Wörth, Gaggenau, Mannheim

Daimler Truck stellt Führung in drei deutschen Werken neu auf

Führungswechsel in drei der strategisch bedeutendsten deutschen Werke von Mercedes Benz Trucks signalisieren eine gezielte Neujustierung der Produktionshierarchie, während der Hochlauf der Elektrifizierung an Fahrt gewinnt.

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v.l.: Thomas Twork, Jürgen Betz und Gerald Tropper sind die neuen Werksspitzen in Wörth, Gaggenau und Mannheim.

Industrieunternehmen rotieren ihre Führungskräfte nach einer eigenen Logik, selten sind solche Schritte rein administrativer Natur. Als Daimler Truck jüngst bekanntgab, die Werksspitzen in Wörth am Rhein, Gaggenau und Mannheim zeitgleich neu aufzustellen, traf dies drei Standorte, die gemeinsam das Rückgrat der europäischen Produktions- und Antriebsstrangstrategie des Truck- und Bus-Herstellers bilden.

Wachablösung in Wörth

Die größte Veränderung betrifft das Mercedes‑Benz‑Werk in Wörth am Rhein, das größte Lkw‑Montagewerk im Netzwerk von Mercedes‑Benz Trucks. Mit rund 10.000 Beschäftigten und etwa 4,4 Millionen seit der Gründung 1963 produzierten Lkw steht Wörth im Zentrum des Produktionsnetzwerks. Hier laufen Actros, Arocs und Atego vom Band – und seit jüngerer Zeit auch die batterieelektrischen eActros 300/400 sowie der eActros 600 für den Fernverkehr, letzterer seit Ende 2024 in der Serie.

Zum 1. April 2026 übernimmt Thomas Twork die Leitung des Werks und die Funktion als Leiter Produktion Mercedes‑Benz Trucks. Er folgt auf Andreas Bachhofer, der in eine neue, bereichsübergreifende Führungsrolle wechselt, deren genaue Ausgestaltung noch nicht öffentlich ist

Jürgen Distl, Leiter Operations Mercedes‑Benz Trucks, ordnete den Wechsel in sorgfältig gewählten Worten ein: „Ich danke Andreas Bachhofer aufrichtig für sein herausragendes Engagement und seine erfolgreiche Arbeit als Leiter Produktion Mercedes‑Benz Trucks und Leiter des Standorts Wörth. Er hat die Produktionsorganisation in Europa strategisch weiterentwickelt, die Effizienz mit grundlegend neuen Ansätzen gesteigert und den Standort Wörth mit großem Einsatz geprägt.“

Über den Nachfolger äußerte sich Distl ebenso deutlich: „Ich freue mich gleichermaßen, dass wir mit Thomas Twork einen sehr erfahrenen Experten für Produktion und Operations als Nachfolger gewinnen konnten. Seine langjährige Führungserfahrung im Antriebsstrang‑Produktionsnetzwerk und seine derzeitige Verantwortung für unseren Standort Gaggenau sind eine hervorragende Basis, um Wörth und die Mercedes‑Benz‑Produktionswerke in Europa erfolgreich weiterzuentwickeln.“

Nach zwölf Jahren bei der Bundeswehr und einem Studium der Luft‑ und Raumfahrttechnik stieg Twork 2003 bei der Daimler AG ein, vertiefte seine Expertise in der Achskomponentenfertigung, in der Leichtmetallgießerei und in der Produktionsplanung in Hamburg, bevor er 2015 nach Mannheim und 2019 nach Gaggenau wechselte, wo er seither die strategische Neuausrichtung des Standorts verantwortet.

In Gaggenau fällt ein weiterer Dominio-Stein

Mit Tworks Wechsel fällt in Gaggenau ein weiterer Dominostein. Das Werk ist kein gewöhnlicher Standort. 1894 als „Bergmann’s Industriewerke“ gegründet, gilt es als ältestes Automobilwerk der Welt – eine Auszeichnung, die dem Standort in der Branche beinahe archäologische Bedeutung verleiht. Heute fertigt Gaggenau Getriebe, Planeten‑ und Portalachsen sowie Pkw‑Komponenten wie Drehmomentwandler und entwickelt sich zugleich zu einem Kompetenzzentrum für Komponenten elektrischer Antriebe und die Montage von Wasserstoff‑Brennstoffzellen. Mit rund 4.600 Beschäftigten ist es zudem der größte Arbeitgeber der Stadt Gaggenau.

