger Konzern und seine Partner deshalb einen größeren Teil der Wertschöpfung regional abbilden. Nach Darstellung der Unternehmen soll die Zusammenarbeit zugleich die Bezugsquellen für Kathodenaktivmaterial verbreitern und die Versorgungssicherheit erhöhen.

Volkswagen reduziert Anteil an Gotion

Parallel zur industriellen Zusammenarbeit verändert Volkswagen seine Beteiligung an Gotion. Der Automobilhersteller hat Vereinbarungen über den Verkauf eines Anteils von 5,3 Prozent abgeschlossen. Auch nach der Transaktion will der Konzern weiterhin als strategischer Investor beteiligt bleiben.  Die bisher ausgeübten Stimmrechte sollen nach Unternehmensangaben durch den Verkauf nicht sinken. Hintergrund ist eine frühere Vereinbarung, wonach Volkswagen für einen Teil seiner Beteiligung keine Stimmrechte ausübt. Auch die Vertretung im Board of Directors von Gotion sowie weitere Nominierungsrechte sollen bestehen bleiben.

Die Vereinbarungen zu den Gemeinschaftsunternehmen sind noch nicht endgültig vollzogen. Sie stehen unter anderem unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und weiterer üblicher Abschlussbedingungen. Auch die Hauptversammlung von Gotion muss den vorgesehenen Transaktionen zustimmen.

Für PowerCo ist die Kooperation Teil des weiteren Aufbaus einer eigenen Batteriewertschöpfung. Das 2022 gegründete Unternehmen verantwortet für Volkswagen die Entwicklung und Fertigung von Batteriezellen sowie die vertikale Integration der Lieferkette. Neben Valencia baut das Unternehmen Zellfabriken in Salzgitter und im kanadischen St. Thomas auf. Die drei Standorte sind zusammen auf eine mögliche Jahreskapazität von bis zu 200 Gigawattstunden ausgelegt.