Wie GlobalFoundries Design for Manufacturing neu denkt
GlobalFoundries integriert Design for Manufacturing bereits in der Konzeptphase neuer Technologien. In Dresden entsteht so ein datengetriebener, hybrider DfM-Ansatz, der Time-to-Market verkürzt, Automotive-Robustheit absichert und First-Silicon-Erfolge wahrscheinlicher macht.
Mitarbeiter von GlobalFoundries betreten den Reinraum in der Fab 1 in Dresden.GlobalFoundries
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In der Dresdner Fab 1 von GlobalFoundries laufen täglich
Millionen Prozessdaten zusammen. Sie dienen nicht nur der Überwachung der
Fertigung, sondern fließen systematisch zurück ins Chipdesign. Design for
Manufacturing ist hier kein nachgelagerter Optimierungsschritt, sondern Teil
der Technologiearchitektur – mit direkten Auswirkungen auf Ramp-up-Stabilität
und Time-to-Market.
Oliver Aubel, Corporate Lead Automotive Solutions bei
GlobalFoundries Fab1 in Dresden, beschreibt DfM als dreistufiges System: „DfM besteht bei uns aus Design-Learning, gezielten
lithografischen Anpassungen wie OPC und Re-Targeting sowie aus Yield-Learning
im Prozess“.
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ALP-Award 2025 für Fab1 Dresden
GlobalFoundries erhielt 2025 den begehrten ALP-Award.Marta Stankiewicz
Das System umfasst mehrere Ebenen von LoD0 bis LoD4 und überwacht Anlagen- und Prozessparameter in Echtzeit. Täglich werden mehr als eine Million Datenpunkte erfasst, analysiert und in einer Cloud-Umgebung mit KI-gestützten Zeitreihenmodellen ausgewertet. Ziel ist es, kleinste statistische Abweichungen frühzeitig zu identifizieren – noch bevor sie sich auf Yield, Liefertreue oder Zuverlässigkeit auswirken.
Nach Unternehmensangaben konnte durch die systematische Fehlerfrüherkennung die Werkzeug- und Anlagenfehlererkennung deutlich gesteigert werden. Gleichzeitig sanken die Kosten für Nichtqualität signifikant, während sich Ausbeute und Prozessstabilität verbesserten. Auch ökologische Effekte spielen eine Rolle: Weniger Ausschuss bedeutet geringeren Energie- und Materialeinsatz.
Die Jury bewertete das Dresdner Werk als beispielhaften Beitrag zur Resilienz der automobilen Lieferkette in Europa. Die Auszeichnung unterstreicht die strategische Rolle des Standorts – insbesondere vor dem Hintergrund steigender Automotive-Volumina und wachsender Anforderungen an Prozessrobustheit und Lieferfähigkeit.
DfM beginnt vor dem Maskensatz
Bei GlobalFoundries setzt DfM bereits in der Konzeptphase
neuer Technologien an. Reale Fertigungsdaten, Prozessfenster und
Yield-Erfahrungen vergleichbarer Technologien fließen früh in neue Designs ein.
Kunden können ihre noch unfertigen Layouts mit einem DfM-Scoring-Tool auf
Robustheit prüfen lassen. Schwachstellen werden identifiziert, ein DfM-Kit
schlägt Optimierungen vor. Noch vor der Mask Data Preparation ist ein Dry-Run
möglich. „DfM beginnt bei uns bereits in der Konzeptphase neuer Technologien“,
sagt Aubel. „Time-to-Market ist dadurch verkürzt, und First-Silicon-Prototypen
funktionieren nach diesem Flow häufig direkt beim ersten Versuch.“
Reibungspunkte entstehen vor allem bei besonders sensitiven
Designkonfigurationen, die stark auf Fertigungsvariationen reagieren. Durch die
frühe Analyse lassen sich solche Risiken jedoch gezielt adressieren, bevor sie
kostenintensive Iterationen auslösen.
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Die Time-to-Market ist dadurch verkürzt, und First-Silicon-Prototypen funktionieren nach diesem Flow häufig direkt beim ersten Versuch.
