So meistert BMW die hybride Produktion des X5
BMW hat die 1,7 Milliarden US-Dollar teure Erweiterung des US-Werks Spartanburg abgeschlossen und die neue Generation des X5 vorgestellt. Es ist das erste Fahrzeug, das auf einer einzigen Montagelinie mit fünf unterschiedlichen Antriebstechnologien gefertigt wird.
BMW produziert den neuen X5 in fünf verschiedenen Antriebsvarianten auf einer Linie im US-amerikanischen Spartanburg.
BMW
BMW hat den Abschluss der Investition von 1,7 Milliarden US-Dollar in den Produktionsstandort Spartanburg, im US-Bundesstaat South Carolina, mit der Weltpremiere der fünften Generation des X5 markiert. Das Fahrzeug ist zugleich ein klares Signal für die künftige Ausrichtung der Produktion. Er wird das erste Fahrzeug in der Geschichte des Unternehmens sein, das auf einer einzigen Montagelinie mit fünf verschiedenen Antriebstechnologien gebaut wird: Verbrenner, batterieelektrischer Antrieb, Plug-in-Hybrid, Diesel und perspektivisch Wasserstoff-Brennstoffzelle.
Für eine Branche, die weiterhin über Tempo und Ausgestaltung der Elektrifizierung ringt, ist genau dieses Detail entscheidend. Während viele Wettbewerber vor allem auf dedizierte E-Auto-Linien setzen oder bestehende Werke schrittweise umrüsten, hat BMW Spartanburg so ausgelegt, dass alle fünf Antriebsfamilien innerhalb einer Produktionssequenz gefertigt werden können. Nach Angaben des Unternehmens ist Spartanburg damit das erste Werk im weltweiten BMW-Produktionsnetzwerk, das dazu in der Lage ist.
„Als wir 2022 unsere Investitionspläne für South Carolina bekanntgegeben haben, haben wir ein klares Bekenntnis zur Zukunft der BMW Group in den Vereinigten Staaten abgegeben“, sagte der neue BMW-CEO Milan Nedeljkovic. „Heute lösen wir dieses Versprechen ein. Der Abschluss unserer Investitionen in die Werke Spartanburg und Woodruff unterstreicht unser Vertrauen in die Vereinigten Staaten und stärkt die Rolle South Carolinas als zentraler Standort im globalen Produktionsnetzwerk der BMW Group.“
Fünf Antriebe, eine Montagelinie
Die technische Leistung geht mit einer strategischen einher. BMW hat sich der binären Sichtweise entzogen, die weite Teile der Elektrifizierungsdebatte in der Branche geprägt hat. Stattdessen setzt der Hersteller auf einen technologieoffenen Ansatz: Verbrenner, Hybride und Elektrofahrzeuge werden parallel gebaut, anstatt eine Technologie zugunsten einer anderen auslaufen zu lassen.
Unser strategischer Kurs bleibt unverändert. Wir werden auch künftig die technologieoffene Strategie verfolgen, die BMW erfolgreich gemacht hat und uns auch in Zukunft erfolgreich machen wird
Milan Nedeljkovic, BMW AG
„Unser strategischer Kurs bleibt unverändert“, so Nedeljković weiter. „Wir werden auch künftig die technologieoffene Strategie verfolgen, die BMW erfolgreich gemacht hat und uns auch in Zukunft erfolgreich machen wird.“
Robert Engelhorn, Standortleiter in Spartanburg, beschreibt diese Flexibilität nicht nur als Angebot an die Kunden, sondern auch als operativen Schutzmechanismus. „Die Zukunft der BMW X Modelle wird weiterhin in South Carolina gestaltet“, sagte er. „Von hocheffizienten Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybrid-Systemen bis hin zu batterieelektrischen und künftigen wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen wird das Werk Spartanburg in der Lage sein, eine breite Palette von Antriebstechnologien für Kunden in den USA und auf der ganzen Welt zu montieren.“ Diese Flexibilität des Werks Spartanburg und des globalen Produktionsnetzwerks werde BMWs Widerstandsfähigkeit stärken, die Wahlfreiheit der Kunden unterstützen und die Münchner in die Lage versetzen, die Kundennachfrage auf jedem Niveau zu bedienen, so Engelhorn.
