Mercedes unter Druck

Elektro-GLC stockt in Bremen, gewinnt Kecskemét an Gewicht?

Mercedes bestätigt Probleme beim Anlauf des elektrischen GLC in Bremen, sieht diese aber als gelöst an. Zugleich gibt es Berichte über eine Produktion der kleinen G-Klasse in Ungarn.

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Anfang Mai feierte das Bremer Werk den Anlauf des elektrischen GLC.

Was waren das noch für Zeiten, als die Sommermonate in der Autoindustrie zuverlässig mit dem berühmten Sommerloch verbunden waren. Werksferien gibt es bei den großen Herstellern zwar noch immer. Doch die Ruhe, die diese Jahreszeit früher oft mit sich brachte, ist spätestens in diesem Sommer vorbei. Nach den erneuten Hiobsbotschaften rund um den Volkswagen-Konzern rückt nun auch Mercedes-Benz in den Fokus.

Gleich zwei Themen setzen den ältesten Autobauer der Welt unter Druck. Mercedes bestätigt Probleme beim Anlauf des neuen elektrischen GLC in Bremen, sieht diese inzwischen aber als gelöst an. Zuerst hatte das Handelsblatt berichtet. Zudem berichtet die Automobilwoche, dass die künftige kleine G-Klasse nicht in Rastatt, sondern im ungarischen Kecskemét produziert werden soll. Zu Spekulationen über künftige Modelle wollte sich Mercedes auf Anfrage grundsätzlich nicht äußern.

Was sagt Mercedes zum elektrischen GLC in Bremen?

Beim elektrischen GLC räumt Mercedes Anlaufschwierigkeiten ein. „Im Rahmen des Anlaufs vom neuen elektrischen GLC kam es beim Hochlauf einiger weniger Lieferanten zu Herausforderungen“, teilte der Hersteller auf Anfrage mit. Mercedes-Benz habe diese gemeinsam mit seinen Lieferanten gelöst.

Der elektrische GLC ist für Mercedes ein wichtiges Modell. Die Baureihe gehört zu den zentralen Volumen- und Ertragsbringern des Konzerns. Mit dem neuen Modell überträgt Mercedes eines seiner wichtigsten SUV in die Elektrowelt. Gebaut wird das Fahrzeug im Werk Bremen, wo konventionell angetriebene Modelle und batterieelektrische Fahrzeuge auf derselben Linie entstehen.

Trotz der Probleme lief die Produktion laut Unternehmen weiter. „Das Werk Bremen arbeitet unverändert im Drei-Schicht-Betrieb“, heißt es von Mercedes. Durch eine flexible Anpassung der Produktionsplanung sei die Auslastung der Linie sichergestellt worden.

Warum ist der GLC-Hochlauf so wichtig?

Nach Medienberichten war der Hochlauf zuletzt durch Engpässe bei einzelnen Zulieferern gebremst worden. Genannt wurden unter anderem Batterien und Bordnetze. Mercedes bestätigt die Schwierigkeiten bei einigen wenigen Lieferanten, betont aber, diese inzwischen behoben zu haben. Für Bremen zeigt sich damit zugleich die Bedeutung der flexiblen Produktion. Weil dort Fahrzeuge mit unterschiedlichen Antrieben auf einer Linie gefertigt werden, kann Mercedes die Produktionsplanung anpassen, wenn einzelne Komponenten nicht wie vorgesehen verfügbar sind. Das hilft kurzfristig bei der Auslastung. Es macht aber auch deutlich, wie abhängig der Hochlauf neuer Elektroautos weiter von stabilen Lieferketten bleibt.

Wird die kleine G-Klasse in Ungarn gebaut?

Deutlich unklarer ist die Lage bei der kleinen G-Klasse. Nach Informationen der Automobilwoche soll das Modell ab 2027 nicht in Rastatt, sondern in Kecskemét vom Band laufen. Das Fahrzeug soll auf der MMA-Plattform basieren und die große G-Klasse nach unten ergänzen. Bestätigt ist das nicht. Die Stuttgarter bitten auf Anfrage um Verständnis, dass man sich zu Spekulationen zukünftiger Modelle grundsätzlich nicht äußere.

Sollte der Bericht zutreffen, wäre das für Rastatt ein sensibles Signal. Das Werk fertigt heute bereits Kompaktmodelle der Marke. Kecskemét dagegen wird seit Jahren ausgebaut und gewinnt im europäischen Produktionsverbund von Mercedes weiter an Gewicht. Dort entstehen bereits Modelle auf der MMA-Plattform, zudem ist die elektrische C-Klasse für den Standort vorgesehen.

Was bedeutet das für die deutschen Werke?

Die beiden Vorgänge zeigen, in welchem Spannungsfeld Mercedes steht. In Bremen muss der Konzern den Hochlauf eines wichtigen Elektromodells absichern. Gleichzeitig wächst der Druck auf die deutschen Standorte, ihre Kostenposition zu verbessern. Mercedes hat intern eine stärkere Produktivität in Deutschland angemahnt. Der Konzern will seine Produktionskosten bis 2027 deutlich senken. In diesem Umfeld gewinnen Standorte wie Kecskemét weiter an Bedeutung, während in Deutschland jede neue Modellvergabe besonders genau beobachtet wird.

Für die Beschäftigten ist die Lage entsprechend angespannt. Geht ein künftiges Modell wie die kleine G-Klasse tatsächlich nach Ungarn, dürfte das die Debatte über die Rolle deutscher Werke weiter verschärfen. Beim GLC wiederum zeigt sich, dass auch ein deutsches Leitwerk mit flexibler Fertigung nicht unabhängig von fragilen Lieferketten ist.