Neue Effizienzagenda

So verschärft Volkswagen den bereits begonnenen Konzernumbau

Volkswagen weitet seinen Sparkurs aus. Nach den zuletzt angekündigten Maßnahmen plant der Konzern nun tiefere Eingriffe in Modellangebot, Produktion und Organisation. Ziel sind geringere Kosten, weniger Komplexität und mehr Wettbewerbsfähigkeit.

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Luftaufnahme des Volkswagen-Werks in Zwickau mit großen Produktionshallen, zwei Schornsteinen und einem weitläufigen Parkplatz voller Fahrzeuge.
Das Volkswagen-Werk in Zwickau gehört zu den Standorten, die Medienberichten zufolge von weiteren Sparmaßnahmen betroffen sein könnten. Konkrete Beschlüsse zu möglichen Werksschließungen liegen bislang nicht vor.

Volkswagen bereitet einen weitreichenden Umbau des Konzerns vor. Der Vorstand hat dem Aufsichtsrat einen Zukunftsplan mit zwölf Initiativen und einem Zielbild für 2030 vorgestellt. Konzernchef Oliver Blume bezeichnete das Vorhaben als umfassendste Neuausrichtung in der Geschichte des Unternehmens. Der Wolfsburger Autobauer will seine Modellpalette deutlich verkleinern, technische Strukturen vereinheitlichen und die Produktionskapazitäten an die veränderte Nachfrage anpassen. Zugleich sollen Entscheidungswege kürzer und indirekte Bereiche effizienter organisiert werden.

Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist die geplante Straffung des Produktportfolios. Die Zahl der angebotenen Modelle soll schrittweise um bis zu 50 Prozent sinken. Volkswagen will sich dabei auf Marktsegmente konzentrieren, die aus Sicht des Managements besonders attraktiv sind und einen höheren Ergebnisbeitrag versprechen. Auch die Zahl der möglichen Ausstattungsvarianten soll abnehmen. Der Konzern strebt eine Reduzierung um bis zu 75 Prozent an. Dies soll Entwicklungsressourcen bündeln, Kosten senken und Fahrzeuge schneller auf den Markt bringen. 

„Trotz der erzielten Fortschritte reichen im aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Umfeld die bislang geplanten Kostensenkungen aus den vereinbarten Programmen nicht aus. Wir müssen vielmehr unser Geschäftsmodell grundlegend neu ausrichten und strukturelle, nachhaltige Verbesserungen erzielen", kommentiert Finanzvorstand Arno Antlitz. „Dazu gehört, die Kostenstruktur unserer Fahrzeuge zu verbessern, ohne die Produktsubstanz zu beeinträchtigen, die Gemeinkosten deutlich abzusenken, die Effizienz unserer Werke zu steigern sowie Technologieentwicklung und Entscheidungsfindung zu beschleunigen. Das können wir nur erreichen, wenn wir die Komplexität erheblich verringern – in unserem Produktportfolio und den Technologieplattformen, bei der Anzahl der Einheiten und Entscheidungsebenen."

Technische Parallelstrukturen werden überprüft

Volkswagen will zudem seine technologischen Grundlagen stärker vereinheitlichen. Dazu zählen Fahrzeugplattformen, elektronische Architekturen und Softwarelandschaften. Diese Bereiche sollen jeweils stärker auf die Anforderungen westlicher und östlicher Märkte ausgerichtet werden. Der Automobilhersteller verspricht sich davon eine bessere Nutzung gemeinsamer Technologien über Marken und Regionen hinweg. Parallelentwicklungen sollen entfallen, während Lösungen mit hohem Skalierungspotenzial bevorzugt werden. Blume zufolge will die Gruppe weiterhin in Elektrofahrzeuge und Software investieren. Gleichzeitig sollen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor technologisch wettbewerbsfähig bleiben. Der Konzern verfolgt damit vorerst eine Strategie, die mehrere Antriebsarten berücksichtigt.