Dieses Resilienzargument ist entscheidend. Eine einzige Linie, die zwischen fünf Antriebsarten wechseln kann, verschafft BMW die Möglichkeit, Produktionsanteile je nach Nachfrage, regulatorischen Veränderungen oder Zolldruck anzupassen, ohne parallel neue Produktionskapazitäten mit hohem Kapitaleinsatz aufbauen zu müssen.
Elektrifizierung kommt in South Carolina an
Mit der Vorstellung des X5 bestätigte BMW zugleich, dass der BMW iX5 das erste vollelektrische BMW-Modell sein wird, das in den Vereinigten Staaten montiert wird. Die Produktion im Werk Spartanburg soll noch vor Ende 2026 anlaufen. Damit erreicht BMW einen weiteren Meilenstein im Rahmen der Zusagen, die das Unternehmen bereits mit seiner ursprünglichen Investitionsankündigung im Jahr 2022 gemacht hatte. Bis 2030 will BMW sechs vollelektrische Modelle in den USA montieren.
Diese Elektromodelle werden Hochvoltbatterien nutzen, die lokal im neu fertiggestellten Werk Woodruff montiert werden. Dort kommt ein „Cell-to-Pack“-Prinzip zum Einsatz: Die Batteriezellen werden direkt in das Gehäuse integriert. Separate Prozessschritte wie die Zellbeschichtung und die Modulproduktion, die klassischerweise Zeit und Komplexität in der Batteriemontage erhöhen, entfallen damit.
Physical AI hält Einzug in die Fertigung
Beide Werke wurden nach den Prinzipien der BMW iFactory aufgebaut, dem unternehmenseigenen Konzept für effiziente, nachhaltige und digital integrierte Produktion. Digitale Zwillinge und virtuelle 3D-Simulationen gehen an beiden Standorten der physischen Umsetzung voraus. Die unternehmenseigene Plattform AIQX, kurz für „Artificial Intelligence Quality Next“, nutzt entlang der Linie Sensor- und Kameradaten, um den Beschäftigten in Echtzeit Qualitätsfeedback zu geben.
Das Werk Spartanburg geht noch einen Schritt weiter: Im Rahmen der breiter angelegten Physical-AI-Initiative von BMW kommen dort humanoide Roboter von Figure AI zum Einsatz. Das Unternehmen sieht darin eine Möglichkeit, Mitarbeitende von körperlich anspruchsvollen und repetitiven Tätigkeiten zu entlasten, damit sie sich stärker auf Präzisionsaufgaben konzentrieren können. Es ist ein frühes, aber deutliches Signal dafür, wie BMW die Weiterentwicklung der Arbeit in der Produktion einschätzt – und ein Schritt, den andere Hersteller mit Blick auf eigene Anwendungen genau beobachten dürften.
Exportmotor für die USA
Die Zahlen, die Spartanburgs Bedeutung untermauern, sind beträchtlich. Seit 1994 wurden in dem Werk mehr als 7,3 Millionen Fahrzeuge montiert. Allein 2025 liefen dort 412.799 BMW X Modelle vom Band – zum siebten Mal überschritt der Standort damit die Marke von 400.000 Einheiten pro Jahr. Rund die Hälfte der aktuellen Produktion wird in nahezu 120 Länder exportiert. Damit trägt Spartanburg dazu bei, dass BMW nach Wert der führende Automobilexporteur der Vereinigten Staaten ist. Bis heute wurden von US-amerikanischem Boden aus knapp drei Millionen Fahrzeuge mit einem Gesamtwert von mehr als 113 Milliarden US-Dollar verschifft.
Über nahezu 30 Standorte in zwölf US-Bundesstaaten und mehr als 400 Zulieferer hinweg unterstützt BMW nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 120.000 Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten und leistet jährlich einen Beitrag von mehr als 43,3 Milliarden US-Dollar zur US-Wirtschaft. Seit 1999 wurde der X5 weltweit mehr als drei Millionen Mal verkauft, rund ein Drittel davon in den USA. Damit dürfte Spartanburg seine Rolle als globales Heimatwerk des Modells im Zuge der fortschreitenden Elektrifizierung weiter ausbauen – und nicht etwa verlieren.
Die Produktion des neuen BMW X5 in Bildern: