Mehr Arbeit für gleiches Geld?
Beschäftigte protestieren gegen Mercedes-Sparkurs
Bei Mercedes-Benz wächst der Widerstand gegen den verschärften Sparkurs. Die IG Metall ruft bundesweit zu Aktionen auf, nachdem der Vorstand weitere Einschnitte angekündigt hat. Im Fokus stehen Kosten, Arbeitszeiten und tarifliche Leistungen.
Unter anderem am Mercedes-Benz-Standort in Sindelfingen sind am 03. Juli Kundgebungen der IG Metall geplant.
Mercedes-Benz AG – Communicati
Die IG Metall ruft Beschäftigte von Mercedes-Benz bundesweit zu Protesten gegen den verschärften Sparkurs des Unternehmens auf. An diesem Freitag, dem 03. Juli, sollen Kundgebungen an den Standorten Sindelfingen und Untertürkheim stattfinden. Weitere Aktionen sind nach Angaben der Gewerkschaft unter anderem in Rastatt, Kuppenheim, Bremen, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Ludwigsfelde und Germersheim geplant. Hintergrund der Proteste ist eine weitere Verschärfung des Sparkurses beim Stuttgarter Autobauer. Die IG Metall wirft dem Unternehmen vor, die geplanten Maßnahmen einseitig zulasten der Beschäftigten auszurichten. Aus Sicht der Gewerkschaft würden dabei zentrale tarifliche Errungenschaften infrage gestellt.
Ein Mercedes-Sprecher erklärte: „Wir nehmen mögliche Unsicherheiten und Sorgen ernst. Mercedes-Benz ist es wichtig, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig und transparent zu informieren - auch bei schwierigen Entscheidungen. Wir respektieren, dass sich der Betriebsrat zur Produktivitätsoffensive äußert.“ Die Beschäftigtenvertretung hatte das Unternehmen vorab über die geplanten Proteste informiert.
Vorstand verweist auf angespannte Lage
Der Vorstand hatte die Beschäftigten in Deutschland Ende vergangener Woche in einem Schreiben über die Lage informiert. Darin hieß es, Mercedes-Benz müsse weiterhin mit Hochdruck die Kosten senken, um bei den Preisen für seine Produkte wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Situation in Deutschland sei trotz bisheriger Anstrengungen dramatisch.
Als Sofortmaßnahme sollen rund 90.000 der etwa 108.000 Beschäftigten in Deutschland eine tarifliche Sonderzahlung nicht wie erwartet im Juli erhalten. Die Zahlung werde auf das kommende Jahr verschoben. Dabei handelt es sich um den jährlichen Transformationsbaustein, der 18,4 Prozent des regelmäßigen individuellen Monatsentgelts beträgt. Nach Angaben der IG Metall kann diese Sonderzahlung in wirtschaftlichen Krisen verschoben oder ausgesetzt werden.
Arbeitskosten geraten in den Fokus
In dem Schreiben kündigte der Vorstand zudem an, Prozesse bei Mercedes-Benz deutlich beschleunigen und gewachsene Strukturen verschlanken zu wollen. Die Arbeitsstunde müsse zudem günstiger werden. Aus Sicht des Managements sei der direkteste und fairste Weg, in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr zu arbeiten.
Mit der Arbeitnehmervertretung wolle der Automobilhersteller in den kommenden Wochen und Monaten darüber sprechen, wie die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens in Deutschland gesichert werden könne. Damit rückt neben der Kostenbasis auch die Organisation der Arbeit stärker in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung.
Rückschläge belasten den Konzern
Mercedes-Benz steht seit längerer Zeit wirtschaftlich unter Druck. Im ersten Quartal dieses Jahres sank das Konzernergebnis um 17,2 Prozent. Im Jahr 2025 war der Gewinn des Unternehmens von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro gefallen. Bereits im Vorjahr hatte sich die Geschäftsentwicklung abgeschwächt.
Belastet wurde der Autobauer eigenen Angaben zufolge unter anderem durch Zölle, negative Wechselkurseffekte und intensiven Wettbewerb in China. Auch Absatz und Umsatz entwickelten sich rückläufig. Der Stuttgarter Hersteller hatte darauf bereits vor gut einem Jahr mit einem Sparprogramm reagiert, das intern als Programm zur Leistungssteigerung bezeichnet wird.