Fabrik in Georgia

Das sind Hyundais Pläne für die Metaplant in den USA

Hyundai will in Georgia nicht weniger zeigen als die Autofabrik der Zukunft. In der neuen Metaplant America treffen Elektroautos, Hybride, KI, Robotik und lokale Batteriefertigung aufeinander.

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Hyundais US-Metaplant-Komplex erstreckt sich über fast 1.200 Hektar Land in Ellabell, Georgia

Während viele Hersteller noch darüber diskutieren, wie viel Elektroauto, wie viel Hybrid und wie viel klassische Verbrennerproduktion sie sich in den kommenden Jahren leisten können, hat Hyundai in Georgia bereits Fakten geschaffen. In Ellabell, im US-Bundesstaat Georgia, steht mit der Hyundai Motor Group Metaplant America, kurz HMGMA, eines der ambitioniertesten Industrieprojekte des Konzerns. 7,6 Milliarden Dollar kostet die Anlage, die nicht einfach nur ein weiteres Werk sein soll, sondern eine Art Blaupause für die nächste Stufe der Fahrzeugproduktion.

Hyundai beschreibt HMGMA als softwaredefinierte Fabrik. Gemeint ist ein Werk, in dem Produktion, Logistik, Daten, künstliche Intelligenz und Robotik enger zusammenspielen als in klassischen Montagelinien. Die Anlage bündelt die fortschrittlichsten Fertigungskompetenzen der Hyundai Motor Group und soll zeigen, wie flexibel moderne Fahrzeugproduktion werden kann, wenn Prozesse digital verbunden und automatisiert gesteuert werden.

Aktuell laufen in Ellabell der Hyundai Ioniq 5, der Hyundai Ioniq 9 sowie der Kia Sportage Hybrid vom Band. Bei voller Auslastung soll das Werk jährlich bis zu 500.000 Elektro- und Hybridfahrzeuge für Hyundai, Genesis und Kia produzieren. Insgesamt ist die Anlage auf einen Modellmix von zehn verschiedenen Fahrzeugen ausgelegt.

Schon bei der offiziellen Eröffnung im März des vergangenen Jahres machte Hyundai deutlich, welchen Anspruch der Konzern mit HMGMA verbindet. Euisun Chung, Executive Chair der Hyundai Motor Group, bezeichnete das Werk als Schaufenster für die fortschrittlichen Fertigungskapazitäten und den Innovationsanspruch des Unternehmens. Genau das zeigt sich in den Robotik- und Bildverarbeitungssystemen, die im Werk eingesetzt werden. Sie sollen eine hochwertige, flexible Produktion ermöglichen und die menschlichen Beschäftigten nicht ersetzen, sondern unterstützen. Bis 2031 sollen in Ellabell 8.500 Menschen arbeiten.

Warum die Lieferkette ein entscheidender Teil des Projekts ist

Doch eine moderne Autofabrik allein reicht nicht. Gerade bei Elektroautos entscheidet längst nicht mehr nur die Montage über Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die Frage, wie stabil, lokal und kosteneffizient die Lieferkette ist. Genau deshalb setzt Hyundai in Georgia auf ein stark integriertes lokales Produktionsnetzwerk.

Euisun Chung, Executive Chair der Hyundai Motor Group, spricht bei der feierlichen Eröffnung der Hyundai Motor Group Metaplant America am Mittwoch, 26. März 2025, in Ellabell, Ga. (Corey Perrine/AP Content Services for Hyundai Motor America)

Dazu gehört auch eine Batteriefabrik direkt auf dem Gelände. Sie wird von HLBMA betrieben, einem Joint Venture von Hyundai und LG Energy Solution, das früher unter dem Namen HL-GA Company firmierte. Allein diese Batteriefertigung steht für eine Investition von 4,3 Milliarden Dollar in Georgia.

Die Anlage auf dem HMGMA-Komplex ist auf eine jährliche Zellkapazität von 40 Gigawattstunden ausgelegt. Derzeit arbeiten dort mehr als 500 Menschen, die meisten davon aus der Region. Nach Angaben von HLBMA liegt der Fokus weiterhin auf sicheren und qualitativ hochwertigen Abläufen. Dazu gehören umfassende Schulungen und eigene Notfallkapazitäten direkt vor Ort.

