Eine knappe Woche lang drehte sich an der sonnenreichen Küste Kaliforniens rund um die Nobelenklave Pebble Beach nahe Monterey alles um das Thema Auto. Elektroantrieb, Dieselmotor, Turbotechnik, Oldtimer, Sportwagen, Luxusgefährt oder schlicht Showmobil - Hauptsache Auto und versprochen - nirgends geht es lässiger zur Sache. Wer hier anreist, hat jede Menge Lust auf Autos. Die einen beäugen beim Concours d‘ Lemons die größten Schrottkisten, die man sich vorstellen kann, während ein paar Meilen weiter, bestens behütet und maßgeschneidert eingekleidet, mit Blick auf den spiegelglatten Pazifik eisgekühlter Champagner geschlürft wird, während millionenschwere Boliden in perfekter Szenerie strahlen.

Show automobiler Exzentrik

Längst haben die Autohersteller aus aller Welt die Monterey Autoweek und die Veranstaltungen rund um den legendären Concours d’Elegance am Abschlusssonntag zu einer einzigartigen Möglichkeit erhoben, ihre neuesten Spielzeuge der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wer meint, dass nach Pebble Beach nur Autofans mit opulentesten Bankkonten kommen, irrt sich gewaltig. Familien, Paare, Singles aus der ganzen Welt wollen sich dieses Spektakel anschauen. Allen gemein ist die Lust auf den fahrbaren Untersatz welcher Art oder Preisregion auch immer.

So überrascht es nicht, dass BMW seinen neuen Spaßroadster Z4 als seriennahes Konzept auf dem peinlich kurz geschnittenen Rasen des Golfkurses von Pebble Beach enthüllt, während Maybach mit seiner Studie des Cabriolet 6 betont opulent in die Zukunft blickt. Beide Fahrzeuge sind - so unterschiedlich sie auch sein mögen - perfekt eingebettet in edle Wochenendhäuser, Sommerresidenzen und Golfliegenschaften, die weltweit ihresgleichen suchen. Während der scharf geschnittene Z4 nach dem am Comer See vorgestellten 8er Concept einen Ausblick auf die neue BMW Designlinie gibt und Lust auf eine kurvenreiche Ausfahrt in die Berge macht, lässt es das 5,70 Meter lange Maybach 6 Cabriolet - ebenfalls offen - ausladend und lasziv angehen. Ebenfalls imposant: die Studie des Infiniti GV80, mit der der Edelableger des Hyundai-Konzerns Druck auf Audi Q7, Mercedes GLE und BMW X5 machen will. Erstmals zu sehen in Pebble Beach.

Legenden der Autobahn

Wer nicht auf die Serienumsetzungen von BMW Z4 oder Mercedes-Maybach Cabriolet 6 warten will, der wird bei den zahllosen Luxusversteigerungen von RM Sotheby’s Auctions, Bonhams oder Goodings allemal fündig. Der Star in diesem Jahr: der Aston Martin DBR1 von 1959, der für die gigantische Summe von 20,5 Millionen Dollar zzgl. Nebenkosten bei RM Auctions einen neuen Besitzer fand. Mercedes präsentierte beim Concours d’Elegance am Sonntag im elitären Feld der vierrädrigen Superstars einen frisch restaurierten Mercedes 300 SL Roadster in graublau mit seltener blauer Innenfarbe, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert. Ungewöhnlicher Nebeneffekt: der spektakuläre Klassiker mit Auslieferungsdatum 10. Januar 1958 kann nach der Veranstaltung frei erworben werden. Erste Angebote gingen ein, bevor der Wagen auf den grünen Rasen geschoben wurde.

Doch es sind nicht nur die millionenschweren Klassiker, seltene Einzelstücke oder visionäre Zukunftsstudien, die der Monterey Autoweek diesen einzigartigen Charakter geben. Weltweit konkurrenzlos sind Veranstaltungen wie der Concorso Italiano oder die Legends of the Autobahn, wo Autofans aus ganz Amerika anreisen und ihre europäischen Schönheiten präsentieren. Wo bekommt man schon eine ganze Armee von eleganten BMW E9 Coupés zu bestaunen, fachsimpelt gleich nebenan mit zahllosen Mercedes S-Klasse-Besitzern vergangener Jahrzehnte und blickt auf einen Feuerwehr-Bulli der westfälischen Stadt Warendorf, der einen BMW 02 abschleppt? Wem wie Infiniti die Historie fehlt, kreiert sie mit dem coolen Prototyp 9 im Stile der 40er Jahre einfach neu.

Concours de Lemons

Doch es geht nicht nur um die Autos, sondern einmal mehr um das Drumherum. Sattgrüne Putting Greens, elitäre Golfplätze und Klassik-Happenings wie in Carmel by the Sea oder dem abgehobenen "The Quail - a Motorsport Gathering" - hier präsentieren sich eben auch Besitzer, Poser, Afficinados und waschechte Fans. Entspannte Lässigkeit und souveränes Selbstverständnis suchen dabei weltweit ihresgleichen. Hier wird mit Strohhut, dunklem Sportsakko und Loafer flaniert, während es ein paar hundert Meter weiter mit altem T-Shirt, kurzer Hose und Flip-Flops hemdsärmeliger zugeht. Potenzielle Luxuskunden schauen sich hinter verschlossenen Türen traumhaft konfigurierte Einzelstücke und Modelle an, die erst in ein paar Monaten auf den Straßen rollen. Mit einem kühlen Glas Champagner und ein paar Häppchen fällt die Unterschrift unter die Bestellung des neuen Fahrzeugs noch etwas leichter. Kein Wunder, dass Rolls-Royce einen exklusiven Ausblick auf seinen neuen Phantom gibt und auch Bugatti, Bentley, Lamborghini, McLaren, Koenigsegg, Mercedes oder BMW autoaffine Kunden im Umfeld von Pebble Beach mit spielender Lässigkeit beeindrucken wollen.

Ganz anders geht es zeitgleich beim Concours d‘ Lemons zu, wo von ihren leidensfähigen Besitzern Jahr für Jahr als Gegenveranstaltung zum Concours d’Elegance die größten Schrottkisten in Szene gesetzt werden. Hier schweißen Kleinwagenfans zwei Honda Civic aneinander, strahlen hässliche AMC Gremlins mit Pacern um die Wette während verkleidete Piraten ihre alten VW Busse entern. Da passt es umso besser, dass VW-Markenvorstand Herbert Diess nur ein paar Meilen weiter die Neuauflage eines VW Bus mit 374 PS starkem Elektroantrieb verkündet. Der Serienstart des VW I.D. Buzz dauert allerdings noch bis 2022.

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