Produktionstechnologien für die Elektromobilität

Diese Produktionsthemen prägen die EPTS 2026

Die EPTS 2026 bringt am 8. und 9. Dezember Fachleute aus Industrie und Forschung nach Nürnberg. Im Fokus stehen skalierbare Produktionslösungen für Batterien, E-Motoren, Leistungselektronik und Wasserstoff.

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EPTS 2025
Mit Themen wie Produktion elektrischer Antriebe, Leistungselektronik, Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie, Ökobilanzen, Energietransfer in Elektrofahrzeugen und Getriebetechnik ist die EPTS der wichtigste jährliche Treffpunkt für Experten, die die Zukunft der nachhaltigen Mobilität gestalten.

EPTS 2026 im Überblick

Was: Production Technologies and Systems for E-Mobility (EPTS)

Wann: 8. und 9. Dezember 2026

Wo: Meistersingerhalle Nürnberg, Münchener Straße 21, 90478 Nürnberg

Themen: Batterieproduktion, elektrische Maschinen, Leistungselektronik, Energieübertragung, Wireless Power Transfer, Wasserstoff, Brennstoffzellen, Kreislaufwirtschaft und Produktionssysteme

Wie lassen sich Batteriezellen flexibler produzieren? Welche Fertigungsverfahren benötigt die nächste Generation elektrischer Maschinen? Und wie können künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge und modulare Anlagenkonzepte den industriellen Hochlauf beschleunigen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die EPTS 2026 am 8. und 9. Dezember in der Meistersingerhalle Nürnberg. Die internationale Fachkonferenz „Production Technologies and Systems for E-Mobility“ richtet den Blick auf Produktionsprozesse und Anlagenkonzepte entlang des elektrischen Antriebsstrangs. Das vorläufige Programm umfasst aktuell 72 wissenschaftliche und industrielle Beiträge. Die endgültige Agenda und die Zuordnung zu den einzelnen Sessions sollen nach Abschluss des Review-Prozesses veröffentlicht werden.

Industrie und Forschung diskutieren den Produktionshochlauf

Zu den vorgesehenen Themenfeldern gehören die Produktion elektrischer Maschinen, die Batterie- und Leistungselektronikfertigung, Energieübertragung in Elektrofahrzeugen, Brennstoffzellen und Wasserstoff, Lifecycle Assessment sowie übergreifende Produktionssysteme. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf stationären und dynamischen Verfahren zur induktiven Energieübertragung.

Als erste Keynote-Speaker sind Dr. Jürgen Adam, Vice President und General Manager Europe PowerDrive Systems bei BorgWarner, Dr. Markus Fallböhmer, Senior Vice President Battery Production bei BMW, und Dr. Uwe Keller, Leiter Batterieentwicklung bei Mercedes-Benz, angekündigt. Ergänzt wird das Programm durch eine begleitende Fachausstellung, Networking-Formate und eine Abendveranstaltung am ersten Konferenztag.

Auf Industrieseite stehen zudem unter anderem Bosch, Ford, Trumpf, Schaeffler, Valeo, Elantas, Daikin, AGC Chemicals, IMA Automation und Kern-Liebers auf der Agenda. Wissenschaftliche Beiträge kommen beispielsweise von der RWTH Aachen, dem Karlsruher Institut für Technologie, der Technischen Universität München, der FAU Erlangen-Nürnberg und verschiedenen Fraunhofer-Instituten. Hinzu kommen Hochschulen aus Schweden, Italien und Japan.

Diese Verbindung von Forschung und industrieller Anwendung soll eine zentrale Schwäche des europäischen Produktionsstandorts adressieren: Zwar entstehen viele neue Technologien in europäischen Forschungsinstituten und Unternehmen, ihre Überführung in wettbewerbsfähige Serienprozesse dauert jedoch häufig zu lange.