Hyundai investiert darüber hinaus weitere 6 Milliarden Dollar, um Teile stärker zu lokalisieren, die Logistik zu stärken und in die US-Stahlproduktion einzusteigen. Auch hier geht es nicht nur um klassische Industrieinvestitionen, sondern um digitale Vernetzung. Prozesse von der Auftragserfassung über Beschaffung und Logistik bis zur Produktion sollen miteinander verbunden und optimiert werden. Hyundai will damit nach eigenen Angaben robuste Lieferketten in den USA sicherstellen.

Bemerkenswert ist dieses Engagement auch deshalb, weil der Markt für batterieelektrische Fahrzeuge in den USA zuletzt alles andere als verlässlich war. Besonders seit dem Wegfall von Förderanreizen unter der Trump-Regierung im September vergangenen Jahres ist die Lage für BEV-Hersteller schwieriger geworden. Genau hier zahlt sich die Flexibilität der neuen Fertigung aus. Hyundai konnte Hybridmodelle mit vergleichsweise geringen Unterbrechungen in die Produktion integrieren.

Die Integration von Robotik und Bildverarbeitung eignet sich sehr gut für Anwendungen, bei denen ein Montagevorgang die Nutzung von Bilddaten erfordert, um ein Bauteil präzise am Fahrzeug zu positionieren

Jerald Roach, HMGMA

An der Grundstrategie will der Konzern trotzdem festhalten. Hyundai betont, dass sich der langfristige Blick auf Elektrifizierung trotz des Wegfalls von US-Steueranreizen nicht verändert habe. Kurzfristig werde der Produktionsmix aus Elektroautos, Hybriden und Verbrennern an Nachfrage und politische Rahmenbedingungen angepasst. Die langfristige Investitionslogik bleibe aber bestehen.

Robotik wird zum Herzstück der Fertigung

HMGMA ist für Hyundai nicht irgendein Werk, sondern das industrielle Innovationsflaggschiff des Konzerns. Viele der dort eingesetzten Technologien wurden zuvor im Hyundai Motor Group Innovation Center Singapore entwickelt und validiert. In Georgia werden sie nun für die Großserie skaliert.

Der humanoide Roboter Atlas von Boston Dynamics soll im Januar 2028 bei HMGMA eingesetzt werden, beginnend mit dem Sortieren eingehender Teile

Das Werk verbindet künstliche Intelligenz, Robotik und Datentechnologien zu einem automatisierten Produktionssystem. Alle Prozesse, von Auftragseingang und Beschaffung über Logistik bis hin zur Montage, sollen ineinandergreifen. Das Ziel ist eine Fabrik, die schneller reagieren kann, weniger Reibungsverluste hat und sich leichter auf neue Modelle oder Antriebsvarianten einstellen lässt.

Die Produktion des dreireihigen Elektro-SUV Ioniq 9 begann im März vergangenen Jahres bei HMGMA

Hyundai will damit zugleich einen sicheren und technologisch fortschrittlichen Arbeitsplatz schaffen. Die Beschäftigten heißen im Werk „Meta Pros“. Automatisierung soll vor allem dort eingesetzt werden, wo Tätigkeiten besonders repetitiv, körperlich belastend oder potenziell gefährlich sind. Der Konzern argumentiert, dass dadurch Produktivität steigt, Verletzungsrisiken sinken und das Arbeitsumfeld insgesamt besser wird.

Besonders deutlich wird diese Logik bei den automatisierten Montageanwendungen. Sie zielen auf Arbeitsschritte, die sehr hohe Präzision verlangen oder für Menschen besonders schwierig auszuführen sind.

„Die Integration von Robotik und Bildverarbeitung eignet sich besonders gut für Anwendungen, bei denen ein Montagevorgang Bilddaten nutzt, um ein Bauteil präzise am Fahrzeug zu positionieren“, sagt Jerald Roach, Head of Department General Assembly bei HMGMA. „Darüber hinaus können Robotik und Bildverarbeitung eingesetzt werden, um repetitive Aufgaben zu übernehmen, die über die körperlichen Grenzen des Menschen hinausgehen. Durch die Auswahl der richtigen Anwendungen für diese Technologien hat HMGMA eine hohe Zahl erfolgreicher Technologien in die Serienproduktion integriert.“

Atlas soll ab 2028 in Georgia arbeiten

Hyundai nennt zwar keine Details zu den Ausrüstern der Montagetechnik im Werk, von denen viele aus dem eigenen Konzernumfeld stammen. Eine Ausnahme ist jedoch besonders spannend: Die humanoiden Atlas-Roboter von Boston Dynamics sollen ab Januar 2028 in HMGMA eingesetzt werden.