Zum 1. April 2026 übernimmt Jürgen Betz, aktuell Leiter Manufacturing Engineering Global Powersystems, die Werkleitung. Yaris Pürsün, Leiter Global Powersystems Operation bei Daimler Truck, würdigte die Amtszeit von Twork und skizzierte zugleich Betz’ Beitrag: Während seiner Zeit als Werkleiter habe Twork den Standort strategisch und wirtschaftlich als Herz des globalen Getriebenetzwerks weiterentwickelt und ihn als Kompetenzzentrum für Komponenten elektrischer Antriebe und die Montage von Wasserstoff‑Brennstoffzellen positioniert.

„Zugleich freue ich mich, mit Jürgen Betz einen starken Teamplayer mit tiefem strategischem Verständnis und umfassender Erfahrung im globalen Produktionsnetzwerk für Antriebskomponenten als Leiter des Standorts Gaggenau zu begrüßen,“ so Pürsün. Betz’ Hintergrund ist bemerkenswert strategisch geprägt und nicht rein operativ. Nach einem BWL‑Studium in Mannheim begann er 1997 bei McKinsey & Company, wechselte 2007 in den Einkauf der Daimler AG, 2012 ins Cost Engineering und verantwortete ab 2016 die Produktions- und Netzwerkplanung im globalen Powertrain‑Verbund – mit besonderem Fokus auf den elektrischen Antriebsstrang. Sein Profil legt nahe, dass Gaggenau auf weiteren strukturellen Umbau vorbereitet wird, nicht auf bloßes Weiterverwalten.

Ein Revisor betritt den Shopfloor in Mannheim

Die wohl markanteste Ernennung ist die in Mannheim. Das 1908 im Stadtteil Waldhof gegründete Werk beschäftigt mehr als 4.600 Menschen. Es produziert Motoren und zugehörige Komponenten für Nutzfahrzeuge, betreibt eine der führenden Eisengießereien für Fahrzeugkomponenten weltweit und beherbergt ein Battery Technology Center mit eigener Pilotlinie für die Prototypenfertigung von Batteriezellen – damit steht Mannheim genau an der Schnittstelle zwischen der Verbrenner‑Tradition und der elektrifizierten Zukunft von Daimler Truck.

Der bisherige Leiter, Andreas Moch, scheidet auf eigenen Wunsch nach mehr als 33 Jahren im Unternehmen aus, davon 13 Jahre an der Spitze des Standorts. In seiner Amtszeit entwickelte er das Werk zu einem vom Unternehmen so bezeichneten Hochleistungs‑Kompetenzzentrum für Batterie- und Hochvoltsysteme. Er verlässt das Unternehmen Ende Juli 2026. Sein Nachfolger wird zum 1. Juli 2026 Gerald Tropper, derzeit Leiter Corporate Audit bei Daimler Truck.

Yaris Pürsün betonte das besondere Profil Troppers: „Mit seiner strategischen Expertise und internationalen Erfahrung wird er den Standort erfolgreich führen und konsequent weiterentwickeln.“ Toppers Weg in die Werkleitung ist im besten Sinne unkonventionell. 1993 startete er als Kfz‑Mechaniker‑Azubi in einer Mercedes‑Benz‑Niederlassung in München, absolvierte ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens und kehrte 2003 zu Daimler zurück – mit Stationen im Aftersales, im Personalbereich und in der Konzernrevision. 2014 ging er nach Peking, leitete dort die Corporate Audit Greater China, wechselte anschließend in Finanz- und Controllingfunktionen und wurde schließlich Co‑CFO des Joint Ventures Beijing Foton Daimler Automotive (BFDA). Seit 2023 führt er die Konzernrevision von Daimler Truck.

Seine Berufung signalisiert auf Konzernebene die Überzeugung, dass Mannheim heute weniger eine rein fertigungstechnische Perspektive braucht als vielmehr eine stringente, funktionsübergreifende Steuerung.

Der tiefere Sinn der Neuaufstellung

Über alle drei Werke hinweg zeigt sich ein roter Faden. Jeder Standort befindet sich an einem strategischen Wendepunkt: Wörth skaliert die Fertigung elektrischer Lkw, Gaggenau positioniert sich als Drehscheibe für E‑Powertrains und Brennstoffzellenmontage, Mannheim vertieft die Kompetenz bei Hochvoltsystemen parallel zur klassischen Motorenfertigung. Die Personalentscheidungen spiegeln dies wider.

Twork in Wörth bringt Antriebsstrang‑Tiefe und einen soliden Digitalisierungsexpertise, Betz in Gaggenau strategische Netzwerkplanung mit E‑Powertrain‑Schwerpunkt, Tropper in Mannheim finanzielle und auditgetriebene Strenge – Qualitäten, die in der elektrischen Transformation mit ihren Kosten- und Allokationsentscheidungen mindestens so wertvoll sein dürften wie klassische Produktionsingenieurskunst.