Daimler Truck baut neues Lkw-Werk in den USA
Daimler Truck plant ein neues Lkw-Werk in den USA und baut Kapazitäten für Fernverkehrs- und Spezial-Lkw aus. Baubeginn ist Ende 2026, die Produktion soll drei Jahre später beginnen. Derweil meldet der Truck-Hersteller teilweise düstere Finanzkennzahlen.
Daimler Truck befindet sich in mehr als unruhigen Zeiten. In Nordamerika will man jetzt dennoch expandieren.
Daimler Truck / Dirk Weyhenmeyer
Daimler Truck baut ein neues Werk in den USA. Das Unternehmen will damit seine Fertigungskapazitäten in Nordamerika ausbauen und sowohl die Produktion von Fernverkehrs-Lkw als auch von Bau- und Spezialfahrzeugen stärken. Die Ankündigung fällt zusammen mit der Vorlage der Quartalszahlen, die einen deutlichen Rückgang des Konzerngewinns zeigen.
Neues Werk soll Fertigung flexibler machen
Das geplante Werk entsteht auf der grünen Wiese und wird von Grund auf für die Lkw-Produktion ausgelegt. Nach Angaben des Lkw-Bauers soll die Anlage mit modernen Fertigungstechnologien und flexiblen Montageprozessen ausgestattet werden, um eine breite Palette an Fahrzeugkonfigurationen effizient produzieren und schneller auf wechselnde Marktanforderungen reagieren zu können.
Daimler-Truck-Vorstandschefin Karin Rådström ordnet die Investition strategisch ein: „Das neue Produktionswerk stärkt unsere Wachstumspläne für Nordamerika. Es unterstützt uns dabei, unsere Kunden noch schneller und flexibler zu bedienen und auf ihre sich wandelnden Anforderungen einzugehen.“
John O'Leary, Präsident und CEO von Daimler Truck North America, verweist auf den Wettbewerbsdruck in der Branche: „Unsere Branche steht niemals still – und wir tun es auch nicht. Diese Investition spiegelt unser Vertrauen in die Zukunft des Straßengüterverkehrs und die Stärke des nordamerikanischen Marktes wider.“
Standortsuche läuft, Produktionsstart für 2029 geplant
Einen konkreten Standort hat der OEM noch nicht festgelegt. Das Unternehmen prüft derzeit mehrere potenzielle Optionen, entscheidend seien dabei die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte, eine stabile Lieferkette, eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur sowie das lokale Geschäftsumfeld, heißt es. Der Baubeginn ist für Ende 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme für das Jahr 2029. Das Werk soll nach Unternehmensangaben perspektivisch Tausende Arbeitsplätze schaffen.
Der nordamerikanische Ableger von Daimler Truck fertigt bereits seit mehr als 80 Jahren Nutzfahrzeuge in den USA und betreibt derzeit Werke in Cleveland, Gastonia, Mount Holly und High Point (North Carolina) sowie in Gaffney (South Carolina). Hinzu kommen Unternehmenszentrale und Entwicklungszentrum in Portland, Oregon. Details zum künftigen Standort und zur Zahl der Arbeitsplätze will Daimler Truck zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.
Konzerngewinn halbiert sich
Parallel zur Werksankündigung hat Daimler Truck seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt – und dabei zeigt sich, wie stark die Zollbelastung dem Konzern zusetzt. Das Ergebnis je Aktie fiel im ersten Halbjahr auf 0,34 Euro, nach 1,22 Euro im Vorjahreszeitraum – ein Rückgang um 72 Prozent. Im zweiten Quartal allein sank der Gewinn je Aktie von 0,29 auf 0,15 Euro und damit nahezu um die Hälfte.
Auch beim bereinigten Konzern-EBIT zeigt sich der Einbruch: Es lag im ersten Halbjahr bei 1.336 Millionen Euro nach 2.100 Millionen Euro im Vorjahr, ein Minus von 36 Prozent. Im zweiten Quartal betrug das bereinigte EBIT 838 Millionen Euro (Q2 2025: 1.022 Millionen Euro), die bereinigte Umsatzrendite im Industriegeschäft sank auf 6,8 Prozent nach 9,2 Prozent im Vorjahresquartal. Der Umsatz des Industriegeschäfts stieg dagegen leicht auf 11,4 Milliarden Euro (Q2 2025: 10,8 Milliarden Euro).
Trotz des Gewinneinbruchs hebt Daimler Truck seine Jahresprognose an. Grund ist die im November 2025 vom US-Handelsministerium genehmigte Anerkennung von US-Wertschöpfungsanteilen, die die Zollbelastung im weiteren Jahresverlauf mindern soll, sowie erwartete höhere Absatzzahlen bei Trucks North America. Für 2026 rechnet der Konzern nun mit einem bereinigten EBIT von 3,6 bis 4,1 Milliarden Euro (bisherige Prognose: 3,2 bis 3,7 Milliarden Euro) und einer bereinigten Umsatzrendite im Industriegeschäft von 7 bis 9 Prozent (bisher: 6 bis 8 Prozent).
„Die starke Geschäftsentwicklung bei Trucks North America, die Aussicht auf höhere Absatzzahlen und die geringere erwartete Zollbelastung im weiteren Jahresverlauf bestärken uns darin, unsere Prognose für das Gesamtjahr anzuheben“, sagte Rådström. Finanzvorständin Eva Scherer kündigte zudem an, die zweite Tranche des laufenden Aktienrückkaufprogramms mit einem Volumen von bis zu 1,1 Milliarden Euro nach Abschluss der ersten Tranche im September zu starten.