Neue Perspektiven für Auto-Ingenieure
Rüstungskonzern Hensoldt greift nach Aumovio-Experten
Aumovio und Hensoldt wollen 600 von Stellenabbau betroffenen Ingenieuren neue Jobperspektiven bieten. Der Rüstungselektronik-Spezialist expandiert gerade und setzt dabei gezielt auf Automotive-Knowhow aus der Region.
Rüstungselektronik-Spezialist Hensoldt sucht nach Experten aus den Bereichen Systementwicklung, Software und Elektrotechnik.
Hensoldt/Aumovio
Der Rüstungskonzern Hensoldt und das Conti-Spin-off Aumovio
haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, um Beschäftigten von Aumovio
neue berufliche Perspektiven zu eröffnen. Hintergrund ist die Neuausrichtung
der weltweiten F&E-Aktivitäten bei des Autozulieferers, von der an den
süddeutschen Standorten Ulm, Lindau und Markdorf bis zu rund 600 Mitarbeitende
betroffen sind.
Aumovios Stellenabbau abfedern
Hensoldt baut aufgrund hoher Nachfrage in der Rüstungsindustrie
derzeit seine Kapazitäten deutlich aus. 2025 wurden rund 1.200 neue
Mitarbeitende eingestellt, für 2026 plant das Unternehmen etwa 1.600 weitere
Neueinstellungen. Besonders stark wachsen die Standorte Ulm, Oberkochen/Aalen
sowie Immenstaad am Bodensee.
Aumovio verfolgt nach eigenen Angaben den Grundsatz „Von
Arbeit in Arbeit“ und sucht gemeinsam mit Sozialpartnern sowie regionalen
Unternehmen nach Anschlussbeschäftigungen für von Stellenabbau betroffene
Mitarbeitende. Die räumliche Nähe der Aumovio-Standorte zu mehreren
Hensoldt-Niederlassungen soll den Übergang erleichtern.
Rüstungsindustrie setzt auf Automotive-Knowhow
Hensoldt sucht Fachkräfte entlang der gesamten
Wertschöpfungskette, insbesondere Systemingenieure, Softwareentwickler und
Elektrotechniker – allesamt Berufsbilder, die bei Aumovio in der F&E-Abteilung
unterwegs sind. „Die Nachfrage nach moderner Verteidigungstechnologie wächst
sehr stark“, sagt Hensoldt-CEO Oliver Dörre. Viele Kompetenzen aus der
Automobilindustrie ließen sich gut auf die Verteidigungsbranche übertragen.
Aumovio-Personalchef Ingo Holstein betont den
sozialverträglichen Ansatz des Unternehmens: „Wir arbeiten intensiv daran,
Perspektiven zu schaffen und nahtlose Übergänge zu ermöglichen.“ Die
Zusammenarbeit mit Hensoldt sei ein Beispiel für diesen Anspruch und nutze
regionale Beschäftigungschancen gezielt.
Deutschlands Rüstungsbranche greift zunehmend auf die
angeschlagene Autoindustrie zu: Schaeffler steigt aktiv ins
Verteidigungsgeschäft ein, um neue Wachstumsmärkte zu erschließen. Rheinmetall
nutzt bestehende Automotive-Strukturen, kooperiert mit Continental und
übernimmt Personal aus kriselnden Zulieferbetrieben. Gleichzeitig ziehen
Rüstungskonzerne stillgelegte oder gefährdete Werke in Betracht – etwa die
mögliche Nutzung des VW-Werks Osnabrück für Militärfahrzeuge.