Medienberichte

VW konkretisiert Produktionsende in vier deutschen Werken

Ein internes Papier für den Aufsichtsrat nennt erstmals konkrete Termine für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Zwischen 2031 und 2034 soll dort die Fahrzeugproduktion auslaufen. Die Nachfolgermodelle würden auf andere europäische Werke verteilt.

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Das VW-Werk in Emden wurde vor nicht allzu langer Zeit erst modernisiert. Nun droht dennoch das Auslaufen der Produktion.
Das VW-Werk in Emden wurde vor nicht allzu langer Zeit erst modernisiert. Nun droht dennoch das Auslaufen der Produktion.

Die vier Standorte stehen seit Monaten unter Beobachtung. Bislang fehlte den Berichten über ein mögliches Aus der Fahrzeugproduktion jedoch ein konkreter Zeitplan. Das soll sich nun geändert haben: Nach Informationen der Wirtschaftswoche hat der Volkswagen-Vorstand ein Transformationskonzept beschlossen, das für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm feste Endtermine vorsieht. Das entsprechende Papier wurde demnach für die Sitzung des Volkswagen-Aufsichtsrats am 3. und 4. September 2026 erstellt. In Emden und Zwickau soll die Fahrzeugproduktion 2031 enden, in Hannover ein Jahr später. Für das Audi-Werk Neckarsulm nennt der Bericht das Jahr 2034.

Damit würden aus den bislang diskutierten Standortrisiken konkrete Planungsgrößen. Volkswagen-Chef Oliver Blume hatte angekündigt, innerhalb von sechs bis zwölf Monaten gemeinsam mit den Standorten Perspektiven erarbeiten zu wollen. Nach Berechnungen des Betriebsrats hängen an einer künftigen Belegung der vier Werke rund 40.000 Arbeitsplätze.

Die nun bekannt gewordenen Planungen passen zur bereits angekündigten Verkleinerung des Produktionsverbunds. Volkswagen will sein weltweites Netzwerk künftig auf eine Jahreskapazität von rund neun Millionen Fahrzeugen ausrichten. Vor der Corona-Pandemie war es noch auf etwa zwölf Millionen Einheiten ausgelegt. Kapazitäten für rund zwei Millionen Fahrzeuge hat der Konzern nach eigenen Angaben bereits abgebaut. Nachfolgemodelle gehen an andere Standorte. Das interne Papier beschreibe nicht nur, wann die Fertigung an den vier deutschen Standorten auslaufen soll. Es ordne auch die jeweils vorgesehenen Nachfolgemodelle anderen europäischen Werken zu, so die Wirtschaftswoche.

Der Nachfolger des ID.4 soll demnach ab 2031 nicht mehr in Emden entstehen. Das im Dokument als „ID.Tiguan“ bezeichnete Modell ist für das Škoda-Werk Mladá Boleslav in Tschechien vorgesehen. Im selben Jahr soll Zwickau den Nachfolger des Audi Q4 e-tron an Bratislava verlieren.

Für Hannover nennt der Bericht 2032 als Endpunkt. Die neue Elektro-Transporterfamilie B-Space, intern als T8 bezeichnet, würde anschließend im polnischen Poznań gebaut. Volkswagen Nutzfahrzeuge hatte den Start der neuen Modellfamilie für die Zeit ab 2028 angekündigt.

In Neckarsulm soll die Fahrzeugfertigung laut dem Papier bis 2034 weiterlaufen. Danach würde der Nachfolger des Audi A8 nicht mehr am bisherigen Standort, sondern in Leipzig produziert.

Die Verlagerungen betreffen damit nicht allein die laufenden Baureihen. Den vier Werken würden vor allem jene Folgeprojekte fehlen, die nach dem Ende der aktuellen Modelle für eine weitere Auslastung sorgen könnten. Welche anderen Aufgaben oder Geschäftsfelder an den Standorten verbleiben sollen, geht aus dem Bericht nicht hervor. Auch der verwendete Begriff „End of Production“, kurz EOP, ist von einer vollständigen Schließung zu unterscheiden. Gemeint ist zunächst das Ende der Fahrzeugproduktion. Ob einzelne Werksbereiche weiterarbeiten, neue Aufgaben erhalten oder anderweitig genutzt werden könnten, bleibt offen.

Emden verliert seine langfristige Elektro-Perspektive

Besonders weitreichend wäre der Plan für Emden. Volkswagen hat den Standort erst in den vergangenen Jahren für mehr als eine Milliarde Euro auf Elektromobilität umgestellt. Seit dem Ende der Verbrennerfertigung entstehen dort ausschließlich Elektroautos, darunter der ID.4, der ID.7 und der ID.7 Tourer. Rund 7.700 Menschen arbeiten in dem Werk. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hatte noch im April erklärt, für ihn gebe es keine Alternative zu einer langfristigen Absicherung des Standorts. Er verwies dabei gerade auf den Umbau zum Elektroautowerk und die dafür getätigten Investitionen. Der nun beschriebene Wechsel des ID.4-Nachfolgers nach Mladá Boleslav würde diese Perspektive infrage stellen. Was nach 2031 mit der Produktion des ID.7 oder möglichen weiteren Modellen geschehen soll, bleibt unklar.

In Zwickau läuft die Verkleinerung bereits

In Zwickau ist der Rückgang der Produktionsumfänge schon heute sichtbar. Das Werk fertigt seit 2020 ausschließlich Elektroautos, erreicht aber nicht mehr die ursprünglich geplanten Stückzahlen. Nach Angaben des Betriebsrats ist die Fabrik für bis zu 360.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt. Für 2026 wurden zuletzt nur etwa 202.000 Einheiten erwartet. Eine der beiden Fertigungslinien soll 2027 stillgelegt werden.

Auch die Beschäftigtenzahl ist gesunken. Zu Spitzenzeiten arbeiteten rund 11.000 Menschen in dem Werk, zuletzt waren es noch ungefähr 8.000. Mehr als 1.000 weitere Stellen sollen in den kommenden Jahren planmäßig wegfallen. Für Zwickau gilt bislang eine Standortgarantie bis Ende 2030. Das im internen Papier genannte Produktionsende 2031 würde somit unmittelbar daran anschließen.

Als zusätzliches Geschäftsfeld baut Volkswagen in Zwickau die Kreislaufwirtschaft auf. Ab 2030 sollen dort jährlich bis zu 15.000 gebrauchte Fahrzeuge zerlegt oder wiederaufbereitet werden. Perspektivisch könnten damit bis zu 1.000 Arbeitsplätze verbunden sein. Der Umfang bliebe allerdings deutlich kleiner als bei einer voll ausgelasteten Fahrzeugproduktion. Ob dieser Bereich auch nach einem möglichen EOP 2031 fortgeführt würde, bleibt ebenfalls offen.

Hannover und Neckarsulm verlieren wichtige VW-Kernmodelle

In Hannover betrifft der Plan das Stammwerk von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Dort werden derzeit unter anderem der Multivan und der ID. Buzz gebaut. Mit der Verlagerung des B-Space nach Poznań würde die nächste Transportergeneration nicht mehr an den niedersächsischen Standort gehen.

Die Entscheidung würde zugleich die Rolle des polnischen Produktionsverbunds stärken. Poznań gehört bereits heute zu den zentralen Standorten von Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Neckarsulm ist der einzige der vier Standorte, der nicht zur Kernmarke Volkswagen beziehungsweise zu Volkswagen Nutzfahrzeuge gehört. Audi fertigt dort aktuell unter anderem A5, A6 und A8. Das interne Papier nennt ausschließlich den Wechsel des A8-Nachfolgers nach Leipzig. Wie lange die übrigen Baureihen in Neckarsulm produziert werden sollen und ob der Standort andere Produkte erhalten könnte, bleibt offen.

Kostenziel entscheidet über weitere Belegung

Ganz ausgeschlossen ist eine Fortsetzung der Fahrzeugproduktion laut dem Bericht nicht. Die vier Werke sollen noch die Möglichkeit erhalten, ihre Wettbewerbsfähigkeit nachzuweisen. Dafür müssten sie ihre Fabrikkosten bis Ende Juni 2027 auf ein konkurrenzfähiges Niveau senken. Erst anschließend würde Volkswagen nach den vorliegenden Informationen prüfen, ob weitere Modelle vergeben werden können. Eine automatische Zusage für ein Anschlussprojekt ist mit dem Erreichen des Kostenziels demnach nicht verbunden.

Als Begründung verweise das Papier auf einen erheblichen Abstand innerhalb des europäischen Produktionsnetzwerks. Die deutschen Konzernstandorte kamen 2025 im Durchschnitt auf Fabrikkosten von 6.490 Euro je Fahrzeug. An den europäischen Werken außerhalb Deutschlands waren es im Mittel 2.832 Euro. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte und nicht um eine individuelle Kostenrechnung für jedes der vier Werke. Welche Vorgabe Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm jeweils erfüllen müssten, wird nicht genannt.

Dass Auslastung und Stückkosten eng miteinander verbunden sind, zeigt das Beispiel Zwickau. Der dortige Betriebsrat erklärte zuletzt, das Werk könne bei voller Kapazitätsauslastung ein mit Bratislava vergleichbares Kostenniveau erreichen. Sinkende Volumina erhöhen dagegen die Kosten je gebautem Fahrzeug – und verschlechtern damit wiederum die Chancen auf ein neues Modell.

Auch Zuffenhausen soll Kapazität abbauen

Das Transformationskonzept beschränkt sich offenbar nicht auf die vier genannten Standorte. Im Porsche-Werk Zuffenhausen soll ab 2030 die Taycan-Linie abgebaut werden. Dadurch würde die jährliche Produktionskapazität um rund 30.000 Fahrzeuge sinken. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm wird die Auseinandersetzung zunächst im Aufsichtsrat fortgesetzt. Arbeitnehmervertreter, IG Metall und das Land Niedersachsen lehnen ein Aus deutscher Werke weiterhin ab. Gleichzeitig wird laut dem Bericht an einem Kompromiss gearbeitet, bei dem der Aufsichtsrat das übergeordnete Sanierungskonzept billigen, Entscheidungen über einzelne Standorte aber zunächst zurückstellen könnte.

Ob eine solche Vertagung den EOP-Fahrplan tatsächlich aufhalten würde, ist unklar. Nach der im Bericht dargestellten Auslegung der Volkswagen-Satzung gehört das bloße Auslaufen einer Produktion nicht zu den Geschäften, die zwingend vom Aufsichtsrat genehmigt werden müssen. Zustimmungspflichtig wären demnach die Errichtung oder Verlegung von Produktionsstätten. Der Vorstand könnte die Fahrzeugfertigung an einem Standort somit möglicherweise auslaufen lassen, ohne über jedes Werk gesondert abstimmen zu lassen.

Volkswagen kommentierte die internen Unterlagen nicht. Der Konzern verwies darauf, dass entsprechende Dokumente zunächst in den zuständigen Gremien beraten und verabschiedet würden.