Oliver Aubel, GlobalFoundries Fab1 Dresden
Oliver Aubel, Corporate Lead Automotive Solutions at GlobalFoundries Fab1 in DresdenGF
Daten werden zu Designregeln
Die digitale Fertigungsarchitektur übersetzt statistische
Muster und wiederkehrende Hotspots automatisiert in konkrete Designregeln.
Diese fließen direkt in Process Design Kits und Layout-Constraints ein.
Metalllinien im Back-End-of-Line können beispielsweise durch OPC-Anpassungen
mit „Dogbone“-Strukturen versehen werden, um lithografisch robuster zu werden.
In bestimmten Fällen sind Retro-Fits möglich – gezielte Designanpassungen ohne
vollständigen neuen Maskensatz. „DfM bei GlobalFoundries ist stark
datengetrieben, entwickelt sich aber zunehmend zu einem lernenden System“,
erklärt Aubel. Gleichzeitig bleibt der Ansatz bewusst hybrid. Komplexe
Wechselwirkungen zwischen Prozessfenstern, Geräteparametern und Layout-Strukturen
lassen sich nicht vollständig algorithmisch bewerten. „Besonders bei subtilen
Interaktionen ist das Erfahrungswissen unserer Prozess- und Yield-Ingenieure
entscheidend, um Fehlkorrelationen zu vermeiden.“
Mit dem wachsenden Automotive-Anteil verschieben sich die
Prioritäten im DfM. In sicherheitskritischen Fahrzeugarchitekturen stehen
Robustheit, Temperaturstabilität und lange Lebenszyklen im Vordergrund. „Robustheit
und Zuverlässigkeit werden höher gewichtet als maximale Performance“, sagt
Aubel. Bei Technologien wie FD-SOI oder hochintegrierten Automotive-SoCs werden
Designräume konservativer definiert und Prozessfenster breiter ausgelegt.
Layout-Regeln sind strenger gefasst, um Variabilität und Alterungseffekte
langfristig abzusichern.
Hier verschränken sich Design for Manufacturing und Design
for Reliability eng miteinander. Designrestriktionen ergeben sich aus
Zuverlässigkeitsdaten – Performance wird nicht maximiert, wenn sie die
langfristige Stabilität gefährden könnte.
DfM ist in Dresden organisatorisch fest verankert. Yield-,
DfM- und Prozessintegrationsteams arbeiten eng mit der Produkt- und
Technologieentwicklung zusammen. Gemeinsame digitale Plattformen und
transparente Dashboards sorgen für durchgängige Sichtbarkeit von Design- und
Fertigungsparametern. Dadurch standen stabile Strukturen bereits vor dem
Hochlauf größerer Automotive-Volumina zur Verfügung. Während des Ramp-ups liegt
der Fokus auf OPC, Re-Targeting und einer umfassenden Bewertung im Rahmen des
Product-Safe-Launchs. Standardisierte Business-Prozesse sichern den Übergang
von Entwicklung zur Serie ab.
DfM ist für uns kein Korrekturmechanismus, sondern ein integraler Bestandteil der Technologieentwicklung.
Oliver Aubel, GlobalFoundries Fab1 Dresden
Verbindung von Innovationsgeschwindigkeit und Stabilität
In einer Halbleiterfertigung mit rund 1.500 Prozessschritten
und Zykluszeiten von bis zu 90 Tagen gibt es keine Möglichkeit zur Nacharbeit.
Fehler müssen vor dem Waferstart vermieden werden. Genau hier greift der
Dresdner Ansatz. Design-Learning verbessert grundlegende Elemente
technologieübergreifend. OPC und Re-Targeting erhöhen die Herstellbarkeit
bestehender Designs. Yield-Learning optimiert Prozessfenster ohne
Maskenanpassungen und steigert so kosteneffizient Ausbeute und Zuverlässigkeit. DfM verbindet damit Daten, Design und Prozess zu einem
geschlossenen Regelkreis – und wird bei GlobalFoundries zu einem strategischen
Instrument, um Innovationsgeschwindigkeit und industrielle Stabilität
miteinander zu vereinen.