Das Gezeter war groß, als Audi vor zwei Jahren seinen Sportwagen R8 einstellte. Jetzt kommt der Nachfolger: schneller, stärker, hybrider und limitiert auf 499 Fahrzeuge. Produziert wird der Audi Nuvolari in einem mehrstufigen Prozess in Deutschland und Italien.
Stefan GrundhoffStefanGrundhoffpress-inform
3 min
Audis neuer Supersportwagen Nuvolari kombiniert Audi seine bekannte Space-Frame-Technik erstmals mit einer Karbon-Karosserie.Audi
Anzeige
Die Bezeichnung Audi Nuvolari könnte treffender kaum gewählt
worden sein. Weniger, weil eine Konzeptstudie als Ausblick auf das erste Audi
A5 Coupé im Jahre 2003 bereits die Bezeichnung Nuvolari Quattro trug, sondern
weil der Nachfolger des Audi R8 deutsche Ingenieurskunst mit italienischen
Emotionen verbindet – wie der Rennfahrer nach dem er benannt ist. Die Namensgebung der Audi Studie
Nuvolari Quattro geht
zurück auf den
Rennfahrer Tazio Nulolari, der 1933 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann.
1892 in Mantua geboren, war Nuvolari einer der erfolgreichsten Rennfahrer in
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – bekannt für seinen spektakulären
Fahrstil und einen gelben Rennpullover.
Einstellung des R8 sorgte für
Unbehagen
Anzeige
Ein Leben zwischen Italien und Deutschland, denn seine
größten Erfolge erreichte Nazio Nuvolari als Werksfahrer der Auto Union und so erscheint
es nur konsequent, dass das entsprechende Serienmodell ab Ende 2026 in
Deutschland und Italien gefertigt wird. Anders als beim R8 , der bis zu seiner
Einstellung vor zwei Jahren größtenteils am Audi-Standort in den Böllinger
Höfen in Heilbronn gefertigt wurde. Seit 2014 wurden die verschiedenen
R8-Modelle unweit der eigentlichen Audi-Produktion in Neckarsulm dort weitgehend
in Handarbeit produziert. 2023 dann die Schreckensnachricht für alle Audi-Fans:
der Audi R8 sollte keinen Nachfolger bekommen.
Doch nicht nur Anhänger von Sportwagen und
Rennstallbesitzern fuhr es bei der endgültigen Absage eines neuen R8 in die
Glieder – auch am Lamborghini-Stammsitz in Santa Agata war die Enttäuschung
groß. Denn der damalige Audi R8 war zumindest in seiner Basis zusammen mit dem
Lamborghini Huracan in Heilbronn gefertigt worden, bevor es zur finalen Montage
in die Nähe von Bologna ging. Ein Wegfall des Audi R8 bedeutete für Lamborghini
beim Temerario höhere Kosten durch größere Eigenaufwände und weniger
Skalierung.
Jetzt legt Audi doch einen neuen R8 auf – wenngleich der
Name Nuvolari eine deutliche Abgrenzung zum indirekten Vorgänger unterstreichen
soll. Auch wenn der Audi Nuvolari auf der Plattform des Lamborghini Temerario
unterwegs ist und einen ähnlichen Hybridantrieb verfügt, ist er exklusiver denn
je positioniert. Zu einem Preis ab 590.000 Euro werden ab dem Jahresende gerade
einmal 499 Fahrzeuge entstehen. Damit ist der Nuvolari über 50 Prozent teurer
als sein Plattformgeber. Dafür gibt es etwas mehr V8-Hybridpower, eine
sehenswerte Karbon-Karosserie und eine Exklusivität, die wohl noch über der des
Lamborghini-Topmodells Revuelto liegt.
Nachdem der Lamborghini Temerario als Mittelmotorsportwagen
mit einer Kombination aus einem vier Litern großen V8-Turboaggregat und einer
elektrischen Vorderachse nunmehr seit knapp einem Jahr auf dem Markt ist, entschied
sich Audi nun doch dafür, wieder einen Sportwagen zu fertigen.
