Neue Zukunft für Osnabrück?

Große Personalrochade in Volkswagens Produktion

Volkswagen besetzt mehrere Schlüsselpositionen in der Brand Group Core neu. Betroffen sind unter anderem die Standorte Osnabrück, Hannover und Poznań sowie Führungsfunktionen in China, Mexiko und Argentinien.

2 min
Stefanie Hegels wechselt aus Polen nach Osnabrück.
Stefanie Hegels wechselt aus Polen nach Osnabrück.

Volkswagen ordnet zentrale Führungspositionen in der Produktion seiner Brand Group Core neu. Die Veränderungen betreffen mehrere internationale Standorte und reichen von Osnabrück über Hannover und Poznań bis nach China, Mexiko und Argentinien. Im Mittelpunkt der Personalrochade stehen mehrere Werkleitungen und technische Geschäftsführungen innerhalb des Konzernverbunds. Zuerst hatte die Automobilwoche darüber berichtet.

Eine der wichtigsten Veränderungen betrifft Volkswagen Osnabrück. Stefanie Hegels, derzeit Vorstandsvorsitzende von Volkswagen Poznań, wechselt zum 1. September als Geschäftsführerin Technik und Sprecherin der Geschäftsführung zur Volkswagen Osnabrück GmbH. Sie folgt auf Christiane Engel, die das Unternehmen nach mehr als 34 Jahren im Zuge einer lange geplanten Altersregelung verlässt.

Christian Vollmer, Produktionsvorstand der Marke Volkswagen und innerhalb der Brand Group Core verantwortlich für Produktion und Logistik, würdigt Engel als prägende Führungspersönlichkeit des Standorts. Sie habe Osnabrück seit 2023 „mit hoher fachlicher Kompetenz, klarer Führung und großem persönlichem Engagement maßgeblich geprägt“. Besonders vor dem Hintergrund der im kommenden Jahr auslaufenden Fahrzeugfertigung sei es ihr gelungen, den Beschäftigten Orientierung zu geben, verlässliche Produktionsprozesse sicherzustellen und die Voraussetzungen für die strategische Weiterentwicklung des Standorts zu schaffen.

Mit Hegels übernimmt eine erfahrene Managerin mit starkem Logistik- und Produktionshintergrund. Ihre Volkswagen-Laufbahn begann 1996 in Wolfsburg. Nach Stationen in Emden, Kaluga und in verschiedenen Führungsfunktionen im Konzern leitete sie unter anderem die Logistik von Volkswagen Nutzfahrzeuge sowie das Crafter-Werk in Września. Seit September 2023 steht sie an der Spitze von Volkswagen Poznań.

Rätselraten um Zukunft vom Osnabrücker Werk

Von außen betrachtet wirkt diese Versetzung nicht unbedingt wie eine Beförderung: Vom CEO aller Werke eines Landers hin zu einem aussterbenden Standort. Doch intern gilt Hegels als extrem geschätzte Managerin, die nun vor eine völlig neuen Herausforderung stehen dürfte.  Seit geraumer Zeit kursieren rund um die Zukunft des Standorts Gerüchte – von der Übernahme durch einen chinesischen OEM bis hin zur Nutzung der Hallen für die Rüstungsindustrie. Inwieweit Hegels hier bereits mehr weiß, bleibt abzuwarten.

Fest steht, dass ihr Wechsel eine ganze Reihe weiterer Änderungen nach sich zieht. Richard Slovak,  der erst seit Anfang 2025 als Leiter des VWN Standortes in Hannover eingesetzt war, rückt in die frei gewordene Lücke und übernimmt zum 1. September den Vorstandsvorsitz bei Volkswagen Poznań und damit auch die dortige Werkleitung. In Hannover wiederum wird  Stefan Depka, aktuell Leiter des Werks Foshan beim chinesischen Joint Venture FAW-Volkswagen, zum neuen Werkleiter ernannt. 

Vollmer verweist bei Slovak auf dessen Beitrag zur Optimierung der Fabrikkosten im Werk Hannover. Er habe zahlreiche Maßnahmen und Prozesse zur Effizienzsteigerung initiiert. Volkswagen Poznań werde von seiner Erfahrung und strategischen Kompetenz profitieren. Depka wiederum bezeichnet Vollmer als international erfahrenen Produktionsexperten, der Hannover in einem anspruchsvollen Marktumfeld weiterentwickeln solle.

Auswirkungen auch für Werke in Mexiko und Argentinien

Die Rochade setzt sich über Europa hinaus fort. Depkas bisherige Position bei FAW-Volkswagen in Foshan übernimmt Thomas Hahlbohm, aktuell Vorstand Produktion und Logistik bei Volkswagen de México. Dessen Nachfolge in Mexiko tritt Gabriel Ozogany an, derzeit Werkleiter im argentinischen Pacheco.

Damit verschiebt Volkswagen gleich mehrere erfahrene Produktionsmanager innerhalb des internationalen Fertigungsnetzwerks. Hahlbohm bringt langjährige Erfahrung aus Hannover, Poznań, Pacheco und Mexiko mit. Ozogany wiederum ist seit knapp 25 Jahren im Volkswagen-Konzern tätig und durchlief Stationen in Produktion und Logistik bei Volkswagen Slovakia, in Puebla und zuletzt in Pacheco.

Die Neuaufstellung fällt in eine Phase, in der Volkswagen seine Produktionsstrukturen weiter auf Effizienz, Standortperspektiven und internationale Wettbewerbsfähigkeit ausrichten muss. Bereits Ende 2025 gab der Konzern bekannt, seine weltweite Produktion künftig stärker in regionale Zusammenschlüssen organisieren zu wollen. Bislang steht jedoch nur André Kleb als Chef der Werke auf der iberischen Halbinsel fest. Weitere Personalwechsel dürften also in naher Zukunft folgen.

VWs neue Aufteilung der Produktion.