MANs neuer Stromer zielt auf das Herz der Stadtlogistik
MAN Truck & Bus baut sein batterieelektrisches Lkw-Angebot weiter aus und adressiert mit dem neuen Modell nun auch den urbanen und regionalen Verteilerverkehr rund um 16 Tonnen. Auch für die Produktion in München bedeutet der neue E-Lkw eine Transformation.
Der neue e-Truck soll Transportunternehmen dabei unterstützen, die EU-CO₂-Flottenzielwerte für schwere Nutzfahrzeuge zu erreichen.MAN Bus & Truck
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Mission vollbracht: Das neue Modell komplettiert das Elektro-Lkw-Portfolio von 12 bis 50 Tonnen bei MAN Bus & Truck, entsprechend stolz ordnet Friedrich Baumann, Vorstand
Sales & Customer Solutions, diesen Schritt ein: „Mit dem MAN eTGM 16 Tonner bringen wir genau jetzt die
ideale elektrische Lösung für den innerstädtischen und regionalen
Verteilerverkehr auf die Straße. Er ist der konsequente Abschluss unseres
eTruck-Portfolios und macht MAN zum echten Full-Range-Anbieter für
batterieelektrische Nutzfahrzeuge.“
Die Weltpremiere des eTGM auf der Transpotec Logitec in
Mailand ist strategisch gesetzt. Die Fachmesse versammelt zentrale Akteure der
Nutzfahrzeugbranche – vom Fernverkehr bis zur letzten Meile. Neben MAN
präsentieren dort auch Wettbewerber wie DAF, Ford Trucks, Iveco, Mercedes-Benz
Trucks, Renault Trucks, Scania und Volvo Trucks ihre Lösungen.
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Unser Portfolio macht uns zum echten Full-Range-Anbieter für batterieelektrische Nutzfahrzeuge
Friedrich Baumann, MAN Truck & Bus
Damit wird die Messe zu einem Gradmesser für den
industriellen Reifegrad alternativer Antriebe. Batterieelektrische Lkw sind
zunehmend nicht mehr nur Pilotprojekte einzelner Flotten, sondern Bestandteil
konkreter Produkt-, Produktions- und Infrastrukturstrategien.
Zielkonflikt zwischen Reichweite,
Nutzlast und Aufbauvarianz
Der MAN eTGM kommt auf bis zu 480 Kilometer Reichweite,
bietet laut Hersteller bis zu rund 10,6 Tonnen Fahrgestell-Nutzlast und
erreicht ein Zuggesamtgewicht von bis zu 33 Tonnen. Der elektrische Antrieb
leistet 210 Kilowatt und stellt 800 Newtonmeter Drehmoment bereit.
Technisch setzt MAN auf zwei bis vier Batteriepakete.
Dadurch lässt sich das Fahrzeug je nach Einsatzprofil zwischen Reichweite,
Nutzlast, Kosten und Aufbauanforderungen auslegen. Genau dieser Zielkonflikt
prägt das mittlere Verteilersegment: Mehr Batterie erhöht die Reichweite,
verringert aber Gewichtsspielräume. Weniger Batterie verbessert Nutzlast und
Kostenstruktur, verlangt jedoch eine genauere Lade- und Routenplanung.
Für welche Einsätze ist ein elektrischer 16-Tonner plausibel?
Besonders naheliegend ist der Einsatz dort, wo Touren
planbar sind und Fahrzeuge regelmäßig ins Depot zurückkehren. Dazu zählen
Stadtlogistik, Lebensmittel- und Supermarktverteilung, Ersatzteilversorgung,
Werkslogistik, Kommunalbetrieb sowie Bau- und Entsorgungsverkehre.
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Gerade in diesen Anwendungen entscheidet jedoch nicht allein
der Antrieb über die Praxistauglichkeit. Kühlaufbauten, Ladebordwände, Kipper
oder kommunale Spezialaufbauten stellen hohe Anforderungen an Rahmenfreiheit,
Schnittstellen und Nebenabtriebe. MAN verweist deshalb auf die frühe Einbindung
von Aufbauherstellern, optimierte Radstände und eine mechanische
Nebenabtriebswelle.
Was verändert der eTruck in der Produktion?
Industriell steht der eTGM für einen größeren Umbau der
Lkw-Fertigung. Im Münchner Werk produziert MAN Diesel- und Elektro-Lkw in
vollintegrierter Mischproduktion auf derselben Linie. Das schafft Flexibilität,
wenn die Nachfrage nach elektrischen Nutzfahrzeugen je nach Markt, Förderung,
Ladeinfrastruktur oder Mautregel unterschiedlich schnell wächst.
Vom Diesel-Lkw unterscheiden sich eTrucks vor allem beim
Batterieeinbau, Powerpack, den Hochvoltkomponenten, der Medienverlegung und der
End-of-Line-Prüfung. Hinzu kommt der Qualifizierungsaufwand: Beschäftigte in
Produktion, Instandhaltung und Qualitätssicherung benötigen Hochvoltkompetenz,
Diagnosewissen und neue Sicherheitsroutinen.
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Batterieproduktion als Schlüssel der
Wertschöpfung
Mit der Elektrifizierung verschiebt sich auch die
Fertigungstiefe. MAN setzt bei Batteriepacks auf Eigenfertigung in Nürnberg.
Damit stärkt der Hersteller Knowhow, Qualitätskontrolle und
Versorgungssicherheit in einem zentralen Bereich des Elektro-Lkw.
Die Anforderungen an Nutzfahrzeugbatterien sind hoch: lange
Laufleistungen, Schichtbetrieb, häufige Ladezyklen, Vibrationen,
Witterungseinflüsse und anspruchsvolle Ladeprofile belasten die Systeme stärker
als in vielen Pkw-Anwendungen. Entscheidend werden deshalb lückenlose
Prüfprozesse, Zellüberwachung, Thermomanagement und dokumentierte
End-of-Line-Tests.
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Wann rechnet sich der Elektro-Lkw im Flottenbetrieb?
MAN-Vertriebschef Friedrich Baum setzt sich für verbesserte Rahmenbedingungen ein, die den Umstieg auf eTrucks beschleunigen sollen.MAN Truck & Bus SE
Der Business Case entsteht nicht allein im Fahrzeug.
Depotladen, Photovoltaik am Standort, Lastmanagement und planbare Ladefenster
können die Total Cost of Ownership verbessern. Für viele Flottenbetreiber
entscheidet sich die Wirtschaftlichkeit daher im Zusammenspiel aus Fahrzeug,
Energieversorgung und Einsatzplanung.
Gleichzeitig bleibt die Ladeinfrastruktur ein zentraler
Engpass. Baumann formulierte es zuletzt bei einem Infrastrukturprojekt zugespitzt:
„Die richtige Ladeinfrastruktur wird letztlich darüber entscheiden, ob unsere
Kunden tatsächlich vom Diesel- auf den Elektroantrieb umsteigen.“
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Regulierung, Maut und
Ladeinfrastruktur
Auch regulatorisch steigt der Druck auf den
Nutzfahrzeugsektor. Die EU verschärft die CO2-Vorgaben für schwere
Nutzfahrzeuge stufenweise. Gleichzeitig können Mautvorteile und Emissionszonen
den Umstieg auf lokal emissionsfreie Lkw beschleunigen.
Zur verlängerten deutschen Mautbefreiung für
Zero-Emission-Lkw bis 2031 sagte Baumann: „Das ist ein wichtiges Signal, das
unseren Kunden die notwendige Planbarkeit bringt.“ Zugleich fordert MAN
schnellere Genehmigungen, leistungsfähigere Netze und mehr Unterstützung für
kleine und mittlere Unternehmen.
Ist Wasserstoff für MAN Alternative oder Ergänzung?
Wasserstoff bleibt bei MAN eine Ergänzung zur
batterieelektrischen Strategie. Mit dem hTGX plant der Hersteller eine
Kleinserie mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Sie zielt vor allem auf
Spezialanwendungen wie Bau, Holztransport, Tanklogistik oder Regionen mit
Wasserstoffverfügbarkeit, aber schwacher Ladeinfrastruktur.
Der Schwerpunkt liege weiter auf batterieelektrischen
Fahrzeugen, so Baumann. Sie hätten Vorteile bei Energieeffizienz sowie
Betriebs- und Energiekosten. Der Wasserstoff-Verbrenner nutzt dagegen bekannte
Motoren-, Fertigungs- und Servicekompetenzen und kann dort eine Rolle spielen,
wo Batterieelektrik an Grenzen stößt.
Transformation der
Nutzfahrzeugindustrie
Der eTGM ist weniger ein Einzelmodell als ein Baustein einer
neuen Nutzfahrzeugarchitektur. Ob er schnell skaliert, entscheidet sich nicht
nur an Reichweite und Nutzlast. Ausschlaggebend wird sein, ob Fahrzeug, Aufbau,
Energieversorgung, Service und Finanzierung im Flottenalltag zusammenpassen.
Die Botschaft der Weltpremiere in Mailand reicht deshalb
über MAN hinaus: Der Elektro-Lkw ist im industriellen Alltag angekommen. Sein
Hochlauf bleibt jedoch eine Aufgabe der gesamten Wertschöpfungskette – von der
Batterieproduktion über die flexible Montage bis zum Netzanschluss im Depot.
Fakten zum MAN eTGM
Fahrzeugtyp: vollelektrischer Lkw für den schweren Verteilerverkehr; 6x2-4 Dreiachs-Fahrgestell
Gesamtgewicht: 26 Tonnen
Antrieb: Elektromotor mit 264 kW Leistung, ca. 359 PS
Drehmoment: maximal 3.100 Nm
Batterietechnologie: Lithium-Ionen-Batterien
Reichweite: bis zu 190 km; nahverkehrsoptimiert
Laden und Rekuperation: externes Laden sowie Energierückgewinnung im Schub- und Bremsbetrieb
Ausstattung: Vollluftfederung sowie gelenkte und liftbare Nachlaufachse
Einsatzgebiete: Verteilerverkehr, Kühltransporte, Wechselbrücke und Getränkeaufbau im
urbanen Raum
Nebenaggregate: Servolenkung, Luftkompressor und Klimaanlage werden elektrisch und
bedarfsabhängig gesteuert