Fertigung elektrischer Maschinen bleibt ein Kernthema

Einen großen Teil des vorläufigen Programms nimmt die Produktion elektrischer Maschinen ein. Mehrere Beiträge beschäftigen sich mit Hairpin- und X-Pin-Statoren, darunter Laser- und Elektronenstrahlschweißen, kamerabasierte Prozessüberwachung sowie KI-gestützte Fehlerklassifikation. Weitere Arbeiten untersuchen Axialflussmaschinen, neue Rotorkonzepte, hochspannungsfeste Isolationssysteme und die Verarbeitung flacher Kupferleiter. Auch additive Fertigungsverfahren, direkt gekühlte elektrische Maschinen und neue Wicklungskonzepte stehen auf der Agenda.

Trumpf will beispielsweise adaptive Lasersysteme vorstellen, die Daten mehrerer Sensoren für die Prozessregelung und Qualitätssicherung in der Hairpin-Fertigung nutzen. Bosch Manufacturing Solutions beschäftigt sich mit Statoren mit besonders kurzen Wickelköpfen und der Frage, wie sich Entwicklungsprozesse mit einem pragmatischen „good enough“-Ansatz beschleunigen lassen.

Batterieproduktion muss flexibler werden

In der Batterieproduktion reicht das Spektrum von der Elektrodenfertigung über Beschichtungsverfahren bis zur Kontaktierung großformatiger Rundzellen. Untersucht werden unter anderem das automatisierte Handling dünner Metallfolien unter Schutzatmosphäre, der flexible Laserzuschnitt von Elektroden und die datenbasierte Überwachung von Beschichtungsprozessen.

Eindrücke von der EPTS 2025

Ein Beitrag der RWTH Aachen nutzt ein adaptives Bayesian-LSTM-Modell, um Prozessabweichungen während der Elektrodenbeschichtung zu erkennen und die Unsicherheit der Vorhersage zu bewerten. Weitere Arbeiten befassen sich mit modularen Produktionssystemen, neuen Stromableitern für Festkörperbatterien und den Auswirkungen von Prozessstörungen beim Laserschweißen von Batteriekontakten.

Damit greift die Konferenz ein Problem auf, das bereits im digitalen EPTS Thementalk im Juli 2026 ausführlich diskutiert wurde: Zellchemien, Formate und Produktgenerationen verändern sich schneller, als klassische Produktionslinien angepasst oder abgeschrieben werden können. Gefragt sind deshalb Anlagen, die sich über ihren Lebenszyklus auf neue Produkte und Prozesse umrüsten lassen.

Europas Stärke liegt in flexiblen Produktionssystemen

Im Thementalk diskutierten Achim Kampker von der RWTH Aachen, Jürgen Fleischer vom KIT und Florian Risch von der FAU Erlangen-Nürnberg darüber, wie Europa neue Technologien schneller in industrielle Wertschöpfung überführen kann. Kampker verwies darauf, dass Deutschland weiterhin viel Wissen generiere, bei der Kommerzialisierung und Skalierung neuer Technologien jedoch an Geschwindigkeit gewinnen müsse. Forschungsergebnisse müssten schneller Produktivität, Wertschöpfung und Beschäftigung am Standort schaffen. Jürgen Fleischer warnte zugleich davor, asiatische Produktionsmodelle lediglich zu kopieren: „Wenn wir alles nachmachen, werden wir uns schwertun.“ Europas Chance liege vielmehr in flexiblen Produktionssystemen, modularen Anlagen, digitaler Inbetriebnahme und der Fähigkeit, komplexe Anforderungen zu beherrschen. Florian Risch stellte die wirtschaftliche Wirkung neuer Technologien in den Mittelpunkt. Für neue Forschungsplattformen und Industriekooperationen müsse gelten: „Es muss eine messbare Steigerung der Produktivität geben.“

