Neue E-Modelle und Europa-Aktivitäten
Stellantis und Dongfeng vertiefen Partnerschaft
Stellantis und Dongfeng bauen ihre Partnerschaft aus: Neben neuen Elektro-Modellen für China und den Export planen beide auch ein Europa-Joint-Venture für Vertrieb und mögliche Produktion. Damit verzahnt der Konzern seine Aktivitäten über beide Regionen hinweg stärker.
Stellantis hofft, vor allem mit der Marke Peugeot in China wieder mehr Erfolg zu haben.
Stellantis
Stellantis und Dongfeng bauen ihre Zusammenarbeit nicht nur
in China aus, sondern treiben die Partnerschaft künftig auch in Europa voran.
Neben neuen Produktionsplänen im chinesischen Wuhan prüfen beide Hersteller ein
gemeinsames Joint Venture für Vertrieb, Entwicklung und potenzielle Fertigung
von Elektrofahrzeugen auf dem europäischen Markt.
Stellantis und Dongfeng richten damit ihre über drei
Jahrzehnte gewachsene Kooperation neu aus und stärken zugleich die industrielle
Rolle ihres Joint Ventures Dongfeng Peugeot Citroën Automobile (DPCA). Während
in China vor allem die Produktion ausgebaut wird, rückt in Europa die
Vermarktung und mögliche Lokalisierung von Fahrzeugen in den Fokus.
Wuhan als Knotenpunkt für globale Produktion
Im Zentrum der Industriepläne steht weiterhin das DPCA-Werk
in Wuhan. Ab 2027 soll der Standort zur zentralen Fertigungsbasis für neue
Elektromodelle werden. Geplant ist zunächst die Produktion von zwei
batterieelektrischen Peugeot-Fahrzeugen für den chinesischen Markt und den
Export. Die Modelle basieren auf aktuellen Konzeptstudien, die auf der Auto
China in Peking vorgestellt wurden.
Zusätzlich sollen zwei elektrifizierte Offroad-Modelle der
Marke Jeep in Wuhan vom Band laufen. Diese Fahrzeuge sind primär für
internationale Märkte vorgesehen. Damit entwickelt sich das Werk von einer
reinen China-Fabrik zunehmend zu einer globalen Exportplattform im
Stellantis-Verbund.
Investitionen in Fertigung und Kapazitäten
Die Transformation des Standorts ist mit erheblichen
Investitionen verbunden. Insgesamt sollen mehr als acht Milliarden Yuan,
umgerechnet rund eine Milliarde Euro, in den Ausbau fließen. Stellantis steuert
rund 130 Millionen Euro bei.
Ziel ist es, die Fertigung auf moderne Elektroplattformen
auszurichten und die Produktionsprozesse entsprechend anzupassen. Gleichzeitig
profitieren die Partner von den industriepolitischen Rahmenbedingungen in der
Region Hubei, die den Ausbau der Elektromobilität gezielt fördern.
Europa-Joint-Venture ergänzt Produktionsstrategie
Parallel zur Stärkung der Produktion in China planen
Stellantis und Dongfeng den Aufbau eines gemeinsamen Joint Ventures in Europa.
Die neue Gesellschaft soll mehrheitlich von Stellantis geführt werden und neben
Vertrieb und After-Sales auch Engineering- und Einkaufsaktivitäten bündeln.
Im Fokus steht dabei zunächst die Einführung von Dongfengs
Premium-Elektromarke Voyah in ausgewählten europäischen Märkten. Stellantis
bringt seine bestehenden Vertriebs- und Servicenetzwerke ein, während Dongfeng
vor allem den Zugang zu wettbewerbsfähigen Elektrofahrzeugtechnologien aus dem
chinesischen Ökosystem liefert.
Auch eine lokale Produktion in Europa ist Teil der
Planungen. Konkret wird das Stellantis-Werk in Rennes in Frankreich als
möglicher Fertigungsstandort für Dongfeng-Elektrofahrzeuge genannt. Damit
reagieren die Partner auf regulatorische Anforderungen und den zunehmenden
Druck, Fahrzeuge für den europäischen Markt lokal zu produzieren.
Verzahnung von China- und Europa-Aktivitäten
Die parallelen Initiativen in Wuhan und Europa verdeutlichen
eine stärker integrierte Produktions- und Marktstrategie. Während China als
Fertigungs- und Exportbasis ausgebaut wird, dient Europa als Absatzmarkt mit
zunehmender lokaler Wertschöpfung.
Die Kombination beider Ansätze ermöglicht es Stellantis,
Fahrzeugkonzepte flexibler zwischen Regionen zu skalieren. Gleichzeitig erhält
Dongfeng über die Partnerschaft einen direkteren Zugang zu europäischen Märkten
und Produktionsstrukturen.
Stellantis in China unter Druck
Die Neuausrichtung erfolgt vor dem Hintergrund einer
schwierigen Marktposition von Stellantis in China. In den vergangenen Jahren
sind die Verkaufszahlen deutlich zurückgegangen, während heimische Hersteller
insbesondere im Elektrosegment stark gewachsen sind. Zwischenzeitlich hatte der
Konzern sogar nach alternativen Partnern gesucht, nun erfolgt wieder eine klare
Fokussierung auf Dongfeng.
Mit dem Ausbau der Produktion in Wuhan und der
gleichzeitigen Internationalisierung der Partnerschaft versucht Stellantis,
seine Rolle in China neu zu definieren. Der Standort soll nicht mehr nur den
lokalen Markt bedienen, sondern stärker in die globale Fertigungsstruktur
eingebunden werden.
Die geplanten Projekte stehen noch unter dem Vorbehalt
finaler Vereinbarungen und behördlicher Genehmigungen. Dennoch markieren die
Schritte eine strategische Neuausrichtung: Stellantis und Dongfeng verzahnen
ihre Produktions-, Technologie- und Marktaktivitäten enger und erweitern die
Partnerschaft erstmals systematisch über China hinaus nach Europa.
Stellantis in China unter Druck
Die Neuausrichtung der Produktion in Wuhan ist auch vor dem
Hintergrund der schwierigen Marktposition von Stellantis in China zu sehen. In
den vergangenen Jahren haben sich die Absatzzahlen des Konzerns in der
Volksrepublik deutlich rückläufig entwickelt. Ex-Konzernchef Carlos Tavares
suchte sogar nach alternativen Joint-Venture-Partnern zu Dongfeng, um dem
Business im Reich der Mitte wieder mehr Schwung zu verleihen. Nun also folgt
der strategische Schwenk wieder zum alten Partner Dongfeng.
Mit dem Ausbau der Produktion in Wuhan setzen beide
Unternehmen ein klares Signal: China soll sich für Stellantis nicht nur
wieder zu einem florierenden Absatzmarkt, sondern auch in Sachen Fertigung zu
einem integralen Bestandteil des globalen Produktionsnetzwerk entwickeln.