Förderung für in Europa gebaute E-Autos
Chefs von VW und Stellantis fordern „Made in Europe“-Strategie
Die CEOs von VW und Stellantis, Oliver Blume und Antonio Filosa, fordern eine radikale „Made in Europe“-Strategie. Gelockerte Klimaregeln, gezielte Förderungen und klare Herkunftskriterien sollen Europas Autoindustrie im globalen Machtkampf stärken.
Oliver Blume will zusammen mit seinem Amtskollegen bei Stellantis, Antonio Filosa, für mehr Produktion und Investitionen in Europa sorgen.
Volkswagen/Rainer Jensen
Die Vorstandschefs von Volkswagen und Stellantis fordern
eine industriepolitische Neuausrichtung in Europa, um die Wettbewerbsfähigkeit
der heimischen Automobilindustrie langfristig zu sichern. In einem gemeinsamen
Beitrag für das „Handelsblatt“ und zwei weitere europäische Zeitungen schlagen
VW-Chef Oliver Blume und der Chef des Opel-Mutterkonzerns Stellantis,
Antonio Filosa, eine „Made in Europe“-Strategie vor, die für fairen Wettbewerb
sowie mehr Produktion und Investitionen in der EU sorgen soll.
Blume und Filosa fordern finanzielle Anreize und Erleichterungen für in
Europa gefertigte Elektroautos. Europas größte Autobauer dringen dabei auf eine
Lockerung der EU-Klimaregeln zugunsten heimischer Produktion.
Die Konzernchefs fordern, Fahrzeuge für den EU-Markt stärker an europäische
Produktionsanforderungen zu knüpfen. Jeder Hersteller, der in Europa verkaufe,
solle unter vergleichbaren Bedingungen produzieren müssen. Zudem sollten
staatliche Fördergelder gezielt europäische Wertschöpfung unterstützen.
Verbindliche „Made in Europe“-Kriterien für E-Autos
Die Konsequenz wären „Made in Europe“-Anforderungen für Fahrzeuge, die in der
EU zugelassen werden. „Made in Europe“-Kriterien für E-Autos sollten
Produktion, Antrieb, Batteriezellen und elektronische Schlüsselkomponenten
umfassen. Fahrzeuge, die die Kriterien erfüllen, sollten ein Label erhalten und
etwa von staatlichen Kaufprämien oder öffentlichen Aufträgen profitieren.
CO2-Bonus für europäische E-Autos
Zudem regen die Manager an, dass jedes E-Auto „Made in Europe“ einen CO2-Bonus
erhalten sollte. „Und wenn ein Hersteller die ‚Made in Europe‘-Anforderungen
für einen großen Teil seiner Flotte erfüllt, sollte ein solcher CO2-Bonus sogar
für alle seine Elektrofahrzeuge anerkannt werden.“ Nach den Worten von Blume und
Filosa wäre dies ein Anreiz, Produktion in der EU aufrechtzuerhalten,
Milliarden an Strafzahlungen zu vermeiden und stattdessen für dringend
benötigte Investitionen im Binnenmarkt einzusetzen.
Keine protektionistischen Abschottungen
Neben Herkunftsanforderungen sei eine „übergreifende Industriepolitik“ nötig
mit gezielter Förderung europäischer Batteriezellenproduktion sowie
Kaufförderungen für europäische Elektrofahrzeuge. Die beiden Konzernchefs betonen, dass die vorgeschlagene Strategie nicht zu
Abschottungen führen solle: „Wir können nicht um jede Werkbank einen
protektionistischen Zaun ziehen.“ Ziel sei vielmehr, die Resilienz in
ausgewählten strategischen Komponenten aufzubauen oder zu stärken.
Man erlebe den Beginn einer neuen Ära geopolitischen Wettbewerbs, schreiben die
Manager. Handel, Technologie und Industrie würden zunehmend genutzt, um
nationale Machtinteressen durchzusetzen. Europa müsse dringend entscheiden, „ob
es nur ein Markt für andere werden oder auch zukünftig Produzent und
Industriemacht bleiben will“.
Die Branche erwirtschafte rund acht Prozent des EU-Bruttoinlandsprodukts und
biete etwa 13 Millionen Menschen Arbeit. Entsprechend groß sei die Bedeutung
des Sektors für Wohlstand und Stabilität in der EU.
Grüne: Autohersteller haben es verstanden
Nach den Worten von Grünen-Chefin Franziska Brantner zeigen die europäischen
Automobilhersteller mit dem Beitrag, dass sie verstanden haben: „Unsere
Wirtschaft kann nur dann erfolgreich und widerstandsfähig sein, wenn wir
konsequent europäisch denken und auf Made in Europe setzen.“
Jetzt sei auch die Bundesregierung gefordert, diesen Weg
entschlossen mitzugehen und endlich eine echte europäische Industriepolitik auf
den Weg zu bringen. „Wir können es uns nicht leisten, noch länger den Kopf in
den Sand zu stecken.“