Ein Großteil der produzierten Pkw in Ostdeutschlands sind Elektroautos – deutlich mehr als im Westen. Das liegt vor allem an der Präsenz zweier Autobauer. Doch die Branche steht unter Druck, die Zukunft der Ost-Standorte ist alles andere als sicher.
dpa dpa
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Im vergangenen Jahr feierte Volkswagen in Zwickau eine Million vom Band gelaufene Elektroautos.Volkswagen / Gregor Lorenz
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Insgesamt 60 Prozent aller in Ostdeutschland produzierten
Pkw waren im vergangenen Jahr Elektroautos. Das geht aus Berechnungen der
Leipziger Initiative Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) auf Basis von
Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervor. Die Auswertung liegt
der Deutschen Presse-Agentur vor.
Mehr Autos werden in Westdeutschland produziert
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Zum Vergleich: In Westdeutschland machen Elektro-Pkw 35,1 Prozent der
Produktion aus, in Deutschland insgesamt sind es 40,2 Prozent. In absoluten
Zahlen werden im Westen aber mehr Elektroautos produziert, ebenso wie mehr
Wagen insgesamt. Schwerpunkte sind Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg.
Der hohe E-Auto-Anteil in den ostdeutschen Werken ist vor allem den reinen
E-Auto-Standorten von Tesla und VW zu verdanken. Die Wolfsburger hatten ihr
Werk in Zwickau bis 2020 zum ersten reinen E-Auto-Werk umgebaut, wo auch
Modelle von Audi und Cupra gebaut werden.
Teslas Werk in Grünheide trägt wesentlich zur hohen E-Auto-Quote in der Pkw-Produktion im Osten der Republik bei.Tesla
In Brandenburg werden nur E-Autos gebaut
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2022 eröffnete dann der US-E-Auto-Pionier Tesla in Grünheide von Berlin sein
einziges Werk in Europa. Autowerke gab es in dem Bundesland bisher nicht.
Brandenburg war damit das erste Bundesland, in dem ausschließlich E-Autos
gebaut werden. Die größere Stückzahl entfällt im Osten aber auf Sachsen. Neben VW Zwickau
kommen dort die Werke von BMW und Porsche in Leipzig hinzu, wo neben
Verbrennern auch E-Autos gebaut werden. BMW Leipzig war 2013 mit dem Start des
damaligen BMW i3 sogar das erste deutsche Werk, in dem E-Autos gebaut wurden.
Die Nachfrage nach dem kleinen Ur-Stromer blieb aber übersichtlich.
Wirtschaftsfaktor Autoindustrie
Der Geschäftsführer des ADOC, Jens Katzek, sagte der dpa: „Deutlich über
200.000 Menschen arbeiten in der Automobilindustrie und den Zulieferern in
Ostdeutschland. Damit hängen mehr Industriearbeitsplätze im Osten der Republik
am Thema Automobil als in Westdeutschland.“ Damit sei Ostdeutschland Vorreiter.
Allerdings sei dort auch der Druck besonders hoch, dass die Umstellung auf
Elektromobilität funktioniere.
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Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), betonte, jeder
vierte Industriearbeitsplatz in Ostdeutschland hänge am Automobilsektor, der
unter großem Druck stehe durch internationalen Wettbewerb, Zölle und die
Umstellung auf klimafreundliche Antriebe.
Regierungsvertreter: Standorte im Osten sichern
Kaiser hat an diesem Mittwoch zu einem „Branchendialog Automobil“ geladen, wo
sie mit Unternehmen, Betriebsräten, dem VDA, der IG Metall, der Länder und der
Bundesregierung über eine Stärkung der ostdeutschen Produktionsstandorte reden
möchte.
Die Bundesregierung habe schon einiges für die Stützung der Autoindustrie
getan, erklärte Kaiser. „Dabei brauchen wir jetzt auch ein klares Signal der
Unternehmenszentralen, dass im Gegenzug Arbeitsplätze am ostdeutschen Standort
gesichert werden.“ Umweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte: „Jetzt kommt
es darauf an, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass insbesondere auch die
Vorreiterstandorte wie Zwickau dauerhaft abgesichert sind.“
Die Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, verlangte: „Es braucht jetzt
Investitionen und klare, verbindliche Standortzusagen in Ostdeutschland. Die
ständig über der Belegschaft schwebende schwarze Wolke namens Verlagerung muss
weg!“ Sie sprach sich für sogenannte Local-Content-Verpflichtungen für
ausländische Hersteller aus, nach dem Prinzip „Wer hier verkaufen will, muss
auch einen wesentlichen Teil hier fertigen“. Der Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie, Andreas Rade, warnte
vor Verlagerungen von Investitionen ins Ausland. „Wir haben in Deutschland ein
massives Standortproblem. Die Politik muss daher nun alles tun, was Wachstum
schafft.“