Deutsch-italienische Co-Produktion

So wird Audis neuer Supersportler Nuvolari gebaut

Das Gezeter war groß, als Audi vor zwei Jahren seinen Sportwagen R8 einstellte. Jetzt kommt der Nachfolger: schneller, stärker, hybrider und limitiert auf 499 Fahrzeuge. Produziert wird der Audi Nuvolari in einem mehrstufigen Prozess in Deutschland und Italien.

3 min
Audis neuer Supersportwagen Nuvolari kombiniert Audi seine bekannte Space-Frame-Technik erstmals mit einer Karbon-Karosserie.

Die Bezeichnung Audi Nuvolari könnte treffender kaum gewählt worden sein. Weniger, weil eine Konzeptstudie als Ausblick auf das erste Audi A5 Coupé im Jahre 2003 bereits die Bezeichnung Nuvolari Quattro trug, sondern weil der Nachfolger des Audi R8 deutsche Ingenieurskunst mit italienischen Emotionen verbindet – wie der Rennfahrer nach dem er benannt ist. Die Namensgebung der Audi Studie Nuvolari Quattro geht zurück auf den Rennfahrer Tazio Nulolari, der 1933 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. 1892 in Mantua geboren, war Nuvolari einer der erfolgreichsten Rennfahrer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – bekannt für seinen spektakulären Fahrstil und einen gelben Rennpullover.

Einstellung des R8 sorgte für Unbehagen

Ein Leben zwischen Italien und Deutschland, denn seine größten Erfolge erreichte Nazio Nuvolari als Werksfahrer der Auto Union und so erscheint es nur konsequent, dass das entsprechende Serienmodell ab Ende 2026 in Deutschland und Italien gefertigt wird. Anders als beim R8 , der bis zu seiner Einstellung vor zwei Jahren größtenteils am Audi-Standort in den Böllinger Höfen in Heilbronn gefertigt wurde. Seit 2014 wurden die verschiedenen R8-Modelle unweit der eigentlichen Audi-Produktion in Neckarsulm dort weitgehend in Handarbeit produziert. 2023 dann die Schreckensnachricht für alle Audi-Fans: der Audi R8 sollte keinen Nachfolger bekommen.

Doch nicht nur Anhänger von Sportwagen und Rennstallbesitzern fuhr es bei der endgültigen Absage eines neuen R8 in die Glieder – auch am Lamborghini-Stammsitz in Santa Agata war die Enttäuschung groß. Denn der damalige Audi R8 war zumindest in seiner Basis zusammen mit dem Lamborghini Huracan in Heilbronn gefertigt worden, bevor es zur finalen Montage in die Nähe von Bologna ging. Ein Wegfall des Audi R8 bedeutete für Lamborghini beim Temerario höhere Kosten durch größere Eigenaufwände und weniger Skalierung.

Limitierter Nuvolari überflügelt Lamborghini

Jetzt legt Audi doch einen neuen R8 auf – wenngleich der Name Nuvolari eine deutliche Abgrenzung zum indirekten Vorgänger unterstreichen soll. Auch wenn der Audi Nuvolari auf der Plattform des Lamborghini Temerario unterwegs ist und einen ähnlichen Hybridantrieb verfügt, ist er exklusiver denn je positioniert. Zu einem Preis ab 590.000 Euro werden ab dem Jahresende gerade einmal 499 Fahrzeuge entstehen. Damit ist der Nuvolari über 50 Prozent teurer als sein Plattformgeber. Dafür gibt es etwas mehr V8-Hybridpower, eine sehenswerte Karbon-Karosserie und eine Exklusivität, die wohl noch über der des Lamborghini-Topmodells Revuelto liegt.

Nachdem der Lamborghini Temerario als Mittelmotorsportwagen mit einer Kombination aus einem vier Litern großen V8-Turboaggregat und einer elektrischen Vorderachse nunmehr seit knapp einem Jahr auf dem Markt ist, entschied sich Audi nun doch dafür, wieder einen Sportwagen zu fertigen.

Co-Produktion in kleinem Maßstab

Wie der R8 wird auch der Nuvolari zum Teil in Audis Böllinger Höfen produziert.

