Volkswagen schickt Cupra Raval und ID. Polo aufs Band
Der VW-Konzern startet am Seat-Hauptstandort in Martorell die Serienproduktion des Cupra Raval und des VW ID. Polo. Das Werk wird damit zum zentralen Baustein der elektrischen Kleinwagenoffensive der Wolfsburger.
In Martorell laufen ab sofort die elektrischen Einstiegsstromer ID. Polo und Cupra Raval vom Band.
Seat/Cupra
Der Volkswagen-Konzern hat im Seat/Cupra-Hauptwerk Martorell
mit der Serienproduktion der elektrischen Kleinwagenmodelle Cupra Raval und VW
ID. Polo begonnen. Damit wird der spanische Standort nun endgültig zum
zentralen Baustein der elektrischen Kleinwagenoffensive im Volkswagen-Konzern. Das
Projekt ist Teil einer markenübergreifenden urbanen Elektrofahrzeugfamilie, die
insgesamt vier Modelle umfasst und auf einer gemeinsamen Plattform basiert.
„Der heutige Tag ist weit mehr als nur der Startschuss für
die Produktion von zwei Fahrzeugen. Er ist ein Meilenstein“, sagte Markus Haupt,
CEO der Marken Seat und Cupra.
Plattform und Skaleneffekte im Fokus
Die technische Basis soll vor allem Kostenvorteile bringen. Volkswagen
zufolge lassen sich durch die Plattformstrategie rund 600 Millionen Euro
einsparen. VW-Markenchef Thomas Schäfer betonte in diesem Zusammenhang: „Die
gemeinsame Plattform stärkt die Wettbewerbsfähigkeit im Einstiegssegment.“
Insgesamt hat der Konzern gemeinsam mit Partnern rund zehn
Milliarden Euro in den Umbau der Elektromobilitäts-Infrastruktur in Spanien
investiert, allein drei Milliarden Euro in Martorell. Perspektivisch sollen
dort bis zu 300.000 Elektroautos jährlich gebaut werden.
Preisdruck im Einstiegssegment wächst
Der Produktionsstart fällt in eine Phase zunehmenden
Wettbewerbs bei günstigen Elektroautos. Zwar zielt Volkswagen mit dem ID. Polo
auf einen Einstiegspreis von rund 25.000 Euro – doch dieses Niveau gilt
inzwischen als nur bedingt wettbewerbsfähig. „Das ist heutzutage kein
Einstiegsmodell mehr“, sagte Branchenexperte Frank Schwope gegenüber der Deutschen
Presse-Agentur. Für viele Käufer seien 25.000 Euro bereits zu hoch angesetzt.
Zudem sind die Einstiegspreise zum Marktstart zunächst gar
nicht verfügbar: Sowohl der ID. Polo als auch der Cupra Raval starten zunächst
in höherwertigen Versionen für deutlich über 30.000 Euro. Günstigere Varianten
sollen erst ab Juli bestellbar sein, die Auslieferung ist ab September geplant.
Konkurrenz bereits günstiger
Der Wettbewerbsdruck kommt vor allem aus dem Volumensegment:
Modelle wie der Renault Twingo Electric bewegen sich bereits um 20.000 Euro,
während Fahrzeuge wie Dacia Spring oder der Citroën ë-C3 teils deutlich
darunter liegen.
Entsprechend wird die Positionierung der neuen VW-Modelle von
Schwope kritisch gesehen: „VW kommt hier jetzt etwas spät, aber nicht zu spät“.
Automobilexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management sieht
dennoch Chancen: „25.000 Euro ist als Startpreis nicht so schlecht. Ich glaube,
dass das schon einen breiten Markt trifft.“
Spanien bietet Kostenvorteile
Dass die Produktion in Spanien angesiedelt ist, hat klare
wirtschaftliche Gründe. Niedrigere Lohnkosten, günstiger Solarstrom und
staatliche Förderungen – rund 400 Millionen Euro – verbessern die
Rahmenbedingungen deutlich.
„In Deutschland lässt sich so ein Modell nicht mehr bauen“,
sagt Branchenexperte Bratzel. Hinzu kommt eine hohe Gleichteilequote: Rund 80
Prozent der Komponenten werden über die Modellfamilie hinweg geteilt –
allerdings nur dort, wo es für Kunden nicht sichtbar ist.
Und neben der Produktion wurde auch die Entwicklung der Fahrzeuge bei Cupra gebündelt. 600 Millionen Euro hat das laut VW eingespart. Die um Auslastung ringenden deutschen Werke haben davon wenig. Immerhin: Das konzerneigene Batteriewerk in Salzgitter liefert Akkus nach Spanien. Und die sind nach wie vor das teuerste Bauteil beim E-Auto. Aus Deutschland kommen aber nur die leistungsstarken Nickel-Mangan-Cobalt-Zellen für die teureren Modelle. Die günstigeren Lithium-Eisenphosphat-Akkus für die Basisversionen kommen später aus Valencia, wenn das Werk dort läuft.
Rolle der deutschen Werke
Für die deutschen Standorte bedeutet die Verlagerung
kleinerer Modelle ins Ausland keine neue Entwicklung. Bereits der
Verbrenner-Polo wurde zuletzt in Spanien produziert.
Betriebsratschefin Daniela Cavallo betont, dass deutsche
Werke stärker auf komplexere, margenstärkere Fahrzeuge fokussiert bleiben
sollen. Gleichzeitig könnten günstige Einstiegsmodelle Kunden an die Marke
binden und später zu höherwertigen Fahrzeugen führen.
Mit dem Produktionsstart in Martorell verbindet Volkswagen
mehrere strategische Ziele: Skalierung der Elektromobilität, Kostenreduktion
durch Plattformen und Stärkung Europas als Produktionsstandort. Oder wie es
VW-Chef Oliver Blume formuliert: „Wir investieren mehrere Milliarden, um
Spanien zu einem zentralen Knotenpunkt der Elektromobilität zu machen.“
Der Erfolg der neuen Modellfamilie dürfte damit nicht nur an
Produktionszahlen gemessen werden, sondern vor allem daran, ob Volkswagen im
zunehmend umkämpften Einstiegssegment der Elektromobilität wettbewerbsfähig
bleibt.
Mit Material der dpa.