Honda stoppt drei E-Modelle und ordnet Fertigungsplanung neu
Honda zieht bei seiner Elektro-Offensive die Reißleine und streicht drei für Nordamerika vorgesehene EV-Modelle. Für die Produktion bedeutet das nicht nur das Aus für konkrete Anläufe, sondern auch Abschreibungen auf bereits vorgesehene Anlagen.
Honda korrigiert seine Pläne für neue Elektroautos in den USA.
(Bild: Pixabay)
Honda vollzieht einen harten Kurswechsel in seiner Elektrifizierungsstrategie. Der Hersteller stoppt die Entwicklung und den geplanten Produktionsanlauf von drei Elektro-Modellen für Nordamerika: Honda 0 SUV, Honda 0 Saloon und Acura RSX. Aus Sicht des Konzerns wäre ein Start von Produktion und Vertrieb in dem derzeit schwachen EV-Umfeld mit zusätzlichen langfristigen Verlusten verbunden. Für die Fertigung hat das direkte Folgen, weil bereits für diese Modelle vorgesehene materielle und immaterielle Vermögenswerte nun abgeschrieben oder wertberichtigt werden müssen.
Der Schritt zeigt vor allem, wie stark sich Produktionsplanung und Marktannahmen inzwischen gegenseitig treiben. Honda verweist auf eine verlangsamte EV-Nachfrage in den USA, veränderte Förderbedingungen und Belastungen durch neue Zölle. Gleichzeitig ist der Konzern in China unter Druck geraten, wo kürzere Entwicklungszyklen, softwaredefinierte Fahrzeuge und neue Wettbewerber das Tempo vorgeben. Gerade aus Produktionssicht ist das brisant: Wer Anläufe zu früh auf ein Marktsegment zuschneidet, riskiert hohe Fehlinvestitionen in Werke, Werkzeuge und industrielle Vorbereitung.
Honda will daraus nun Konsequenzen ziehen und die Fertigungs- und Produktstrategie breiter aufstellen. Künftig sollen Ressourcen stärker in Hybridmodelle fließen, während in Indien und weiteren asiatischen Märkten Modellangebot und Kostenposition verbessert werden sollen. Zugleich kündigt der Konzern an, seine Fixkostenstruktur an die tatsächliche Geschäftsgröße anzupassen und künftige EV-Initiativen flexibler an Profitabilität und Marktentwicklung auszurichten. Insgesamt setzen die Japaner damit auf weniger Vorleistung, mehr regionale Differenzierung und einen engeren Schulterschluss zwischen Produktplanung und Kapazitätssteuerung.
Enorme finanzielle Belastung
Finanziell fällt die Kurskorrektur massiv aus. Honda erwartet im laufenden Geschäftsjahr hohe operative Belastungen sowie zusätzliche Wertberichtigungen auf China-Beteiligungen. Insgesamt könnten sich die Verluste aus der strategischen Neubewertung laut Konzern auf bis zu 2,5 Billionen Yen summieren. Damit wird die Entscheidung zu mehr als einer Modellkorrektur. Sie ist ein Hinweis darauf, wie riskant es für Hersteller geworden ist, Produktionsnetzwerke und Anlaufplanungen auf eine EV-Nachfrage auszurichten, die regional sehr viel volatiler verläuft als noch vor wenigen Jahren angenommen.