Alain Simon, Xpeng

„Es ist großartig, sofort zu wissen, ob es funktioniert“

Xpengs Designmanager Alain Simon spricht im Interview über den Einfluss eines Hightech-orientierten Produktdesigns und darüber, warum eine enge Beziehung zu den Fachleuten in der Produktion hilft, realisierbare Ideen in die Produktion zu bringen.

3 min
Xpengs Design-Experte Alain Simon: „Ich mache gern Dinge, die eine reale Chance haben zu existieren, statt nur zufällige Designs zu entwerfen“

Von seinem keineswegs unbedeutenden Stand auf dem Brüsseler Autosalon Anfang des Jahres aus präsentierte Xpeng den neuen P7+ erstmals öffentlich, nachdem die Hüllen zuvor bereits virtuell gefallen waren. Schlank gezeichnet, klar von einer technologiegetriebenen Strategie geprägt und offenbar in der Lage, 33 Koffer in Originalgröße zu verstauen, ist er der jüngste Vorstoß zur Erweiterung der Europa-Palette, zu der auch der G6 gehört, den wir im vergangenen Jahr getestet haben.

Interessant dabei ist es, zu erfahren, wie ein vergleichsweise neuer Akteur – und einer, der Agilität betont – mit jenen zusammenarbeitet, die das Fahrzeug letztlich montieren. Denn ein bahnbrechendes Design ist wenig wert, wenn es sich nicht von der Graphitskizze auf Papier zu Reifen auf Asphalt transformieren lässt. Das AP-Schwestermagazin Car Design News hatte die Gelegenheit, auf dem Brüsseler Autosalon mit Designmanager Alain Simon genau über diese Herausforderung des „Design for Manufacturing“ zu sprechen.

Wir hören häufig von Reibungen zwischen Design- und Fertigungsabteilungen. Wie erleben Sie das bei Xpeng?

Alain Simon: Natürlich gibt es viel Hin und Her, aber das Großartige an Xpeng ist, dass es einen echten Antrieb gibt, dass jeder die bestmögliche Arbeit leisten will. Wir treiben die Kernwerte des Unternehmens wirklich voran – und das ist Innovation. Designer wollen immer ein bisschen verrückt spielen, aber wir haben Ingenieure, die sagen: Lasst es uns machen.

Also haben Sie das Gefühl, dass man Sie eher befähigt als bremst?

Genau. Dieses Gefühl gibt es definitiv. Sie haben keine Angst, Risiken einzugehen und Dinge auszuprobieren. Das ist heute etwas wirklich Einzigartiges bei Xpeng. Und es macht eine Menge Spaß.

Ab welchem Punkt im Prozess kommen die Fertigungsteams in die Gespräche?

Sehr früh.

Simon und Xpeng-Vertreter bei der Präsentation des neuen P7+ im Januar in Brüssel.

…aber Sie zeigen ihnen vermutlich nicht sofort die wichtigsten Skizzen, sobald sie fertig sind?

Doch, tatsächlich arbeiten wir sehr früh mit ihnen zusammen. Wir binden sie heute direkt in den Designprozess ein, weil wir die Entwicklungszeit für ein Fahrzeugdesign immer weiter verkürzen müssen. Was wäre besser, als die Ingenieure nahezu sofort einzubeziehen, damit sie uns parallel helfen können sicherzustellen, dass das, was wir entwickeln, im Bereich des Machbaren liegt. Es ist nicht sofort ein „Ja“ oder „Nein“, sondern eher eine Diskussion. So kommen wir nicht mit einem komplett fertigen Design zu ihnen, klopfen an die Tür und sie fragen sich, was das sein soll. Stattdessen sind sie sehr früh eingebunden, sodass wir im Designprozess im Grunde Hand in Hand arbeiten.

Gibt es konkrete Beispiele oder Fahrzeugbereiche, in denen Sie besonders eng mit der Fertigung zusammenarbeiten? Vielleicht bei den Crashzonen im Frontbereich?

Mir fällt kein spezielles Beispiel ein, es geht wirklich um alles. Alles, was gefertigt wird, also 100 Prozent des Fahrzeugs, unterliegt dieser Abstimmung. Es gibt immer jemanden, der uns sagen kann, ob etwas machbar ist oder nicht. Wir haben auch Studio-Ingenieure – eine ganze Reihe sogar –, die Experten in all diesen Bereichen sind und uns sofort sagen können, ob das, was wir tun, mehr oder weniger möglich ist. Und wenn es später in der Fertigung ins Detail geht, arbeiten wir sehr eng zusammen und bringen die Dinge in die Realität. Aber es gibt keinen einzelnen Bereich, in dem sie stärker involviert wären. Es betrifft alles.

War das in den Unternehmen, für die Sie zuvor gearbeitet haben, auch so?

Nein, in dieser Hinsicht ist Xpeng wirklich einzigartig. Es ist ehrlich gesagt ein Vergnügen. Für mich macht es mehr Spaß. Ich mache gern Dinge, die eine reale Chance haben zu existieren, statt nur zufällige Designs zu entwerfen. Wir wissen, dass wir keine Künstler sind, wir entwickeln Produkte. Deshalb ist es großartig, sofort zu wissen, ob etwas funktionieren wird. Ich kann mir jemanden schnappen, mit ihm sprechen und gemeinsam skizzieren und buchstäblich im selben Moment fragen: Kann ich das machen? Kann ich jenes machen? Und so kommen wir sehr schnell zu einem großartigen Design.

Xpeng versteht sich ja selber eher als Technologie- und Produktdesign-Unternehmen. Das Heck des P7+ wurde hier in Brüssel sogar mit der Kante eines iPhones verglichen. Fühlt es sich bei Ihnen eher wie Produktdesign als wie klassisches Automobildesign an?

Nun, wir arbeiten aktuell intensiv an unserer Design-DNA, versuchen sie weiterzuentwickeln und zu stärken. Aber wir wollen dieses Hightech-Feld definitiv vorantreiben. Wir versuchen, diese Emotion in eine breite Palette von Designmerkmalen zu übersetzen. Zum Thema iPhone: Was ist heute in Bezug auf visuelles Design und Produktgestaltung denn bitte noch mehr Hightech als ein iPhone? In diesem Sinne gibt es definitiv Elemente aus diesem Bereich, die wir ins Design einfließen lassen wollen.

Obwohl Sie in China ansässig sind, wirkt das Designteam sehr europäisch geprägt?

Ja, sehr europäisch. Aber zugleich auch sehr international. Das Team besteht aus Mitgliedern aus der ganzen Welt – aus Südamerika, Europa, ganz Asien. Für mich ist dieses Zusammenkommen unterschiedlicher Kulturen wirklich spannend. Es ist immer sehr aufregend. Und genau das liebe ich am Automobildesign.

iPhone oder Auto-Heck? Moderne Fahrzeugdesigns ähneln eher Produkten aus der Consumer-Welt.