Weitere Aktionen angekündigt
Tausende protestieren gegen Sparkurs bei Mercedes-Benz
Tausende Mercedes-Beschäftigte protestieren gegen verschärfte Sparmaßnahmen des Konzerns. Kritik gibt es an geplanten Arbeitszeitverlängerungen, verschobenen Sonderzahlungen und dem Sparkurs des Vorstands. Die IG Metall kündigt weitere Aktionen an.
Die IG Metall läuft Sturm gegen die Sparpläne von Mercedes-Benz. „Die Beschäftigten haben Mercedes groß gemacht, und jetzt sollen sie die Zeche zahlen,“ zeigte sich Bezirksleiterin Barbara Resch empört.
IG Metall
Tausende Beschäftigte von Mercedes-Benz in Baden-Württemberg
gehen gegen die Ausweitung des Sparkurses bei dem Autobauer auf die Straße.
Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali sagte anlässlich einer Kundgebung in
Sindelfingen: „Die Beschäftigten sind mit den Plänen des Vorstands und des
Abbaus des Sozialstaats nicht einverstanden.“ Das Management wolle hart
erkämpfte Errungenschaften zurückdrehen. Das sei keine Grundlage für weitere
Gespräche. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich rund 20.000 Beschäftigte
an dem Protest. Ein Sprecher des Unternehmens sprach hingegen von 10.000
Teilnehmern.
Proteste waren laut IG Metall gleichfalls in Untertürkheim
(Stuttgart) geplant. Aber auch in Rastatt, Kuppenheim, Bremen, Berlin, Hamburg
und Germersheim.
Der Protest bei Mercedes-Benz soll der Auftakt für weitere
bundesweite Aktionen sein. So ist unter anderem am 9. Juli in der
baden-württembergischen Landeshauptstadt ein Autokorso von Beschäftigten der
Autoindustrie geplant. „Die IG Metall und die Beschäftigten der Hersteller und
Zulieferer werden den Unternehmenslenkern der Autoindustrie einen heißen Sommer
und Herbst bescheren, solange sie weiter auf Arbeitsplatzabbau und Verlagerung
setzen, statt echte Problemlösungen zu suchen“, erklärte die Gewerkschaft im
Vorfeld des Aktionstags.
Schreiben des Vorstands an die Beschäftigten
In einem Schreiben an die Beschäftigten in Deutschland
informierte der Vorstand von Mercedes-Benz Ende vergangener Woche, dass man „weiterhin
mit Hochdruck die Kosten senken“ müsse, um bei den Preisen für die Produkte
wettbewerbsfähig zu bleiben. „Trotz all unserer Anstrengung ist die Situation
heute in Deutschland dramatisch“, hieß es darin.
Etwa 90.000 der rund 108.000 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter in Deutschland erhalten demnach als Sofortmaßnahme nicht wie
erwartet im Juli eine tarifliche Sonderzahlung. Diese werde auf das kommende
Jahr verschoben, hieß es in dem Schreiben. Bei der Sonderzahlung handelt es
sich um den jährlichen „Transformationsbaustein“. Dieser beträgt 18,4 Prozent
vom regelmäßigen individuellen Monatsentgelt. In Betrieben in wirtschaftlichen
Krisen könne die Sonderzahlung verschoben oder ausgesetzt werden, heißt es auf
der Webseite der IG Metall.
Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden. Zugleich will das
Management mit dem Betriebsrat in den kommenden Wochen über eine Verlängerung
der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sprechen, wie das Unternehmen mitteilte.
Laut Tarifvertrag arbeiten die Beschäftigten zurzeit 35 Stunden in der Woche.
Debatte um 35-Stunden-Woche
Um die Einführung der 35-Stunden-Woche ist zwischen IG
Metall und den Arbeitgebern lange gerungen worden. Unter anderem in den 1980er
Jahren mit einem wochenlangen Arbeitskampf, bei dem es auch zu Aussperrungen
kam. Nach fast sieben Wochen Arbeitskampf gelang der Durchbruch. Der
schrittweise Einstieg in die 35-Stunden-Woche. Nach Warnstreiks folgt 1987 die
37-Stunden-Woche. 1993 geht es runter auf 36-Stunden. Und im Oktober 1995 ist
die 35-Stunden-Woche in den West-Bundesländern endgültig erreicht. Im Osten
sind die 35 Stunden wöchentliche Arbeitszeit nach Angaben der IG Metall noch
nicht flächendeckend durchgesetzt. Doch die Angleichung Ost schreite voran.
IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch sagte zu den
Sparplänen des Managements im Vorfeld: „Die Beschäftigten haben Mercedes groß
gemacht, und jetzt sollen sie die Zeche für Fehlentscheidungen im Vorstand
zahlen.“ Zukunftssicherheit erreiche man nicht durch Druck und längere
Schichten, sondern durch Investitionen, gute Produkte und Respekt vor der
Leistung der Beschäftigten.