KI soll Prozesse stabilisieren und Anläufe verkürzen

Mehrere Beiträge der EPTS 2026 zeigen, wie künstliche Intelligenz bereits in konkrete Fertigungsanwendungen einzieht. Sie wird unter anderem für die Qualitätsüberwachung lasergeschweißter Verbindungen, die Erkennung von Fehlern in Hairpin-Prozessen und die Vorhersage von Bauteil- und Prozesseigenschaften eingesetzt. Digitale Zwillinge und virtuelle Inbetriebnahmen sollen zudem helfen, Maschinen und Anlagenmodule vor dem physischen Aufbau zu testen. Gerade bei häufig wechselnden Zellformaten, Materialsystemen und Produktgenerationen könnte dies die Dauer des Produktionsanlaufs reduzieren.

Fleischer beschrieb im Thementalk als mögliches Zielbild einen modularen Produktionsbaukasten. Je nach Zellchemie, Format und Stückzahl könnten Maschinen und Prozessmodule unterschiedlich zusammengestellt werden. Voraussetzung dafür seien standardisierte Schnittstellen und eine Softwarearchitektur, über die sich die einzelnen Module zu einem Gesamtsystem verbinden lassen. Damit könnten auch spezialisierte Maschinenbauer ihre Technologien leichter in größere Produktionslinien einbringen. Für den europäischen Anlagenbau wäre dies eine Möglichkeit, seine Stärke bei komplexen und kundenspezifischen Lösungen mit einer höheren Skalierbarkeit zu verbinden.

Energieübertragung, Wasserstoff und Kreislaufwirtschaft

Neben Batterien und Elektromotoren betrachtet die EPTS auch die Energieübertragung im und zum Fahrzeug. Geplant sind Beiträge zu thermischen Systemlösungen, Kupfer-Aluminium-Busbars, Hochstromsteckern und zum Megawattladen. Forschende der Universität Tokio untersuchen zudem die mögliche Verteilung von Infrastruktur für dynamisches induktives Laden auf dem japanischen Autobahnnetz. Im Themenfeld Wasserstoff und Brennstoffzelle geht es unter anderem um die automatisierte Handhabung von Membranen für die alkalische Elektrolyse, die Fertigung von Bipolarplatten und neue poröse Transportschichten für Elektrolyseure.

Was ist die neue EPTS?

Die EPTS ist aus drei etablierten Fachkonferenzen hervorgegangen: der E|DPC, der E|PTS des Instituts FAPS an der FAU Erlangen-Nürnberg sowie der EPT des Lehrstuhls PEM der RWTH Aachen. Seit 2025 treten die Veranstaltungen gemeinsam unter dem Namen „Production Technologies and Systems for E-Mobility“, kurz EPTS, auf. Durch den Zusammenschluss sollen die unterschiedlichen Produktionsschritte und Komponenten des elektrischen Antriebsstrangs stärker miteinander verknüpft werden. Zu den wissenschaftlichen Partnern gehören das Institut FAPS der FAU Erlangen-Nürnberg, der Lehrstuhl PEM der RWTH Aachen und das wbk Institut für Produktionstechnik des KIT. Die erste gemeinsame EPTS fand 2025 in Karlsruhe statt. Der Austragungsort wechselt jährlich zwischen Karlsruhe, Nürnberg und Aachen. 2026 ist Nürnberg Gastgeber der Konferenz.

Auch die Kreislaufwirtschaft wird als produktionstechnische Aufgabe betrachtet. Ein Forschungsprojekt der RWTH Aachen untersucht, welche Informationen für eine automatisierte Demontage von Elektromotoren benötigt werden und welche Rolle digitale Produktpässe dabei spielen können. Im Thementalk wurde die automatisierte Demontage und Aufbereitung als mögliches Zukunftsfeld für den europäischen Maschinenbau eingeordnet. Ziel sind skalierbare Verfahren, mit denen sich Magnete, Kupfer und Batteriematerialien wirtschaftlich zurückgewinnen und erneut in die Produktion überführen lassen.