„Es ist großartig, sofort zu wissen, ob es funktioniert“
Xpengs Designmanager Alain Simon spricht im Interview über den Einfluss eines Hightech-orientierten Produktdesigns und darüber, warum eine enge Beziehung zu den Fachleuten in der Produktion hilft, realisierbare Ideen in die Produktion zu bringen.
Xpengs Design-Experte Alain Simon: „Ich mache gern Dinge, die eine reale Chance haben zu existieren, statt nur zufällige Designs zu entwerfen“Xpeng
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Von seinem
keineswegs unbedeutenden Stand auf dem Brüsseler Autosalon Anfang des Jahres
aus präsentierte Xpeng den neuen P7+ erstmals öffentlich, nachdem die Hüllen
zuvor bereits virtuell gefallen waren. Schlank gezeichnet, klar von einer
technologiegetriebenen Strategie geprägt und offenbar in der Lage, 33 Koffer in
Originalgröße zu verstauen, ist er der jüngste Vorstoß zur Erweiterung der
Europa-Palette, zu der auch der G6 gehört, den wir im vergangenen Jahr getestet
haben.
Interessant dabei
ist es, zu erfahren, wie ein vergleichsweise neuer Akteur – und einer, der
Agilität betont – mit jenen zusammenarbeitet, die das Fahrzeug letztlich
montieren. Denn ein bahnbrechendes Design ist wenig wert, wenn es sich nicht
von der Graphitskizze auf Papier zu Reifen auf Asphalt transformieren lässt.
Das AP-Schwestermagazin Car Design News hatte die Gelegenheit, auf dem Brüsseler
Autosalon mit Designmanager Alain Simon genau über diese Herausforderung des „Design
for Manufacturing“ zu sprechen.
Wir hören
häufig von Reibungen zwischen Design- und Fertigungsabteilungen. Wie erleben
Sie das bei Xpeng?
Alain Simon:
Natürlich gibt es viel Hin und Her, aber das Großartige an Xpeng ist, dass es
einen echten Antrieb gibt, dass jeder die bestmögliche Arbeit leisten will. Wir
treiben die Kernwerte des Unternehmens wirklich voran – und das ist Innovation.
Designer wollen immer ein bisschen verrückt spielen, aber wir haben Ingenieure,
die sagen: Lasst es uns machen.
Also haben Sie
das Gefühl, dass man Sie eher befähigt als bremst?
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Genau. Dieses
Gefühl gibt es definitiv. Sie haben keine Angst, Risiken einzugehen und Dinge
auszuprobieren. Das ist heute etwas wirklich Einzigartiges bei Xpeng. Und es
macht eine Menge Spaß.
Ab welchem
Punkt im Prozess kommen die Fertigungsteams in die Gespräche?
Sehr früh.
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Simon und Xpeng-Vertreter bei der Präsentation des neuen P7+ im Januar in Brüssel.Xpeng
…aber Sie
zeigen ihnen vermutlich nicht sofort die wichtigsten Skizzen, sobald sie fertig
sind?
Doch, tatsächlich
arbeiten wir sehr früh mit ihnen zusammen. Wir binden sie heute direkt in den
Designprozess ein, weil wir die Entwicklungszeit für ein Fahrzeugdesign immer
weiter verkürzen müssen. Was wäre besser, als die Ingenieure nahezu sofort
einzubeziehen, damit sie uns parallel helfen können sicherzustellen, dass das,
was wir entwickeln, im Bereich des Machbaren liegt. Es ist nicht sofort ein
„Ja“ oder „Nein“, sondern eher eine Diskussion. So kommen wir nicht mit einem
komplett fertigen Design zu ihnen, klopfen an die Tür und sie fragen sich, was
das sein soll. Stattdessen sind sie sehr früh eingebunden, sodass wir im
Designprozess im Grunde Hand in Hand arbeiten.
Gibt es
konkrete Beispiele oder Fahrzeugbereiche, in denen Sie besonders eng mit der
Fertigung zusammenarbeiten? Vielleicht bei den Crashzonen im Frontbereich?
Mir fällt kein
spezielles Beispiel ein, es geht wirklich um alles. Alles, was gefertigt wird,
also 100 Prozent des Fahrzeugs, unterliegt dieser Abstimmung. Es gibt immer
jemanden, der uns sagen kann, ob etwas machbar ist oder nicht. Wir haben auch
Studio-Ingenieure – eine ganze Reihe sogar –, die Experten in all diesen
Bereichen sind und uns sofort sagen können, ob das, was wir tun, mehr oder
weniger möglich ist. Und wenn es später in der Fertigung ins Detail geht,
arbeiten wir sehr eng zusammen und bringen die Dinge in die Realität. Aber es
gibt keinen einzelnen Bereich, in dem sie stärker involviert wären. Es betrifft
alles.
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War das in den
Unternehmen, für die Sie zuvor gearbeitet haben, auch so?
Nein, in dieser
Hinsicht ist Xpeng wirklich einzigartig. Es ist ehrlich gesagt ein Vergnügen.
Für mich macht es mehr Spaß. Ich mache gern Dinge, die eine reale Chance haben
zu existieren, statt nur zufällige Designs zu entwerfen. Wir wissen, dass wir
keine Künstler sind, wir entwickeln Produkte. Deshalb ist es großartig, sofort
zu wissen, ob etwas funktionieren wird. Ich kann mir jemanden schnappen, mit
ihm sprechen und gemeinsam skizzieren und buchstäblich im selben Moment fragen: Kann
ich das machen? Kann ich jenes machen? Und so kommen wir sehr schnell zu einem
großartigen Design.
Xpeng versteht
sich ja selber eher als Technologie- und Produktdesign-Unternehmen. Das Heck
des P7+ wurde hier in Brüssel sogar mit der Kante eines iPhones verglichen. Fühlt es sich bei Ihnen eher wie Produktdesign als wie klassisches
Automobildesign an?
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Nun, wir arbeiten
aktuell intensiv an unserer Design-DNA, versuchen sie weiterzuentwickeln und zu
stärken. Aber wir wollen dieses Hightech-Feld definitiv vorantreiben. Wir
versuchen, diese Emotion in eine breite Palette von Designmerkmalen zu
übersetzen. Zum Thema iPhone: Was ist heute in Bezug auf visuelles Design und Produktgestaltung denn bitte noch mehr Hightech als ein iPhone? In diesem Sinne gibt es definitiv Elemente aus diesem
Bereich, die wir ins Design einfließen lassen wollen.
Obwohl Sie in
China ansässig sind, wirkt das Designteam sehr europäisch geprägt?
Ja, sehr
europäisch. Aber zugleich auch sehr international. Das Team besteht aus
Mitgliedern aus der ganzen Welt – aus Südamerika, Europa, ganz Asien. Für mich
ist dieses Zusammenkommen unterschiedlicher Kulturen wirklich spannend. Es ist
immer sehr aufregend. Und genau das liebe ich am Automobildesign.
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iPhone oder Auto-Heck? Moderne Fahrzeugdesigns ähneln eher Produkten aus der Consumer-Welt.Xpeng