Co-Produktion in kleinem Maßstab
Anzeige
Wie der R8 wird auch der Nuvolari zum Teil in Audis Böllinger Höfen produziert.AUDI AG
Da das Fertigungsvolumen bereits zu Projektbeginn auf eine
Kleinserie begrenzt wurde, war es für Audi wirtschaftlich nicht
sinnvoll, eine eigenständige Inhouse-Fertigung aufzubauen. Zudem erfolgt die
Werkszuordnung mehrere Jahre im Voraus und der Nuvolari entstand in gerade
einmal 18 Monaten. Daher wurde für das Projekt ein gemeinsames
Produktionsnetzwerk innerhalb der Markengruppe von Audi und Lamborghini sowie
freien Entwicklungspartnern etabliert.
Die Nutzung von Expertise und
Synergien diente nicht allein der notwendigen Zeitersparnis, ehe der Nuvolari
im kommenden Frühjahr zu seinen Kunden rollt, sowie insbesondere der finanziellen
Machbarkeit. So wird beispielsweise die komplette Rohkarosserie in Neckarsulm
gefertigt. Chassis und Motor werden dagegen vom Plattformgeber Lamborghini in
Italien hergestellt. Die zahlreichen Karbonfaser-Komponenten werden von
Lamborghini sowie von Zulieferern wie der CPC Group produziert, da die Vorbereitungen
für den Serienanlauf des Audi C-Sport in der Manufaktur der Böllinger Höfe
bereits auf Hochtouren laufen.
Dabei ist die Konstruktion des Nuvolari deutlich komplexer
als beim Vorgänger-Pärchen aus R8 und Huracan. Bei der Kleinserie kombiniert Audi
seine bekannte Space-Frame-Technik erstmals mit einer Karbon-Karosserie. Das
sorgt für eine Kombination aus geringem Gewicht, um den Zuwachs durch die
beiden Axial-Elektromotoren und das 7,3 kWh große Batteriepaket auszugleichen
und die Festigkeit zu maximieren. Nahezu alle Exterieur-Bauteile bestehen aus karbonfaserverstärktem
Kunststoff (CFRP), die Audi mit der Unterstützung des eigenen Formel-1-Teams
entwickelt hat.
Anzeige
Dabei setzen die Heilbronner auf die bewährte Prepreg-Autoklav-Technologie,
bei der vorimprägnierte Karbonfasern manuell in Form gebracht und anschließend
unter hohem Druck und mit hoher Temperatur ausgehärtet werden. Die Karbonelemente
entstehen dabei in aufwendigen Laminierprozessen, um die Karosseriesteifigkeit
zu maximieren. Das Fertigungsverfahren ermöglicht hochkomplexe Geometrien und
so lassen sich die Bauteile konsequent funktional auslegen – von komplex
geformten Türverkleidungselementen bis hin zu präzise ausgerichteten vertikalen
Rahmenelementen, die den Luftstrom gezielt durch den Vorderwagen führen.
Entwicklungschef Mohr: Nuvolari „definiert neue Maßstäbe“
Nach gerade einmal eineinhalbjähriger Entwicklungszeit kommt
der Mittelmotorsportler Ende des Jahres auf den Markt und wird ab Anfang 2027
ausgeliefert. Schneller als von so manchem erwartet und ebenso wie mancher
Konkurrent nicht als Elektroversion, sondern als leistungsstarker Powerhybrid
mit 1.001 PS. Die Höchstgeschwindigkeit: über 350 km/h. Entstanden ist der
geschlossene Doppelsitzer in einem streng gesicherten Geheimprojekt in einem
separaten Teil des Audi-Designcenters in Ingolstadt, zudem nur wenige Zutritt
hatten.
Anzeige
Ein großer Vorteil: als die Kleinserie bereits beschlossen
war, tauschte Audi seinen Entwicklungsvorstand aus. Der farblose Geoffrey Bouquot wurde zum März 2026 von
Rouven Mohr ausgetauscht. Der war vorher für die Entwicklungen bei Lamborghini
verantwortlich und kannte den Plattformgeber Temerario bestens. Das
beschleunigte das Projekt deutlich. „Der Nuvolari ist der erste
Supersportwagen mit High-Performance-Hybridantrieb von Audi und definiert mit
seiner Aerodynamik und der Weltneuheit quattro predictive ride neue Maßstäbe“,
so Rouven Mohr, Vorstand für Technische Entwicklung.