VW bringt erstes gemeinsames E-Modell mit Xpeng in Serie
In Hefei ist die Serienproduktion des ID.Unyx 08 angelaufen. Für Volkswagen ist das Modell mehr als ein neues Elektroauto für China. Der SUV soll zeigen, dass die „In China, für China“-Strategie des Konzerns tatsächlich Tempo, lokale Entwicklung und neue Elektronikarchitekturen in die Serie bringt.
Volkswagens erstes gemeinsam mit Xpeng entwickeltes Modell heißt ID.Unyx 08
Mit dem Anlauf des ID.Unyx 08 in Hefei setzt Volkswagen ein
Signal, das weit über den Produktionsstart eines einzelnen Modells hinausgeht.
Denn das neue Fahrzeug ist nicht nur das erste gemeinsam mit Xpeng entwickelte
Auto der Marke Volkswagen. Es ist vor allem ein Belastungstest für jene
Strategie, mit der der Konzern sein China-Geschäft nach Jahren des wachsenden
Drucks neu aufstellen will. Genau das soll der ID.Unyx 08 nun verkörpern.
Laut Volkswagen wurde das vollelektrische Full-Size-SUV in nur 24 Monaten zur
Serienreife gebracht. Produziert wird es bei Volkswagen Anhui in Hefei. Punkten
soll das Fahrzeug mit einer 800-Volt-Ultraschnellladetechnologie, einem Level-2-Fahrerassistenzsystem
sowie Over-the-Air-Updates. Volkswagen will in China nicht länger nur mit
lokaler Präsenz argumentieren, sondern mit lokal entwickelter, digital
anschlussfähiger Produktsubstanz.
CEO Oliver Blume spricht deshalb von einem sichtbaren
Ergebnis der vor drei Jahren gestarteten China-Strategie. „Der ID.Unyx 08 ist
der nächste eindrucksvolle Beweis dafür.“ Das Auto sei „in China für China
entstanden“ – „mit deutscher Ingenieurskunst und lokaler Spitzentechnologie“.
Gerade diese Formulierung zeigt, wie Volkswagen die Balance in China nun
kommunikativ aufbaut: nicht als Abkehr von der eigenen Markenidentität, sondern
als Verbindung von deutscher Entwicklungs-DNA und chinesischer
Umsetzungsgeschwindigkeit.
Alle vierzehn Tage ein neues Fahrzeug
Noch deutlicher wird Ralf Brandstätter, Vorsitzender und CEO
der Volkswagen Group China. Er nennt den Produktionsstart einen Beleg dafür,
dass die „In China, für China“-Strategie liefere. Mit dem ID.Unyx 08 starte in
China die größte Elektro-Offensive des Konzerns. Im Durchschnitt bringe
Volkswagen in diesem Jahr alle zwei Wochen ein neues Fahrzeug auf die Straße.
Brandstätter spricht dabei ausdrücklich vom „China Speed“. Der ID.Unyx 08 sei
das erste Volkswagen-Modell einer neuen Generation smarter Elektrofahrzeuge,
voll auf chinesische Kundenbedürfnisse zugeschnitten und in weniger als zwei
Jahren lokal entwickelt.
Damit wird der ID.Unyx 08 strategisch aufgeladen. Er steht
nicht isoliert, sondern markiert den Auftakt einer deutlich breiter angelegten
Produktoffensive. Allein 2026 will Volkswagen in China mehr als 20 neue lokal
entwickelte New-Energy-Vehicle (NEV) auf den Markt bringen. Bis 2030 sollen es insgesamt 50
neue NEV-Modelle werden. Der Produktionsstart in Hefei ist damit Teil eines
deutlich größeren Programms, mit dem der Konzern im chinesischen Markt für New
Energy Vehicles wieder aggressiver um Relevanz kämpfen will.
Kooperation mit Xpeng soll Entwicklungstempo deutlich
erhöhen
Im Zentrum dieser Neuaufstellung steht nicht nur die
Partnerschaft mit Xpeng, sondern auch der eigene Entwicklungsumbau in China. Die
Wolfsburger setzen voll auf die 2023 geschlossene strategische Kooperation mit Xpeng, die auf skalierbare Produktentwicklung und technologische Innovation
ausgerichtet ist. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit seien zwei vollelektrische
Modelle entwickelt worden. Nach dem ID.Unyx 08 solle noch in diesem Jahr ein
weiteres Volkswagen-Modell seine Marktpremiere feiern. He Xiaopeng, Chairman
und CEO von Xpeng , spricht in der Mitteilung von einem „greifbaren Ergebnis“
der Zusammenarbeit und betont gegenseitiges Vertrauen sowie die Bündelung der
jeweiligen Stärken.
Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei die Volkswagen Group
China Technology Company, kurz VCTC, in Hefei. Sie verantworte bei den
Kooperationsmodellen die Integration lokaler Innovationen ebenso wie
Produktdesign, technische Validierung und Freigabe, Qualitätssicherung sowie
die Abstimmung der Fahrdynamik. Damit soll sichergestellt worden sein, dass das
Fahrzeug trotz lokaler Entwicklung die markentypische Volkswagen-DNA bei
Qualität, Sicherheit und Fahrerlebnis erfüllt.
Neue Elektronikarchitektur als Basis der NEV-Offensive
Hinzu kommt ein weiterer technologischer Baustein, der über
das einzelne Fahrzeug hinausweist. Gemeinsam mit Cariad China und Xpeng entwickelte VCTC die erste lokal konzipierte zonale elektrische und
elektronische Architektur des Konzerns, die China Electronic Architecture, kurz
CEA. Diese Plattform soll sowohl in NEVs als auch in Fahrzeugen mit
Verbrennungsmotor zum Einsatz kommen. Das erste Modell auf Basis der CEA werde
noch in diesem Jahr folgen.
Der Konzern spricht selbst von einem „dynamischen Zeitalter
intelligenter, vollvernetzter Elektromobilität“ und hebt den Ausbau lokaler
Forschungs- und Entwicklungsressourcen sowie die tiefe Integration in das
chinesische Industrieökosystem hervor. Dahinter steht die Erkenntnis, dass sich
der chinesische Markt längst nicht mehr vom europäischen oder
nordamerikanischen Takt aus bedienen lässt. Wer dort mithalten will, muss
Produktzyklen verkürzen, Software-Funktionen lokalisieren und Partnerschaften
so aufsetzen, dass sie industrielle Schlagkraft erzeugen. Genau dafür soll die
Formel „In China, für China“ stehen.
Für Volkswagen ist der ID.Unyx 08 deshalb auch ein
politisches Produkt im Konzernsinne. Er soll beweisen, dass der Hersteller in
China nicht nur reagieren, sondern wieder gestalten kann. Ob das gelingt, werden
sich letztlich die Kunden zeigen. Die Markteinführung des Modells ist für das
erste Halbjahr 2026 geplant.