Auch die Fertigung steht vor weiteren Veränderungen. Die jährliche Produktionskapazität soll konzernweit auf ein Niveau von rund neun Millionen Fahrzeugen ausgerichtet werden. Vor der Corona-Pandemie war das Netzwerk nach Angaben des Unternehmens für etwa zwölf Millionen Einheiten ausgelegt. Kapazitäten für rund zwei Millionen Fahrzeuge seien bereits abgebaut worden. Weitere Anpassungen soll es in Europa und China geben. Welche Werke davon konkret betroffen sein könnten, teilte die Volkswagen Group nicht mit.

Neben der Produktion sollen auch Entwicklungsabteilungen und Verwaltungsbereiche effizienter arbeiten. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und gemeinsam genutzte Dienstleistungen sollen nach Darstellung des Managements die Produktivität erhöhen. Schlankere Führungsstrukturen sollen zugleich Entscheidungen beschleunigen.

Keine Beschlüsse zu möglichen Werksschließungen

Der Aufsichtsrat hatte am Donnerstag, den 10. Juli 2026, über den Zukunftsplan und mögliche weitere Einsparungen beraten. Konkrete Beschlüsse zu den verschärften Stellenstreichungen wurden nach den vorliegenden Angaben nicht gefasst. Ob und in welchem Umfang einzelne Werke betroffen sein werden, dürfte von den weiteren Beratungen mit Arbeitnehmervertretern und den zuständigen Gremien abhängen. Berichten zufolge könnten die Standorte Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm gefährdet sein. Auch hierzu liegt keine offizielle Entscheidung vor.

Der britische Sportwagenhersteller Bentley, die Volumenmarke Volkswagen, Audi, Porsche und weitere Konzernmarken sollen künftig stärker auf gemeinsame Ressourcen zurückgreifen. Das Management erwartet davon zusätzliche Synergien und geringere Entwicklungskosten. Gleichzeitig will der Konzern sein Beteiligungs- und Investitionsportfolio überprüfen. Maßgeblich sollen der strategische Beitrag, die Rendite und die Kapitalbindung sein. Bereiche außerhalb des automobilen Kerngeschäfts könnten damit stärker unter Verkaufsdruck geraten. Als Beispiel verweist das Unternehmen auf die Ende Juni vereinbarte Veräußerung einer Mehrheitsbeteiligung an Everllence. Die Transaktion soll Volkswagen rund 7,4 Milliarden Euro zuführen und den finanziellen Spielraum für weitere Investitionen vergrößern.

VW hält weitere Einschnitte für erforderlich

In den vergangenen drei Jahren hatte die Gruppe bereits mehrere Programme aufgelegt, um seine Ertragskraft zu verbessern. Nach Unternehmensangaben glichen diese Maßnahmen finanzielle Belastungen in zweistelliger Milliardenhöhe aus. Die bisherigen Schritte reichen nach Einschätzung des Vorstands jedoch nicht mehr aus. Antlitz verwies auf geopolitische Unsicherheiten, Zölle, steigende regulatorische Anforderungen und einen intensiveren internationalen Wettbewerb. Deshalb seien strukturelle Veränderungen am Geschäftsmodell erforderlich. Bis 2030 will der Vorstand den Konzern nach eigenen Angaben technologisch, finanziell und operativ deutlich besser positionieren. Ob die vorgesehenen Einsparungen und Vereinfachungen dafür ausreichen, wird maßgeblich von der konkreten Umsetzung abhängen. 

„Unser Ziel ist klar: Bis 2030 machen wir die Volkswagen Group zum attraktivsten Automobilunternehmen der Welt – mit ikonischen Marken, begeisternden Produkten, führenden Technologien, robusten finanziellen Ergebnissen, verlässlicher Performance am Kapitalmarkt und gelebtem Teamgeist", kündigt Konzernchef Oliver Blume an. „Mit unserem Zukunftsplan gehen wir aus eigener Kraft in die nächste Phase der Transformation. Wir machen den Volkswagen Konzern schneller, robuster und wettbewerbsfähiger: durch weniger Komplexität, fokussierte Technologien, eine noch stärkere Ausrichtung von Produkten, Entwicklung und Produktion in den regionalen Märkten, den Abbau von Überkapazitäten, ein gestrafftes Beteiligungsportfolio und deutlich schlankere Strukturen."