Atlas hat sich von einem spektakulären Prototyp zu einem produktionsreifen Industrieroboter entwickelt und wird inzwischen am Hauptsitz von Boston Dynamics in Boston gebaut. In Georgia soll er zunächst in einem Bereich für externe Taktung und Planung eingesetzt werden, wo eingehende Teile entladen und sortiert werden. Im Fokus steht dabei das Verpacken von Kisten mit großen oder schweren Komponenten, die für Menschen schwer zu handhaben sind.

Hyundai testete Atlas bereits im Oktober vergangenen Jahres beim Sortieren von Dachgepäckträgern für die Montagelinie. Der Lernprozess ist dabei ebenso interessant wie die eigentliche Anwendung. Ein Ingenieur trägt ein Virtual-Reality-Headset, übernimmt direkt die Kontrolle über Atlas und führt Hände und Arme des Roboters durch die jeweilige Aufgabe. Die dabei entstehenden Daten werden anschließend genutzt, um die KI-Modelle des Roboters so zu trainieren, dass Atlas die Aufgabe später autonom ausführen kann.

Für den Einsatz in der Automobilproduktion sind zwei Dinge besonders wichtig: möglichst viele Gleichteile und ein extrem sorgfältiges, aber robustes Design. Dazu gehört auch, dass die Batterie bei Atlas außen angebracht ist. Der Roboter soll seine Batterie selbst wechseln können, unterstützt durch Schnellladetechnologie für ganze Roboterflotten in einer Fabrikumgebung.

Auch der Bewegungsbereich muss zur Sicherheitslogik einer Fabrik passen, in der Roboter neben Menschen arbeiten. Hier spielen die Kameratechnologie und die Beweglichkeit des Kopfes von Atlas eine wichtige Rolle. Das Kamerasichtfeld ermöglicht es dem Roboter, seine Umgebung, Teile seines eigenen Körpers und seine Position im Raum zu erfassen.

Konzernkompetenz

Hyundai Transys hat eine Produktionsanlage für Sitze mit hoher Kapazität und einer Jahresleistung von 420.000 Einheiten errichtet. Unter Einsatz fortschrittlicher Automatisierungstechnologien, einschließlich eines Auto-Docking-Systems und Robotern zum Auftragen von Trennmitteln auf Formen, fertigt das Werk effizient Sitze für Elektrofahrzeuge. Hyundai WIA unterstützt HMGMA zusätzlich durch den Einsatz autonomer Roboter zur Verbesserung der Logistikautomatisierung, während Hyundai Rotem Ausrüstung für das Presswerk geliefert hat und damit die volle Stärke der integrierten Fähigkeiten des Konzerns demonstriert.

Wie Hyundai die Batterie ins Fahrzeug bringt

Die Batteriezellen für die Elektrofahrzeuge kommen aus der HLBMA-Anlage direkt vor Ort. Von dort werden sie an Mobis Battery System Assembly geliefert. Mobis verpackt die Zellen auf dem sogenannten Skateboard-Chassis, das anschließend per Fördertechnik in den Montagebereich von HMGMA gelangt. Zusätzlich gibt es auf dem Gelände eine zweite Mobis-Anlage, Mobis Module, die das Frontend-Modul für die Fahrzeuge produziert.

„Bei HMGMA erfolgt die Zuführung und Verheiratung der Batterie-Unterbaugruppen über einen hochautomatisierten Prozess“, sagt Roach. „Automatisierung sorgt für die Wiederholbarkeit und Präzision, die erforderlich sind, damit kritische Komponenten wie Vorderradaufhängung, Antriebssystem, Hinterradaufhängung und Batterie-Unterbaugruppe präzise am Unterboden positioniert werden und alle Verschraubungen auf Vorhandensein und korrektes Drehmoment kontrolliert werden.“

„Wir halten gemeinsame Positionierungsschemata für unsere Hauptkomponenten aufrecht, sodass die Automatisierung leicht angepasst werden kann, um neue Modelle aufzunehmen, unabhängig davon, ob es sich um Verbrennungsmotor-, batterieelektrische oder Hybridantriebe handelt

Jerald Roach, HMGMA

Genau an diesem Punkt unterscheidet sich HMGMA deutlich von vielen klassischen Montagelinien. Das Werk wurde von Anfang an dafür konzipiert, die Montage batterieelektrischer Fahrzeuge zu optimieren. Bei BEVs ist die Verbindung der großen Batterie mit dem Unterboden kein Detail, das später irgendwie in bestehende Abläufe integriert werden kann. Sie muss bereits bei der Werksplanung und beim Fahrzeugdesign mitgedacht werden.

