Massiver Gewinneinbruch beim Zulieferer
Das sind die größten Baustellen bei Bosch
Bosch verdient so wenig wie seit Jahren nicht. Insbesondere die horrenden Kosten für die Stellenabbau-Pläne belasten den Gewinn. Der Druck bei den Schwaben ist hoch. Was dahintersteckt.
Bosch-Boss Stefan Hartung blickt auf ein "schmerzahftes Jahr" für den weltweit größten Automobilzulieferer zurück.
Bosch/MARTIN STOLLBERG
Milliardenkosten für den Abbau Tausender Stellen haben den
Gewinn von Bosch deutlich schrumpfen lassen. Nach vorläufigen Zahlen ging das
operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um gut 45 Prozent auf 1,7
Milliarden Euro zurück, wie der Technologiekonzern aus Gerlingen bei Stuttgart
mitteilte. Bereits im Vorjahr war der Wert um ein Drittel abgesackt.
Die Zahlen zeigen, unter welch hohem Druck der Konzern
steht. Der Gewinn fällt so niedrig aus wie lange nicht. Selbst im Corona-Jahr
2020 hatte Bosch noch gut zwei Milliarden Euro operativen Gewinn eingefahren.
Immerhin: Rote Zahlen schrieb demnach keiner der vier Geschäftsbereiche. Der
Umsatz stieg im Vergleich zu 2024 leicht auf 91,0 Milliarden Euro.
„Die wirtschaftliche Realität spiegelt sich auch in unseren
Ergebnissen wider. 2025 war ein schwieriges, teils auch schmerzhaftes Jahr für
Bosch“, sagte Konzernchef Stefan Hartung. Die selbstgesteckten Umsatz- und
Gewinnziele habe man nicht erreichen können. Aber woran lag das? Ein
Überblick.
Weltlage und „mangelnde Wettbewerbsfähigkeit“
Die Herausforderungen, die Bosch auf der ganz großen Bühne
beschäftigt, sind nicht neu: Die Weltkonjunktur schwächelt, die geopolitische
Lage ist nach wie vor unsicher. Hinzugekommen sind 2025 unter anderem die
US-Zölle.
Auch die Konkurrenz, gerade durch chinesische Anbieter, habe
sich erheblich verschärft, sagte Hartung. Und das nicht nur in der
Autoindustrie, die immer noch die Lieferengpässe bei Nexperia-Chips verdaut -
und ohnehin weniger produziert, also noch vor ein paar Jahren.
Nach eigenen Angaben ist Bosch in vielen Bereichen
mittlerweile nicht mehr wettbewerbsfähig. Soll heißen: Der Konzern kann im
Vergleich zur Konkurrenz nicht mithalten. Der Anspruch ist aber ein
anderer. In den wesentlichen Märkten will Bosch zu den drei führenden Anbietern
gehören. Das erfordere derzeit vor allem niedrigere Kosten und
nachfrageorientierte Kapazitäten. Hartung forderte von der Politik aber auch
Local-Content-Regeln. Dadurch könnte ein derzeit verzerrter Wettbewerb wieder
gerechter werden.
Stellenabbau kostet Milliarden
Um das Ruder herumzureißen, müssen die Schwaben deutlich
sparen. Allein im Zulieferbereich geht es um Milliarden. „Wir arbeiten hart an
unseren Sach- und Materialkosten, wir setzen KI noch intensiver ein, um unsere
Produktivität zu erhöhen, und wir wägen jede Investition noch sorgfältiger ab“,
sagte Hartung.
Um Wettbewerbsfähigkeit und Investitionskraft dauerhaft zu
sichern, müsse man die Organisation aber auch deutlich verschlanken - und dazu
Personal abbauen. Dieser Schritt sei der Geschäftsführung persönlich
schwergefallen. „Wir hoffen, dass wir das in der Größenordnung in den nächsten
Jahren nicht mehr machen müssen“, sagte Hartung.
Im September hatte der Konzern angekündigt, rund 13.000
weitere Stellen zu streichen - zusätzlich zu laufenden Programmen. An mehreren
Standorten wird darüber aktuell noch verhandelt. Klar ist aber schon: Um
langfristig beim Personal sparen zu können, muss Bosch richtig tief in die
Tasche greifen.
„Die Kosten für sozialverträgliche Lösungen belasten unser
Ergebnis erheblich“, sagte Finanzchef Markus Forschner. 2025 wurden demnach
rund 2,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt - beispielsweise für Abfindungen.
Gedrückt wurde der Gewinn unter anderem auch von den gestiegenen Zöllen.
Ende 2025 beschäftigte die Gruppe rund 412.400 Menschen auf
der ganzen Welt - 5.400 weniger als ein Jahr zuvor. Dabei zeigte sich eine
Verschiebung von Europa in andere Weltregionen. Überproportional von der
Entwicklung betroffen war Deutschland, wo knapp 30 Prozent der Beschäftigten
arbeiten. Insgesamt waren es zuletzt rund 123.100 Menschen - und damit 6.500
oder fünf Prozent weniger als zum Ende des Vorjahres.
Zukunftsprojekte: Teuer - und werfen (noch) wenig ab
Bosch investiert seit Jahren Milliarden in die Zukunft.
E-Mobilität, Software für das automatisierten Fahren, Wasserstoff, Wärmepumpen,
bestimmte Chips - in all diesen Bereichen wollen die Schwaben künftig gut
aufgestellt sein und Geld verdienen. Bisher geht die Rechnung aber nicht
auf.
Die Zukunftsfelder müsse man nach wie vor erheblich
vorfinanzieren, sagte Forschner. „Das zehrt an den Erträgen, zumal die
Durststrecke mit der verzögerten Marktdurchdringung neuer Technologien länger
ist als ursprünglich erwartet.“
Bosch hat also zahlreiche innovative Produkte im
Schaufenster stehen. Aber es greifen weniger Kunden zu, als ursprünglich
erwartet. Dazu gehören Produkte und Komponenten für E-Autos. Es gibt aber auch
andere Beispiele: Bereits länger hat der Konzern einen Brennstoffzellen-Antrieb
für Lastwagen im Angebot. Die Nachfrage ist nach der Pleite eines Hauptkunden
aber überschaubar. Bis sich das System für Bosch auszahlt, dürften Jahre
vergehen.
Wie geht es 2026 weiter?
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern keine
Entspannung. „Der Wettbewerbs- und Preisdruck dürfte nochmals zunehmen und die
gestiegenen Zölle sich erstmals im vollen Umfang auswirken“, sagte Forschner.
Er rechnet aber mit deutlichen Fortschritten bei der Umsetzung der
Sparmaßnahmen - und mit einer entsprechend besseren Ertragslage. Die für
Zukunftsinvestitionen benötigte Zielrendite von mindestens sieben Prozent werde
man allerdings frühestens 2027 erreichen können. 2025 waren es 1,9 Prozent.
Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr wird im April
erwartet. Dann präsentiert Bosch die vollständigen und geprüften Jahreszahlen -
darunter auch den Nettogewinn.