Hella-Fahnen wehen im Wind

Hella hat nach monatelanger Suche einen Käufer gefunden. (Bild: Hella)

Der französische Zulieferer Faurecia übernimmt in den kommenden Tagen zirka 79,5 Prozent der Hella-Aktien, nachdem die Aufsichtsbehörden der Mehrheitsbeteiligung jüngst zugestimmt hatten. Davon entfallen 60 Prozent auf den Hueck-Familienpool sowie rund 19,5 Prozent auf das öffentliche Übernahmeangebot hinsichtlich der Aktien im Streubesitz. Die Industriellenfamilie Hueck wird dabei mit etwa 8,5 Prozent an der börsennotierten Faurecia SE rückbeteiligt. Bei der nächsten Aktionärsversammlung von Faurecia wird vor diesem Hintergrund vorgeschlagen, einen Vertreter des Familienpools in den Verwaltungsrat zu bestellen.  

Die Familie hatte bereits im April 2021 einen Verkauf ihrer Anteile ins Spiel gebracht. Nach anfänglichem Interesse von Knorr-Bremse scheiterte die Übernahme jedoch aufgrund mangelnder Synergien. Investoren zeigten sich unzufrieden mit den Plänen, Analysten äußerten sich skeptisch. Der Licht- und Elektronikspezialist musste einen neuen Käufer finden.

Diese Zukunftsthemen will Faurecia mit dem Kauf angehen

Durch den Zusammenschluss entsteht nach eigenen Angaben der siebtgrößte Automobilzulieferer der Welt. Dieser soll vor allem die zentralen Wachstumsfelder emissionsfreie Mobilität, Interieur, Lifecycle Value Management sowie Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren gezielt ausbauen. „Unser Finanzprofil wird weiterhin solide bleiben, wir werden einen Fokus auf eine nachhaltige Cash-Generierung und den Abbau der Verschuldung des Unternehmens legen“, erläutert Faurecia-CEO Patrick Koller. Helfen könnte dabei etwa der Marktzugang von Faurecia in China und Japan sowie zu US-amerikanischen Autobauern.

Die seit 2018 bestehende Entwicklungspartnerschaft bei Interieur-Lichtlösungen gewinnt damit an Qualität. Faurecia steuert in diesem Sinne Kompetenzen bei Sitzen und Innenausstattung, Hella die Expertise bei Innenbeleuchtung, Sensorik sowie Elektronik für Fahrzeugzugangssysteme bei. Hinsichtlich der emissionsfreien Mobilität bringt Hella sein Portfolio in den Bereichen Batterie- und Lenkungselektronik, Sensorik sowie Aktuatorik ein, während Faurecia sich auf Wasserstoff-Lösungen und Speichersysteme konzentriert. Bei Fahrerassistenzsystemen und autonomem Fahren soll vor allem auf das Tochterunternehmen Faurecia Clarion Electronics zurückgegriffen werden.

„Wir schlagen nun ein neues Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte auf“, sagt Rolf Breidenbach, Vorsitzender der Hella-Geschäftsführung. „Auch wenn wir weiterhin als rechtlich eigenständiges Unternehmen agieren werden, eröffnen sich durch unseren neuen Mehrheitsgesellschafter Faurecia zusätzliche Chancen, die wir alleine nicht hätten.“

Faurecia und Hella legen Aftermarkt zusammen

Auch im Aftermarket-Bereich möchten Hella und Faurecia künftig gemeinsam auftreten. Faurecia-Produkte sollen über die entsprechende Organisation von Hella angeboten werden. Zunächst starten die gemeinsamen Aktivitäten im Bereich der Abgasanlagen von Faurecia. Ein weiterer Ausbau des gemeinsamen Angebots ist vorgesehen.

Zum Start sollen die Abgasanlagen-Bausätze Easy2Fit von Faurecia im Aftermarket-Programm von Hella erhältlich sein, die mit 3.300 verschiedenen Kits die vier Produktgruppen DPF, Katalysator, Schalldämpfer und Rohr abdecken. Durch die Synergieeffekte würden Lagerkosten und der Logistik-Aufwand reduziert, so der Hersteller.

Was bedeutet die Übernahme für Hella-Mitarbeiter?

Um das Potenzial beider Partner bestmöglich auszuschöpfen, soll Hella künftig eine hohe operative Verantwortung übernehmen und die Mehrsäulen-Strategie fortgesetzt werden. Konsequente Investitionen in Zukunftstechnologien und die Stärkung des etablierten Hella-Kooperationsnetzwerk – bestehend aus zahlreichen Gemeinschaftsunternehmen sowie strategischen Partnerschaften – runden den Zusammenschluss ab.

Für die Mitarbeiter von Hella soll all dies nicht zum Nachteil werden: Die Vereinbarung beinhalte weitreichende Zusagen an die Beschäftigten, betont der Zulieferer. „Wir haben langjährige Zusagen für die Standorte und Investitionen in die Zukunftsfelder sichergestellt“, so Jürgen Behrend, Leiter des Pools der Hella-Familiengesellschafter. Alle Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge bleiben bestehen. Es soll zu keinen Änderungen der Betriebsverfassungsstruktur kommen und auch der Hauptsitz in Lippstadt werde ein zentraler Standort in der gemeinsamen Gruppe bleiben.

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