Renault kämpft in diesem mit wachsender Konkurrenz und sinkenden Margen. CEO Provost setzt weiterhin auf harte Sparmaßnahmen – doch die Bilanz bleibt unter anderem wegen des Nissan-Umbaus rot.
dpa dpa
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Wie viele andere Autobauer steht auch Renault unter massivem Kostendruck. Erschwerend hinzu kommt bei den Franzosen die Nissan-Altlast.Groupe Renault / Raquel Kriger
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Zunehmende Konkurrenz in Europa, die Expansion etwa nach
Lateinamerika und Asien sowie der Anlauf neuer Elektromodelle dürften 2026 auf
die Profitabilität von Renault drücken. Gegensteuern will
Unternehmenslenker Francois Provost mit weiteren Kostensenkungen. 2025
bescherte die bilanzielle Neuordnung der Nissan-Beteiligung dem Konzern derweil
rote Zahlen. An der Pariser Börse verlor die Aktie am Donnerstagvormittag gut
drei Prozent, nachdem sie noch mit einem Kursplus gestartet war.
Gewinnmargen gehen zurück
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Die Jahreszahlen des Autobauers hätten bei den wichtigsten Kennzahlen den
Markterwartungen entsprochen, wobei der Bereich Finanzen das Kerngeschäft
Automobile etwas kompensiert habe, schrieb Jefferies-Analyst Philippe Houchois.
Der Ausblick auf 2026 liegt laut Bernstein-Experte Stephen Reitman zwar etwas
unter dem Konsens, doch bewegten sich die Ziele im Rahmen derer der Konkurrenz.
Renault rechnet 2026 mit einem Rückgang der operativen Marge auf 5,5
Prozent, nach 6,3 Prozent im vergangenen Jahr, wie der Konzern in Paris
mitteilte. Mittelfristig sollen sich die Margen in einem Korridor von fünf bis
sieben Prozent bewegen. Damit liegt Renault den Angaben zufolge über
dem eigenen historischen Durchschnitt.
Zugleich soll der Barmittelzufluss in der Autosparte - eine von Analysten stark
beachtete Kennziffer - mittelfristig im Schnitt bei mindestens 1,5 Milliarden
Euro jährlich herauskommen. Exakt dieses Niveau hatte der Konzern im
vergangenen Jahr erreicht, wegen der Belastungen wird in diesem Jahr aber mit einem
Rückgang auf eine Milliarde Euro gerechnet.
Vor diesem Hintergrund haben Kostensenkungen weiterhin für den Konzern oberste
Priorität, wie Renault erklärte. So sollen die variablen Kosten je
Fahrzeug im Schnitt pro Jahr um rund 400 Euro sinken. Gelingen solle dies unter
anderem durch technologische Verbesserungen und eine engere Zusammenarbeit mit
Zulieferern. Im vergangenen Jahr haben trotz Einsparungen hohe Kosten auf die
Marge in der Autosparte gedrückt.
Renault-Chef Provost, der im vergangenen Juli das Ruder übernommen hatte, hat
inzwischen mehrere strategische Entscheidungen seines Vorgängers Luca de Meo
revidiert. So wurde die Elektro- und Softwareeinheit Ampere wieder in den
Konzern integriert, einzelne Mobilitätsgeschäfte eingestellt und beim
Sportwagenlabel Alpine die Kosten gesenkt. Der Manager will das Unternehmen
angesichts wachsender Konkurrenz durch chinesische Hersteller dadurch schlanker
und wettbewerbsfähiger machen. Die neue Strategie wird dann am 10. März im
Rahmen eines Kapitalmarkttags detaillierter vorgestellt.
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E-Mobilität bleibt im Fokus
Renaults neuer CEO Francois Provost weicht nicht von seinem Spar-Diktat ab.Groupe Renault
Aktuell setzen die Franzosen auf eine zunehmende Elektrifizierung ihrer Flotte.
Im vergangenen Jahr verkaufte der Hersteller weltweit gut 2,3 Millionen
Fahrzeuge, das war ein Plus von 3,2 Prozent in einem Markt, der den Angaben
zufolge lediglich um 1,6 Prozent wuchs. Positiv entwickelte sich die
Sportwagentochter Alpine, die ihre Neuzulassungen im vergangenen Jahr mit
erstmals mehr als 10.000 Fahrzeugen mehr als verdoppeln konnte. Und auch der
Anteil der verkauften Elektroautos zog im Konzern stark an.
Konzernweit kletterte der Umsatz 2025 um drei Prozent auf 57,9 Milliarden Euro.
Unter dem Strich verzeichnete Renault jedoch einen Verlust von 10,9
Milliarden Euro. Ausschlaggebend hierfür waren die milliardenschweren nicht
zahlungswirksamen Belastungen im Zusammenhang mit der bereits im vergangenen
Sommer geänderten bilanziellen Behandlung des Nissan-Anteils. Hinzu kamen
Restrukturierungskosten und Wertminderungen auf Fahrzeugentwicklungen und
bestimmte Produktionsanlagen. Den Aktionären will Renault dennoch
eine stabile Dividende von 2,20 Euro zahlen.
Ende Januar hatte Renault zudem seinen Einstieg in die
Drohnenfertigung verkündet. Damit kam der Konzern einer Bitte der für die
Beschaffung von Verteidigungsgütern zuständigen französischen Behörden nach.
Früheren Angaben zufolge wird der Autobauer dazu mit dem Unternehmen Turgis
Gaillard zusammenarbeiten, das bereits eine Drohne für das Militär konzipiert
hat.