Koreaner mit ambitioniertem Plan

Hyundai kündigt 100 neue Modelle bis 2030 an

Hyundai schärft seine Wachstumsstrategie bis 2030: Mehr als 100 neue oder überarbeitete Modelle – darunter auch Range-Extender – Robotaxis mit Waymo sowie Investitionen in KI, Batterietechnik und lokale Produktion sollen das Wachstum absichern.

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Hyundai CEO José Muñoz hat ein ziemliches Strategie-Brett vor Investoren vorgelegt. Jetzt müssen die Koreaner auch liefern.

Hyundai hat einen umfassenden Fünf-Jahres-Plan mit Blick auf neue Produkte, Technologien und die eigene Produktion vorgelegt. Beim CEO Investor Day 2026 hat der koreanische Hersteller angekündigt, bis 2030 weltweit mehr als 100 neue oder überarbeitete Modelle auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in autonomes Fahren, Robotaxidienste, Robotik, Batterietechnologien und den Ausbau seiner globalen Fertigung.

Bis zum Ende des Jahrzehnts will Hyundai weltweit 5,55 Millionen Fahrzeuge verkaufen und einen Marktanteil von sechs Prozent erreichen. Der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge soll dabei von 23 Prozent im Jahr 2025 auf 60 Prozent steigen. Grundlage dafür ist eine ungewöhnlich breite Antriebsstrategie, die Batterieautos, Hybride, Verbrenner und künftig auch sogenannte Extended Range Electric Vehicles (EREV) umfasst. Diese Fahrzeuge kombinieren einen elektrischen Antrieb mit einem Reichweitenverlängerer.

„Unsere Ausgangslage ist so stark wie nie zuvor. Die Hyundai Motor Group ist die drittgrößte Automobilgruppe weltweit und zugleich die zweitprofitabelste“, sagte CEO José Muñoz. „Bis 2030 bringen wir mehr als 100 neue Modelle mit unterschiedlichen Antriebsoptionen auf den Markt.“

Range-Extender soll 2027 Debüt feiern

Ein wichtiger Baustein der Produktoffensive ist das erste Range-Extender-Modell des Konzerns. Der Santa Fe EREV soll in der ersten Jahreshälfte 2027 starten und nach Unternehmensangaben eine Reichweite von mehr als 965 Kilometern erreichen. Produziert werden soll das Fahrzeug im US-Werk Alabama.

Darüber hinaus plant Hyundai den Einstieg in zusätzliche Fahrzeugsegmente. Dazu zählen unter anderem Mid-Size-Pick-ups und leichte Nutzfahrzeuge. Insgesamt sieht der Hersteller in bislang unterrepräsentierten Marktsegmenten Wachstumspotenzial. Parallel dazu wird die Performance-Marke Hyundai N weiter ausgebaut. Bis 2030 strebt das Unternehmen einen jährlichen Absatz von 100.000 Fahrzeugen der Sportbaureihe an.

Lokalisierung gewinnt an Bedeutung

Die neuen Ankündigungen ergänzen die bereits vorgestellte Nordamerika-Strategie. Erst im März hatte Hyundai angekündigt, zwischen 2026 und 2030 insgesamt 36 neue oder grundlegend überarbeitete Modelle für die USA, Kanada und Mexiko einzuführen. Gleichzeitig soll die lokale Fertigung deutlich gestärkt werden. Bis 2030 will Hyundai rund 80 Prozent der in den USA verkauften Fahrzeuge auch dort produzieren. Die lokale Teilebeschaffung soll ebenfalls von 60 auf 80 Prozent steigen.

Auch Europa bleibt ein wichtiger Baustein der Wachstumsstrategie. Bis 2030 will Hyundai nach eigenen Angaben rund 85 Prozent des europäischen Marktes mit einem elektrifizierten Portfolio abdecken. Geplant sind unter anderem fünf neue SUV-Modelle sowie zusätzliche leichte Nutzfahrzeuge. Der Absatz von Elektrofahrzeugen in Europa soll von 116.000 Einheiten im Jahr 2025 auf mehr als 420.000 Fahrzeuge bis 2030 steigen. Bereits im Herbst 2026 bringt Hyundai mit dem Ioniq 3 ein neues Elektromodell auf den europäischen Markt, das zugleich als erstes Fahrzeug der Region die neue Infotainment-Plattform Pleos Connect erhält. Das Modell wird in der Türkei produziert

Insgesamt plant Hyundai bis 2030 eine globale Produktionsausweitung um 1,27 Millionen Einheiten. Allein Nordamerika soll zusätzliche Kapazitäten von 500.000 Fahrzeugen erhalten.

Nvidia wird zum zentralen Technologiepartner

Auch beim autonomen Fahren konkretisiert Hyundai seine Pläne. Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei Nvidia. Die beiden Unternehmen haben ihre Kooperation zuletzt deutlich ausgeweitet. Künftig soll die Plattform Drive Hyperion als technologische Grundlage für automatisierte Fahrfunktionen dienen. Ziel ist eine skalierbare Architektur von Level 2+ bis Level 4.

Bereits ab Ende 2026 sollen reale Verkehrsdaten für die Weiterentwicklung der eigenen Fahr-KI „Atria AI“ gesammelt werden. Für 2028 kündigt Hyundai die Einführung von Level-2+-Funktionen im ersten serienmäßig produzierten Software Defined Vehicle (SDV) des Konzerns an. Dafür investiert das Unternehmen auch in die notwendige Infrastruktur. Ab 2029 soll ein KI-Rechenzentrum mit mehr als 50.000 GPUs den Datenbedarf für autonome Fahrfunktionen und softwaredefinierte Fahrzeuge abdecken.

Robotaxis und Humanoide im Blick

Neben dem klassischen Fahrzeuggeschäft setzt Hyundai verstärkt auf neue Mobilitäts- und Robotikmärkte. Noch im vierten Quartal 2026 sollen die ersten Ioniq-5-Robotaxis an Waymo ausgeliefert werden. Ab 2027 will Hyundai damit die internationale Expansion autonomer Mobilitätsdienste unterstützen.

Gleichzeitig treibt der Hersteller gemeinsam mit Boston Dynamics die Industrialisierung von Robotik-Anwendungen voran. Der humanoide Roboter Atlas soll ab 2028 in der Hyundai Motor Group Metaplant America eingesetzt werden. „Wir entwickeln uns zu einem Physical-AI-Unternehmen, das Roboter und Robotaxis entwickelt, produziert und einsetzt“, sagte Muñoz.

Eigene Batteriezellen und höhere Margenziele

Auch die Batterietechnik rückt stärker in den Fokus. Hyundai hat eigene Batteriezellen entwickelt, die laut Unternehmen mehr als die doppelte Leistungsfähigkeit heutiger High-Nickel-Zellen erreichen und die Ladezeiten um 40 Prozent reduzieren sollen. Zudem soll eine neue Sicherheitslösung verhindern, dass sich thermische Ereignisse innerhalb eines Batteriepakets ausbreiten.

Finanziell peilt Hyundai bis 2030 eine operative Marge von über neun Prozent an. Gleichzeitig sollen die Kosten entlang des Fahrzeuglebenszyklus sowie durch eine stärkere Lokalisierung von Produktion und Lieferketten sinken.

Mit der Kombination aus breiter Modelloffensive, regionaler Fertigung, Softwareplattformen und Robotik verfolgt Hyundai einen Ansatz, der deutlich über das klassische Automobilgeschäft hinausgeht. Ob Robotaxis, Humanoide oder KI-Infrastruktur: Die Koreaner positionieren sich zunehmend als Technologie- und Mobilitätskonzern mit mehreren Wachstumssäulen.