Expansion in Europa

Chery eröffnet neues Entwicklungszentrum in Paris

Chery hat in Paris ein neues R&D-Zentrum eröffnet. Der Standort soll kompakte Fahrzeuge für Europa entwickeln und zeigt, dass der Ausbau in Frankreich nur ein Teil einer größeren Strategie ist.

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Chery will in Paris vor allem urbane Fahrzeuge der Marken Omoda und Jaecoo kreieren.

Chery erweitert seine europäische Entwicklungsstruktur um einen Standort in Paris. Dort sollen künftige Generationen kompakter Fahrzeuge für den europäischen Markt entstehen. Im Fokus stehen urbane Modelle der Marken Omoda und Jaecoo, die auf Anforderungen in Europa zugeschnitten werden sollen.

Das neue Zentrum ergänzt das bestehende Engineering- und Designzentrum in Raunheim. Nach Unternehmensangaben verfügt Chery damit in Europa über Entwicklungsstandorte in Raunheim, Barcelona und Paris. Der Schritt ist damit mehr als die Eröffnung eines weiteren Büros. Er verweist auf eine breiter angelegte Struktur, die Chery in Europa aufbaut.

Welche Rolle Paris im Netzwerk übernehmen soll

Das Pariser R&D-Zentrum soll die Marktanforderungen in Europa analysieren, regulatorische Vorgaben früh in die Entwicklung einbeziehen und länderspezifische Anpassungen koordinieren. Hinzu kommt die Abstimmung mit Raunheim, um technische Vorgaben innerhalb der europäischen Modellplanung zusammenzuführen.

Gerade bei kompakten Fahrzeugen ist dieser Ansatz relevant. Das B-Segment spielt in vielen europäischen Ländern weiterhin eine wichtige Rolle, zugleich unterscheiden sich Nutzungsmuster, Zulassungsanforderungen und Ausstattungswünsche teils deutlich. Genau an dieser Stelle soll Paris ansetzen. Doch der Standort steht nicht für sich allein.

Mehr als Forschung und Entwicklung für Chery

Das neue Zentrum ist auch vor dem Hintergrund von Cherys Europa-Strategie zu sehen. Der Hersteller verfolgt seit einiger Zeit einen vorsichtigeren Markteintritt als ursprünglich angekündigt. Statt eines schnellen Ausbaus über mehrere Marken setzt Chery inzwischen stärker auf schrittweise Marktvorbereitung, lokale Strukturen und eine engere Abstimmung zwischen Entwicklung, Vertrieb und möglicher Produktion in Europa.

Dazu zählt nicht nur die Entwicklungsarbeit in Raunheim und Barcelona. Auch der Aufbau von Vertriebsstrukturen und die Prüfung lokaler Fertigungsoptionen gehören dazu. Das R&D-Zentrum in Paris fügt sich damit in ein Modell ein, bei dem Chery europäische Märkte nicht als einheitlichen Raum behandelt, sondern stärker nach Ländern und Segmenten differenziert.

Produktion rückt näher an Europa

Parallel zum Ausbau der Entwicklungsstandorte treibt Chery die Lokalisierung der Fertigung voran. In Spanien arbeitet das Unternehmen mit Ebro zusammen und nutzt ein ehemaliges Nissan-Werk nahe Barcelona. Dort soll die Fertigung zunächst über CKD- beziehungsweise SKD-nahe Montage anlaufen. Perspektivisch ist eine stärkere lokale Fertigungstiefe vorgesehen.

Für Chery ist das aus mehreren Gründen relevant. Eine europäische Fertigung kann Transportwege verkürzen, die Teileversorgung regionaler machen und die Abhängigkeit von Importen senken. Zudem wird damit ein Thema berührt, das weit über Chery hinausreicht: der Umgang chinesischer Hersteller mit den neuen Rahmenbedingungen in Europa.

Warum chinesische Hersteller stärker lokalisieren

Chery steht mit diesem Kurs nicht allein. Mehrere chinesische Hersteller bauen ihre Europa-Strategien derzeit um. Hintergrund sind ein hoher Wettbewerbsdruck im chinesischen Heimatmarkt, Überkapazitäten und ein schwächeres Nachfrageumfeld. Zugleich hat die EU mit zusätzlichen Zöllen auf in China produzierte Elektrofahrzeuge den Druck erhöht, Produktion und Wertschöpfung näher an den europäischen Markt zu verlagern.

Vor diesem Hintergrund gewinnt Lokalisierung an Bedeutung. Die europäischen Standorte sollen mittelfristig neben der Montage auch mehr Wertschöpfung vor Ort übernehmen. Dazu gehören etwa lokale Zulieferstrukturen, eine stärkere Fertigungstiefe und der Bezug einzelner Komponenten außerhalb Chinas. Spanien gilt dabei für mehrere Hersteller als attraktiver Standort, weil dort industrielle Kapazitäten, Förderinstrumente und vergleichsweise günstige Kosten zusammentreffen.