VW-Luxustochter unter Druck
Bentley muss trotz erneutem Gewinn Stellen abbauen
Bentley kündigt trotz stabiler Gewinnlage den Abbau von bis zu 275 Stellen an, investiert aber gleichzeitig weiter massiv in die Umrüstung des Werks Pyms Lane für die künftige Elektrofahrzeugfertigung.
Bei Bentley verlieren 275 Menschen ihren Job, allerdings nicht in der Produktion.
Volkswagens Luxustochter Bentley kündigt trotz eines
weiteren profitablen Geschäftsjahres ein umfassendes Effizienzprogramm an, das
den Abbau von bis zu 275 Arbeitsplätzen vorsieht. Betroffen sind unter anderem
Management-Funktionen und nicht-produzierende Bereiche. Damit reagiert der
Hersteller auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck und die anstehenden
Umstellungen im Zuge der Elektrifizierungsstrategie.
Bentley-Boss Frank‑Steffen Walliser sprach von notwendigen,
aber einschneidenden Schritten: „Wir machen einige schwierige Entscheidungen,
um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen.“
Gleichzeitig betonte er die Verantwortung gegenüber der Belegschaft: „Ich
möchte allen betroffenen Kolleginnen und Kollegen meinen aufrichtigen Dank
aussprechen – wir werden jede und jeden individuell mit Sorgfalt, Anleitung und
Unterstützung durch den Übergang begleiten.“
Geschäftszahlen unter Druck
Bentley schreibt zwar das siebte Jahr in Folge Gewinne,
jedoch mit deutlichen Belastungen. Die Auslieferungen gingen 2025 um fünf
Prozent zurück, was das Unternehmen vor allem auf eine schwächere Nachfrage in
China zurückführt. Der Umsatz sank leicht um ein Prozent auf 2,6 Milliarden
Euro. Stützend wirkten jedoch teurere Modellvarianten sowie ein wachsender
Anteil der Derivate des Modells Mulliner.
Das operative Ergebnis fiel auf 216 Millionen Euro, belastet
durch Kosten im Zusammenhang mit der im Volkswagen-Konzern eingestellten D‑Segment-Plattform
sowie durch „ungünstige Wechselkurs- und Zolleffekte“, wie Bentley es nennt.
Investitionen in Crewe laufen weiter
Parallel zum Stellenabbau treibt Bentley seine umfangreichen
Investitionen in den Standort Pyms Lane in Crewe weiter voran. Der Hersteller
bereitet das traditionsreiche Werk auf die Produktion batterieelektrischer
Modelle vor. Das A1‑Gebäude wird derzeit zur künftigen BEV‑Montagelinie
umgebaut und befindet sich in der finalen Bauphase. Bereits 2025 wurde ein
neues Design Centre eröffnet, das die Entwicklungs- und Gestaltungskapazitäten
am Standort bündelt. Zudem soll noch in diesem Jahr eine neue Lackiererei in
Betrieb gehen.
Walliser unterstrich die strategische Bedeutung dieser Investitionen:
„Wir investieren auf einem noch nie dagewesenen Niveau in den Standort Pyms
Lane – vom neuen Design Centre über den Umbau des A1‑Gebäudes bis zur neuen
Lackiererei.“ Die Modernisierung sei Teil der langfristigen Ausrichtung des
Unternehmens: „Diese Entwicklungen sichern hochwertige Luxusfertigung in Crewe
für kommende Generationen.“
Modellpalette im Übergang
Auch produktseitig befindet sich Bentley in einer
Umbruchphase. 2025 wurden neue Versionen von Continental GT und Flying Spur mit
V8‑Hybridantrieb eingeführt. Diese Modelle sollen die Übergangsphase bis zur
vollständigen Elektrifizierung des Portfolios unterstützen, die Bentley
weiterhin aus eigener Kraft finanzieren will.