SoftBank steigt aus

Hyundai will Boston Dynamics komplett übernehmen

Hyundai will SoftBanks restliche Anteile an Boston Dynamics übernehmen. Damit könnte der Konzern die Kontrolle über den Robotikspezialisten komplett an sich ziehen und Atlas schneller in die Fabrik bringen als bislang gedacht.

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Ein humanoider Roboter von Boston Dynamics steht auf einer Messe- oder Ausstellungsfläche in einer modernen Industriepräsentation. Die Maschine ist in Blau und Dunkelgrau gestaltet, besitzt einen runden, schwarzen Sensorkopf mit kamerähnlicher Front, einen kompakten Oberkörper mit sichtbar segmentierten Gelenken sowie zwei Arme mit mehrgliedrigen Greifhänden und zwei kräftige, menschlich anmutende Beine. Auf der Brust ist der Schriftzug „Boston Dynamics“ zu erkennen. Rechts neben dem Roboter steht der gelbe Roboter-Hund Spot desselben Herstellers, daneben ein Schild mit der Aufschrift „Best of CES Winner“, was auf die Auszeichnung des gezeigten Robotik-Konzepts auf der Consumer Electronics Show hinweist. Im Hintergrund sind Monitore, schwarze Stahlträger, Tische und weitere Präsentationselemente zu sehen, die den Eindruck eines professionellen Technik-Showrooms oder Messestands verstärken. Das Bild visualisiert die im Text beschriebene Entwicklung humanoider Roboter für industrielle Anwendungen bei Hyundai, insbesondere den Einsatz von Boston-Dynamics-Systemen wie Atlas und Spot für anspruchsvolle, monotone, gefährliche und sicherheitsrelevante Aufgaben in der Fertigung und Überwachung.
Atlas (links) und Spot (rechts) zählen zu den bekanntesten Robotern von Boston Dynamics. Hyundai will nun auch die restlichen Anteile an dem Robotikspezialisten übernehmen und die Zusammenarbeit weiter vertiefen.

Die Hyundai Motor Group treibt die vollständige Übernahme des US-Robotikspezialisten Boston Dynamics voran. Die bisherigen Anteilseigner aus dem Hyundai-Umfeld wollen den gesamten verbliebenen Anteil der japanischen SoftBank Group erwerben. Auslöser ist eine Put-Option, mit der SoftBank den Verkauf seiner Beteiligung auf Grundlage der bestehenden Vereinbarungen verlangt hat.

Abgeschlossen ist die Transaktion noch nicht. Die beteiligten Unternehmen prüfen derzeit ihre vertraglichen Rechte und Pflichten und durchlaufen die jeweiligen internen Genehmigungsprozesse. Auch die spätere Verteilung der SoftBank-Anteile auf die bisherigen Gesellschafter steht noch nicht fest. Angaben zum Kaufpreis machte Hyundai ebenfalls nicht.

SoftBanks Anteil ist auf rund zehn Prozent gesunken

Hyundai hatte 2021 gemeinsam mit mehreren Konzerngesellschaften und Executive Chair Euisun Chung die Kontrolle über Boston Dynamics übernommen. An dem damaligen Erwerb waren Hyundai Motor, Hyundai Mobis und Hyundai Glovis beteiligt. Das Hyundai-Konsortium erhielt rund 80 Prozent der Anteile, während SoftBank zunächst etwa 20 Prozent behielt. Die Bewertung von Boston Dynamics lag seinerzeit bei rund 1,1 Milliarden US-Dollar.

Durch spätere Finanzierungsrunden, an denen sich SoftBank nicht entsprechend beteiligte, sank der japanische Anteil Berichten zufolge auf rund 9,65 Prozent. Nach Abschluss des nun angestoßenen Verfahrens würde SoftBank vollständig aussteigen; Boston Dynamics läge damit komplett in den Händen der Hyundai-nahen Eigentümer.

Hyundai baut eine durchgängige Robotik-Wertschöpfungskette auf

Der geplante Anteilskauf ist Teil einer langfristig angelegten Robotikstrategie. Hyundai will die KI- und Robotikkompetenz von Boston Dynamics enger mit den eigenen Fertigungsfähigkeiten, Mobilitätstechnologien und globalen Lieferketten verbinden. Der Konzern spricht von einer End-to-End-Wertschöpfungskette für KI-Robotik, die Entwicklung, Erprobung, Produktion und Kommerzialisierung abdecken soll.

Boston Dynamics übernimmt darin die Entwicklung der Robotersysteme und der zugehörigen KI-Funktionen. Hyundai bringt zugleich industrielle Skalierung, Fahrzeugwerke und Konzernunternehmen wie Hyundai Mobis und Hyundai Glovis ein. Die eigenen Standorte dienen als Erprobungs- und Einsatzumgebung, bevor Robotiklösungen auch außerhalb des Konzerns vermarktet werden können. Auf der CES 2026 hatte Hyundai diese Strategie unter dem Leitbild „Partnering Human Progress“ vorgestellt.

Atlas soll ab 2028 in Hyundais US-Werk arbeiten

Eine Schlüsselrolle spielt der humanoide Roboter Atlas. Hyundai plant, die Maschinen ab 2028 in der Hyundai Motor Group Metaplant America im US-Bundesstaat Georgia einzusetzen. Zu Beginn soll Atlas in der Materiallogistik ankommende Komponenten entladen, sortieren und für die Produktion sequenzieren. Ab 2030 soll der Einsatz auf Montageaufgaben ausgeweitet werden – vorausgesetzt, Technik, Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit erfüllen die Anforderungen der Serienproduktion.

Atlas verfügt in der auf der CES 2026 präsentierten Ausführung über 56 Freiheitsgrade und kann Gegenstände mit einem Gewicht von bis zu 50 Kilogramm handhaben. Neue Tätigkeiten werden unter anderem per Fernsteuerung und Virtual-Reality-System trainiert. Die dabei gewonnenen Bewegungsdaten fließen in die KI-Modelle ein, damit der Roboter die Aufgaben später selbstständig ausführen kann. Ein automatischer Batteriewechsel soll zudem einen weitgehend durchgängigen Betrieb ermöglichen.

Die Metaplant in Georgia bietet Hyundai dafür ein industrielles Testfeld. Das rund 7,6 Milliarden US-Dollar teure Werk ist auf eine Jahreskapazität von bis zu 500.000 Elektro- und Hybridfahrzeugen ausgelegt. Produktion, Logistik, Bildverarbeitung, künstliche Intelligenz und Robotik sollen dort enger vernetzt werden als in konventionellen Fahrzeugwerken. Atlas soll zunächst körperlich belastende und repetitive Aufgaben übernehmen, bei denen schwere Bauteile präzise bewegt werden müssen.

Mit dem vollständigen Ausstieg von SoftBank könnte Hyundai Entscheidungen zu Entwicklung, Finanzierung und industrieller Skalierung von Boston Dynamics künftig enger koordinieren. Die Transaktion verbindet damit die Eigentümerfrage direkt mit Hyundais Produktionsstrategie: Humanoide Robotik soll ab 2028 den Schritt aus der Entwicklungsumgebung in den realen Fabrikbetrieb machen.