„Werke, die speziell für den Bau von Verbrennerfahrzeugen ausgelegt sind, müssen entweder erhebliche strukturelle Änderungen vornehmen oder Kompromisse beim Montageprozess und beim Fahrzeugdesign eingehen, um grundlegende BEV-Unterschiede abzubilden“, sagt Roach.

Auch das modulare Fahrzeugdesign von Hyundai hilft dabei, verschiedene Antriebsvarianten in einem einzigen Werk bauen zu können. Gemeinsame Positionierungsschemata für zentrale Komponenten erleichtern es, die Automatisierung auf neue Modelle anzupassen, egal ob es sich um Verbrenner, batterieelektrische Fahrzeuge oder Hybride handelt.

Sicherheit entsteht auch durch weniger Chaos an der Linie

Wie in jedem Fahrzeugwerk geht es am Ende um eine scheinbar einfache, in der Praxis aber enorm komplexe Aufgabe: Die richtigen Teile müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Hyundai setzt dafür in Georgia auf automatisierte Materialliefersysteme, darunter fahrerlose Transportsysteme und automatisierte Systeme zum Entladen von Trailern.

Bei HMGMA bewegen sich Fahrzeuge mithilfe von AGVs statt starrer Förderanlagen durch den Montageprozess, was zu größerer Produktionsflexibilität beiträgt

Damit reduziert der Konzern viele Sicherheitsrisiken, die in klassischen Werken mit Schleppern und Gabelstaplern verbunden sind. Aus Sicht von Hyundai entsteht dadurch nicht nur ein sichereres, sondern auch ein effizienteres Montagewerk.

„Für die Verteilung sequenzierter Teile an den Einsatzort nutzen wir eine aggressive Kitting-Strategie“, erklärt Roach. „Das erhöht unsere Flexibilität für mehrere Fahrzeugmodelle und reduziert die Zahl der Entscheidungen, die unsere Meta Pros im Montageprozess treffen müssen. Dass nicht eine große Zahl von Teilen direkt an der Linie bereitgestellt wird, verbessert unser visuelles Management der Montageabläufe insgesamt.“

Auch die Fahrzeuge selbst bewegen sich nicht auf klassischen starren Förderern durch das Werk. Stattdessen nutzt Hyundai fahrerlose Transportsysteme, die auf programmierten Routen fahren. Gesteuert werden sie über QR-Codes auf dem Hallenboden.

Nachhaltigkeit als Teil des Werkskonzepts

Neben Automatisierung und Flexibilität spielt auch Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle im Konzept von HMGMA. Dazu gehören der Bezug erneuerbarer Energien, eigene Solarstromerzeugung, ein energieeffizientes Gebäudedesign und geringere Emissionen durch die Produktion elektrifizierter Fahrzeuge.

Das Werk verfügt außerdem über ein fortschrittliches System zur Abwasserbehandlung und zum Wassermanagement. Zur Wassereinsparung nutzt Hyundai unter anderem aufbereitetes Wasser für die Landschaftsgestaltung sowie Systeme zur Sammlung und kontrollierten Ableitung von Regenwasser.

2024 unterzeichnete die Hyundai Motor Group einen 15-jährigen Stromabnahmevertrag mit dem Energieentwickler Matrix Renewables. Hyundai hat dabei 147 Megawatt Erzeugungskapazität aus dem Stillhouse Solar Project von Matrix Renewables in Texas erworben. Der Konzern erwartet, dadurch jährlich rund 378 Gigawattstunden Strom zu sichern und die CO₂-Emissionen an seinen US-Standorten um rund 140.000 Tonnen pro Jahr zu senken.

Trotz der politischen Unsicherheiten bleibt Hyundai optimistisch, was die Zukunft der BEV-Produktion in den USA angeht. Roach zufolge wird das Unternehmen weiter in lokale Produktionskapazitäten investieren. Elektrifizierung bleibt für Hyundai ein langfristiger Wachstumstreiber, getragen von Lokalisierung, Skaleneffekten und der Wahlfreiheit der Kunden. Auch dann, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen kurzfristig weiter verändern.