ACC stoppt Gigafactory-Pläne in Deutschland und Italien
Das von Stellantis, Mercedes-Benz und TotalEnergies getragene Batterie-Joint-Venture ACC legt die geplanten Zellfabriken in Kaiserslautern und Termoli auf Eis. Die Entscheidung verschärft die Debatte über Industriepolitik, Nachfrage und Investitionssicherheit in Europa.
So sollte das ACC-Werk in Kaiserslautern aussehen. Gebaut wurde es nie.
ACC
Die Halle ist noch nicht gebaut, die Entscheidung aber
gefallen. Automotive Cells Company (ACC) wird die geplanten
Batteriezellfabriken in Kaiserslautern und im italienischen Termoli vorerst
nicht realisieren. Das von Stellantis, Mercedes-Benz und TotalEnergies
gegründete Joint Venture reagiert damit auf eine deutlich veränderte Marktlage
für Elektrofahrzeuge in Europa. Die Nachfrage entwickle sich langsamer als
erwartet, zugleich steige der Kostendruck entlang der gesamten
Wertschöpfungskette. Investitionen in Milliardenhöhe werden damit auf
unbestimmte Zeit verschoben.
ACC hatte ursprünglich angekündigt, in Kaiserslautern eine
der zentralen europäischen Gigafactories für Batteriezellen aufzubauen. Der
Standort sollte mehrere tausend Arbeitsplätze schaffen und Teil eines
europäischen Gegengewichts zur asiatischen Zellproduktion werden. Ähnlich
ambitioniert waren die Pläne für Termoli, wo eine bestehende Motorenfabrik
schrittweise in eine Batteriezellfertigung überführt werden sollte. Beide
Projekte galten als industriepolitische Leuchttürme, eng verzahnt mit
nationalen Förderzusagen und europäischen Klimazielen.
Marktbedingungen zwingen ACC ins Aus
Nun folgt die Rolle rückwärts. ACC erklärte, man müsse
Investitionsentscheidungen an die tatsächliche Marktentwicklung anpassen.
Insbesondere die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Europa bleibe hinter den
Prognosen zurück, während sich Kosten für Energie, Rohstoffe und Bauprojekte
erhöht hätten. Gleichzeitig verschieben sich technologische Prioritäten. ACC
prüft, stärker auf kostengünstigere Zellchemien wie LFP zu setzen, was
bestehende Planungen zusätzlich infrage stellt.
In Kaiserslautern löste die Absage deutliche Reaktionen aus.
Landes- und Kommunalpolitik warnten vor einem Vertrauensverlust für den
Industriestandort. Das Projekt war als Strukturanker für die Westpfalz gedacht,
auch vor dem Hintergrund des tiefgreifenden Wandels bei Antrieben und
Zulieferstrukturen. Entsprechend groß ist die Sorge, dass mit der Entscheidung
nicht nur ein einzelnes Werk, sondern ein ganzes industriepolitisches Narrativ
ins Wanken gerät.
Auch in Italien ist die Enttäuschung groß. Die Umrüstung des
Standorts Termoli galt als Schlüsselprojekt für die Transformation von
Stellantis-Werken mit klassischem Verbrenner-Fokus. Die Verschiebung wirft
Fragen nach der Zukunftsperspektive des Werks auf und verstärkt den Druck auf
nationale Regierungen, ihre Förder- und Standortstrategien zu überprüfen.
Rückschlag für Europas Batterie-Ambitionen
Die Entscheidung macht sichtbar, wie fragil die europäische
Batteriezellstrategie derzeit ist. Während politische Zielbilder auf einen
schnellen Hochlauf der Elektromobilität setzen, reagieren Unternehmen zunehmend
vorsichtiger. Investitionen werden gestreckt, priorisiert oder eingefroren. Für
die Automobilindustrie bedeutet das zusätzliche Unsicherheit bei der
Lokalisierung zentraler Wertschöpfungsstufen. Für die Politik stellt sich
erneut die Frage, wie belastbar industriepolitische Zusagen sind, wenn Markt,
Technologie und Kostenstrukturen gleichzeitig in Bewegung geraten.
ACC betont, die Projekte seien nicht endgültig gestrichen,
sondern lediglich ausgesetzt. Ein klarer Zeitplan für eine Wiederaufnahme fehlt
jedoch. Damit bleibt offen, ob und wann Kaiserslautern und Termoli tatsächlich
zu Pfeilern der europäischen Batteriezellproduktion werden oder ob sich die
Dynamik weiter in Richtung Asien und Nordamerika verschiebt.