Trailer-E-Antriebe: Digitale Standards vor Serienproduktion
Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein ERP-System? Trailer Dynamics entschied sich bewusst für die Einführung vor dem Produktionsstart und schuf damit die Basis für saubere Prozesse und Skalierung.
Andreas Nehmeyer, PSI Software SE Andreas Nehmeyer, PSI Software SEAndreas Nehmeyer, PSI Software SE Customer Success Manager, PSI Software SE | Business Unit discrete manufacturing
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LOGISTIK: Ein Lkw mit elektrifiziertem Trailer von Trailer Dynamics demonstriert auf einem Firmengelände das Potenzial für kraftstoffsparende Green Logistics.@Trailer Dynamics
Schon vor dem Produktionsstart stieß Trailer
Dynamics auf großes Interesse bei Logistikern. Zahlreiche Vorbestellungen zeigten,
dass das Unternehmen mit seinem Ansatz einen Nerv trifft. Inzwischen ist die Vor-Serienproduktion
herstellerunabhängiger, elektrifizierter Antriebsstränge für Trailer, die sich
an Diesel- und E-Sattelzugmaschinen koppeln lassen, angelaufen. Tests haben
gezeigt, dass Kunden mit der Technologie eine durchschnittliche
Kraftstoffeinsparung von 40 Prozent erreichen. Bei batterieelektrischen
Sattelzugmaschinen lässt sich die Reichweite zudem verdoppeln.
Für den Langstreckenverkehr fehlten
bislang praktikable und wirtschaftliche Ansätze, die Unternehmen schnell an
emissionsarme Green Logistics heranführen. Gleichzeitig gilt der Straßengüterverkehr
als Hauptverursacher der stagnierenden, hohen Treibhausgasemissionen im
europäischen Straßenverkehr.
Klare Prozesse vor dem Produktionsstart
„Die Idee, einen elektrischen
Antriebsstrang in den Trailer auszulagern und via Plug-and-Play an jede
konventionelle Sattelmaschine koppeln zu können, kann ein echter Game-Changer
werden“, sagt Sascha Stehmann, IT-Leiter von Trailer Dynamics. „Mit dieser
Technologie ist auch eine wirtschaftliche und damit schnelle Umrüstbarkeit von
Bestandsflotten möglich. Und gleichzeitig lässt sich die Reichweite von E-LKWs
massiv erhöhen.“ Stehmann verantwortet bei Trailer Dynamics den Aufbau und die
spätere Betreuung der IT und wirkt damit auch an der Gestaltung der
Unternehmensprozesse mit. Ein erster Baustein war die Einführung und
Inbetriebnahme eines ERP-Systems.
Der eTrailer von Trailer Dynamics zeigt den elektrifizierten Antriebsstrang, der in Logistikflotten für höhere Effizienz und weniger Emissionen sorgen soll.@Trailer Dynamics
Fokus auf Standard und
Anschlussfähigkeit
Excel und ähnliche Tools reichen für
Projekte dieser Art oft nur am Anfang. Sobald ein Unternehmen produziert und
verkauft, braucht es abteilungsübergreifende Abläufe, die sich nachvollziehbar
steuern lassen. „Daher macht es Sinn, diese Prozesse so früh wie möglich durch
ein ERP-System abzudecken und bestenfalls – soweit es geht – an einem bewährten
Standardsystem anzulehnen“, so Stehmann.
Trailer Dynamics entschied sich für
PSIpenta/ERP von PSI Software SE und setzt damit auf einen Standard, der den
Automotive-Bereich breit abdeckt. Das Team wollte auftrags- und
kundenspezifische Fertigung mit einer auftragsgelösten Produktion verbinden, um
Baugruppen bei Bedarf vorzuproduzieren. Gleichzeitig soll das System
international mitwachsen, sich leicht bedienen lassen und sich perspektivisch
an angrenzende Systeme koppeln lassen, etwa an PDM- und PLM-Lösungen.
ERP-Best-Practices als Leitplanke
Trailer Dynamics startete mit einem
Prozess- und Systemdesign und orientierte sich dabei an den
Best-Practice-Prozessen des Anbieters. So definierte das Team zentrale
Basisabläufe entlang des Standards, unter anderem für Materialeinkauf,
Warenannahme und Buchhaltung. Perspektivisch sollen durchgängige Prozesse
entstehen – von der Produktkonfiguration durch Kunden über die automatische
Anlage eines Kundenvorgangs und der Stücklisten im ERP bis hin zu Produktion,
Auslieferung und Rechnungslegung.
Weil Trailer Dynamics schrittweise
vorgeht und das System vor dem Serienanlauf aufsetzt, hielt sich die Datenmenge
zum Start in Grenzen. Dadurch ließ sich der Datenimport vergleichsweise einfach
umsetzen. Gleichzeitig nutzte das Unternehmen die Phase, um Informationen und
Abläufe sauber zu implementieren und die verantwortlichen Mitarbeitenden
„on-the-job“ zu trainieren, so Stehmann. Der Umgang mit dem System unterstützt
vor allem auch Kolleginnen und Kollegen, die aus anderen Branchen kommen, beim
Aufbau von Prozessverständnis in der Produktion. Zudem schärft er das
Bewusstsein dafür, wer an welcher Stelle zum Informationsgehalt beiträgt, warum
Datengenauigkeit zählt und welcher Detailgrad im System hinterlegt sein muss.
Was bildet das ERP perspektivisch End-to-End ab?
√ Produktkonfiguration durch Kunden
√ Automatische Anlage von Kundenvorgang und Stücklisten im System
√ Auftragsgelöste Vorproduktion
√ Kundenspezifische Fertigung und Auslieferung
√ Rechnungslegung
√ Mehrwerkesteuerung für perspektivische Internationalisierung
32 statt 62 Projekttage
Am Ende lief das Projekt deutlich
schneller als geplant. Trailer Dynamics führte das ERP-System in 32 statt 62
vorgesehenen Projekttagen ein und blieb unter Budget. Stehmann führt das auf
mehrere Faktoren zurück: eine günstige Ausgangssituation, internes ERP-Know-how
sowie eine verlässliche Zusammenarbeit mit erfahrenen Beratern. System und Team
kannte er bereits aus früheren Stationen. „Daher wusste ich, dass PSIpenta auch
für Trailer Dynamics die richtige Lösung ist.“
Die Effekte zeigten sich laut Stehmann
schon wenige Wochen nach dem Go-live, vor allem beim Reporting und in der
abteilungsübergreifenden Datentransparenz. Wareneingänge, offene Zahlungen oder
Budgetabweichungen lassen sich nun per Knopfdruck auswerten. Das reduziert den
Aufwand für Listenabgleiche und Rückfragen zwischen den Bereichen.
Warum ist ein früher ERP-Start sinnvoll?
√ Die Datenmenge ist zum Einstieg gering, der Import bleibt überschaubar.
√ Prozesse lassen sich entlang bewährter Standards sauber aufsetzen.
√ Teams können schrittweise „on-the-job“ im System lernen.
Ausblick
Trailer Dynamics verfügt mit dem Branchen-ERP
über eine digitale Grundlage für abteilungsübergreifende Prozesse und den
weiteren Ausbau Richtung Smart Factory. Der gewählte Zeitpunkt brachte dabei
praktische Vorteile. Die Datenmenge war zum Einstieg gering, Prozesse ließen
sich sauber aufsetzen, und Mitarbeitende konnten schrittweise im System lernen.
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