Da das Fertigungsvolumen bereits zu Projektbeginn auf eine Kleinserie begrenzt wurde, war es für Audi wirtschaftlich nicht sinnvoll, eine eigenständige Inhouse-Fertigung aufzubauen. Zudem erfolgt die Werkszuordnung mehrere Jahre im Voraus und der Nuvolari entstand in gerade einmal 18 Monaten. Daher wurde für das Projekt ein gemeinsames Produktionsnetzwerk innerhalb der Markengruppe von Audi und Lamborghini sowie freien Entwicklungspartnern etabliert.

Die Nutzung von Expertise und Synergien diente nicht allein der notwendigen Zeitersparnis, ehe der Nuvolari im kommenden Frühjahr zu seinen Kunden rollt, sowie insbesondere der finanziellen Machbarkeit. So wird beispielsweise die komplette Rohkarosserie in Neckarsulm gefertigt. Chassis und Motor werden dagegen vom Plattformgeber Lamborghini in Italien hergestellt. Die zahlreichen Karbonfaser-Komponenten werden von Lamborghini sowie von Zulieferern wie der CPC Group produziert, da die Vorbereitungen für den Serienanlauf des Audi C-Sport in der Manufaktur der Böllinger Höfe bereits auf Hochtouren laufen.

Komplexe Karbon-Karosse

Dabei ist die Konstruktion des Nuvolari deutlich komplexer als beim Vorgänger-Pärchen aus R8 und Huracan. Bei der Kleinserie kombiniert Audi seine bekannte Space-Frame-Technik erstmals mit einer Karbon-Karosserie. Das sorgt für eine Kombination aus geringem Gewicht, um den Zuwachs durch die beiden Axial-Elektromotoren und das 7,3 kWh große Batteriepaket auszugleichen und die Festigkeit zu maximieren. Nahezu alle Exterieur-Bauteile bestehen aus karbonfaserverstärktem Kunststoff (CFRP), die Audi mit der Unterstützung des eigenen Formel-1-Teams entwickelt hat.

Dabei setzen die Heilbronner auf die bewährte Prepreg-Autoklav-Technologie, bei der vorimprägnierte Karbonfasern manuell in Form gebracht und anschließend unter hohem Druck und mit hoher Temperatur ausgehärtet werden. Die Karbonelemente entstehen dabei in aufwendigen Laminierprozessen, um die Karosseriesteifigkeit zu maximieren. Das Fertigungsverfahren ermöglicht hochkomplexe Geometrien und so lassen sich die Bauteile konsequent funktional auslegen – von komplex geformten Türverkleidungselementen bis hin zu präzise ausgerichteten vertikalen Rahmenelementen, die den Luftstrom gezielt durch den Vorderwagen führen.

Entwicklungschef Mohr: Nuvolari „definiert neue Maßstäbe“

Nach gerade einmal eineinhalbjähriger Entwicklungszeit kommt der Mittelmotorsportler Ende des Jahres auf den Markt und wird ab Anfang 2027 ausgeliefert. Schneller als von so manchem erwartet und ebenso wie mancher Konkurrent nicht als Elektroversion, sondern als leistungsstarker Powerhybrid mit 1.001 PS. Die Höchstgeschwindigkeit: über 350 km/h. Entstanden ist der geschlossene Doppelsitzer in einem streng gesicherten Geheimprojekt in einem separaten Teil des Audi-Designcenters in Ingolstadt, zudem nur wenige Zutritt hatten.

Ein großer Vorteil: als die Kleinserie bereits beschlossen war, tauschte Audi seinen Entwicklungsvorstand aus. Der farblose Geoffrey Bouquot wurde zum März 2026 von Rouven Mohr ausgetauscht. Der war vorher für die Entwicklungen bei Lamborghini verantwortlich und kannte den Plattformgeber Temerario bestens. Das beschleunigte das Projekt deutlich. „Der Nuvolari ist der erste Supersportwagen mit High-Performance-Hybridantrieb von Audi und definiert mit seiner Aerodynamik und der Weltneuheit quattro predictive ride neue Maßstäbe“, so Rouven Mohr, Vorstand für Technische Entwicklung.

Der Audi Nuvolari in Bildern: