Hier baut Hyundai seine Wasserstoffautos
Umgerechnet mehr als eine halbe Milliarde Euro investiert Hyundai in den Ausbau der Brennstoffzellenproduktion. Dahinter steckt vor allem eine vernetzte Anwendungsstrategie.
Das Werk, in dem Hyundai Wasserstoffautos baut.
Hyundai
Die Brennstoffzellentechnologie ist wie ein Stehaufmännchen
– seit Jahrzehnten. Mal wird sie gehypt, mal gerät sie fast wieder in
Vergessenheit. Das ganze mutet wie eine Wellenbewegung an, die sich alle fünf
Jahre wiederholt. Unter breiten Teilen der Bevölkerung gilt sie immer noch als
Wundertechnologie, die emissionsfreies Fahren ohne lange Ladezeiten ermöglicht.
Nur kaufen will sie hierzulande kaum jemand. Von den bislang angebotenen
Serienfahrzeugen in Deutschland von Hyundai, Honda und Toyota wurden über die
Jahrzehnte nur ein paar Handvoll verkauft. Zu teuer in der Anschaffung, zu dünn
das Tankstellennetz und zu hoch der Preis pro Kilogramm Wasserstoff – ein
Urteil, das mit zunehmendem Ausbau und Weiterentwicklung der herkömmlichen
Elektromobilität an Berechtigung gewinnt.
Genau in dieser Phase und unter dem Druck eines Trends hin
zur Elektromobilität verstärkt Hyundai nun sein Engagement bei der
Brennstoffzellentechnologie. Zugegeben, die Koreaner hielten schon bislang
eisern an der Antriebsform fest und beteiligten sich an zahlreichen
internationalen Initiativen rund um den Wasserstoffantrieb. Jetzt errichten sie
zusätzlich eine neue Produktionsanlage für Brennstoffzellen. Sie entsteht im
Giga-Werk in Ulsan und umfasst Investitionen von 930 Milliarden Koreanischen Won
– mehr als eine halbe Milliarde Euro. „Diese Anlage verkörpert das strategische
Engagement der Hyundai Motor Group für die Förderung des Übergangs zur
Wasserstoffgesellschaft“, verkündete Vizepräsident Jaehoon Chang vollmundig.
Tatsächlich entsteht die Anlage auf einem 43.000 Quadratmeter großen Gelände,
auf dem bis vor kurzem Getriebe für reine Verbrennungsmotoren hergestellt
wurden.
Bisherige Brennstoffzellen kamen von Hyundai Mobis
Bislang entstehen die für die Pkw-Sparte benötigten
Brennstoffzellen im Werk Chungju 2, das Hyundai Mobis gehört, einem
hausinternen Innovations-Dienstleister. Er zählt zu zu den zehn größten
Zulieferern der Welt. Die Produktionsanlagen für Brennstoffzellen wurden erst
2021 eröffnet. Die in Cheongna International City westlich von Seoul gelegene
Fabrik hat eine Kapazität von 100.000 Brennstoffzellen jährlich, die allerdings
nur zu einem kleineren Teil für den Einsatz in Pkw bestimmt sind. Sie entstand
als Ergänzung zum Werk Chungju 1 mit einer Kapaziät von 27.000 Brennstoffzellen
pro Jahr und sollte vor allem großen Bedarf für den chinesischen Markt decken.
Hier wurden auch die Brennstoffzellenpakete für den Hyundai Nexo der ersten
Generation produziert. Und auch der im Frühjahr 2026 in Deutschland auf den
Markt kommende neue Nexo bezieht bis auf Weiteres seine Brennstoffzellen aus
Chungju 2. Das Fahrzeug selbst wird allerdings im Werk 5 in Ulsan montiert, wo
auch schon der alte Nexo vom Band lief. Das 1991 fertiggestellte Werk 5 hat
eine Kapazität und über 260.000 Fahrzeuge jährlich. Alter und neuer Nexo sind
allerdings die einzigen Hyundai-Modelle, die hier montiert werden. Überwiegend
entstehen in der Anlage Fahrzeuge der Premiummarke Genesis, die mit
überschaubarem Erfolg Premiumhersteller wie Audi, BMW, Volvo, Mercedes oder
Cadillac angreifen soll.
Wasserstoffantrieb für diverse Verkehrsmittel
Die künftige Brennstoffzellenfertigung in Ulsan besitzt bei
Anlauf des Werks eine Kapazität von jährlich 30.000 Brennstoffzellen der
nächsten Generation, bietet aber noch das Potenzial, die Fertigungskapazitäten
weiter auszubauen. Denn bei Hyundai ist man von dem Erfolg der Brennstoffzelle überzeugt:
„Wasserstoff beschleunigt die Klimaneutralität, indem er Schwankungen
erneuerbarer Energien ausgleicht und die Energieresilienz stärkt“, betont Chang
und ergänzt: „Wasserstoff erweist sich zudem als strategischer Energieträger,
der dezentrale Erzeugungs- und Verteilungssysteme ermöglicht.“ Mindestens
genauso wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Brennstoffzellen für Pkw nur
eine von mehreren Anwendungen im Hyundai-Konzern ist. Neben schweren Lastwagen,
Baumaschinen, Gabelstablern und Bussen der Marke wird der vermeintliche Antrieb
der Zukunft mittlerweile auch in Straßenbahnen eingebaut. Die jüngst
unterzeichnete Absichtserklärung mit Škoda Transportation wird die Technologie
zudem auch in Lokomotiven bringen. Selbst für stationäre Anlagen, etwa im Hafen
von Rotterdam, ist man sich bei Hyundai nicht zu fein. Die Aktivitäten des
Konzerns rund ums Thema Wasserstoff und Brennstoffzelle sind inzwischen unter
dem Label HTWO gebündelt.
Hyundai will mit Kostenvorteilen punkten
Klar ist, dass mit jeder in Betrieb genommenen
Brennstoffzelle der Wissensvorsprung von Hyundai weiterwächst. Das zeigt sich
bereits bei den Planungen für das neue Werk. Hier entstehen künftig
Brennstoffzellen einer neuer Generation, die mehr Leistung und höhere
Lebensdauer bieten – vor allem aber kostengünstiger gefertigt werden sollen. Um
wie viel günstiger, verrät man bei Hyundai nicht. Nur dass man künftig wettbewerbsfähige Preise für
Brennstoffzellenfahrzeuge erreichen will. Doch nicht nur die Brennstoffzellen selbst werden in Zukunft
in Ulsan gefertigt, sondern auch Elektrolyseure – jene Anlagen, mit denen
Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt werden kann. Sie sind die
Voraussetzung für die Herstellung des viel gepriesenen grünen Wasserstoffs. Die
Elektrolyseure nutzen dabei eine Polymerelektrolytmembran (PEM), durch die
hochreiner Wasserstoff entsteht. Hier wird der Wissensvorsprung der Koreaner
besonders deutlich: Inzwischen stammen 90 Prozent aller Elektrolyseurkomponenten
aus dem eigenen Konzern. Und es macht deutlich, dass sich die Koreaner als
Vollsortimenter präsentieren wollen: von Anlagen zur Wasserstoffproduktion bis
hin zu Maschinen und Mobilitätslösungen mit Brennstoffzellenantrieb.