Gent-Werkleiter steigt auf
Volvo beruft Magnus Nilsson zum Produktionsvorstand
Volvo holt Gent-Werkleiter Magnus Nilsson in die Konzernleitung. Als neuer Produktionsvorstand übernimmt er ein Fertigungsnetzwerk, auf das in naher Zukunft einige bedeutende Veränderungen zukommen könnten.
Magnus Nilsson kennt die Produktion bei Volvo wie kaum ein anderer. Doch kann er das Fertigungsnetzwerk auf die anstehenden Herausforderungen vorbereiten?
Volvo
Volvo Cars ordnet seine Konzernleitung neu und setzt dabei auch im Produktionsressort auf Kontinuität aus den eigenen Reihen. Magnus Nilsson, der erst Anfang des Jahres Stefan Fesser als Leiter des belgischen Werks in Gent beerbt hatte, wird zum 1. September neuer Chief Manufacturing Officer und übernimmt die Verantwortung für Produktion sowie Manufacturing Engineering. Nilssons Vorgängerin Francesca Gamboni soll sich auf die Themen Beschaffung und Supply Chain konzentrieren.
Mit der Personalentscheidung rückt ein Manager in die Konzernleitung auf, der das operative Geschäft des Herstellers seit Jahrzehnten kennt. Nilsson ist bereits seit 1988 für den Autobauer tätig und verantwortete vor seiner Berufung zum Werkleiter in Gent verschiedene Gewerke-Positionen bei Volvo in Schweden und Belgien.
Volvo-CEO Håkan Samuelsson ordnete die Veränderungen als Teil einer umfassenderen Neuausrichtung der Führungsstruktur ein. „Diese Veränderungen stärken unsere Führungsmannschaft und spiegeln unsere zukünftigen Prioritäten sowie die schnelle Handlungsfähigkeit wider, die für die nächste Phase von Volvo Cars erforderlich ist“, sagte der CEO.
Nilsson ist Produktionsexperte
Dass die Wahl auf Nilsson fällt, dürfte kein Zufall sein. Das von ihm geführte Werk in Gent gehört zu den strategisch wichtigsten Standorten des Herstellers. Dort laufen unter anderem die Modelle EX30, EX40, EC40, XC40 und V60 vom Band. Gleichzeitig befindet sich der Standort in einem tiefgreifenden Wandel.
Einerseits entwickelt sich der EX30 inzwischen zum meistverkauften vollelektrischen Volvo-Modell. Andererseits stehen Anpassungen im Produktionsprogramm an. So soll die Fertigung von EX40 und EC40 künftig in das neue Werk in der Slowakei verlagert werden. Gleichzeitig bemüht sich Volvo darum, die Auslastung des belgischen Standorts langfristig abzusichern. Erst vor wenigen Wochen bekannte sich der Hersteller erneut zur Zukunft des Werks.
Produktionsnetzwerk unter Druck
Als neuer Produktionschef übernimmt Nilsson sein Amt in einer Phase, in der sich viele globale Produktionsentscheidungen neu ausrichten. So hatte Volvo bereits Anfang 2025 eingeräumt, die Verlagerung weiterer Fahrzeugproduktionen in die USA zu prüfen, falls steigende Importzölle dies wirtschaftlich erforderlich machen sollten. Der Hersteller verfügt am Standort Charleston über freie Kapazitäten und erwägt, zusätzliche Modelle lokal zu fertigen. Diskutiert wurden unter anderem Fahrzeuge auf den Plattformen von XC60 und XC90.
Zusätzliche Komplexität entsteht durch mögliche Fertigungsprojekte innerhalb des Geely-Konzerns. Nach Aussagen des neuen Geely-Chairman An Conghui könnten ab 2028 Fahrzeuge der Premium-Marken Zeekr und Lynk & Co in europäischen Volvo-Werken produziert werden. Als mögliche Standorte gelten die Volvo-Werke in Gent, Torslanda sowie das neue Werk in der Slowakei.
Sollten diese Pläne umgesetzt werden, würde Nilsson nicht nur die Transformation des Volvo-Produktionsnetzwerks verantworten, sondern auch die stärkere industrielle Verzahnung innerhalb des Geely-Konzerns begleiten müssen.
Volvo besetzt den CTO-Posten neu
Parallel zur Neubesetzung des Produktionsressorts tauscht Volvo auch seinen Technologiechef aus. Alexander Petrofski übernimmt die Position des Chief Technology Officer von Anders Bell, der künftig eine strategische Initiative zur Skalierung der von Volvo entwickelten Plattform- und Softwaretechnologien leiten wird. Laut Samuelsson habe Bell „eine entscheidende Rolle dabei gespielt, unsere Technologie- und Softwareentwicklung in eine führende Position zu bringen“. Die personellen Veränderungen treten zum 1. September 2026 in Kraft.