Puebla macht sich bereit für den VW Golf
Der Golf zieht ab 2027 von Wolfsburg nach Puebla. Volkswagen bereitet das Werk mit wiederverwendeten Anlagen aus mehreren europäischen Standorten auf das Traditionsmodell vor.
Das VW-Werk in Puebla (links) wird die neue Heimat des VW Golf.
Volkswagen/OpenAI
Der Golf ist das Volkswagen-Modell schlechthin. Über Jahrzehnte war er untrennbar mit dem Stammsitz in Wolfsburg verbunden und prägte Werk und Marke wie kaum ein anderes Fahrzeug. Dass Golf und Golf Variant ab 2027 nicht mehr in Wolfsburg, sondern im mexikanischen Puebla vom Band laufen sollen, dürfte deshalb für viele noch immer schwer vorstellbar sein.
Doch während der Abschied aus Wolfsburg emotional und industriepolitisch nachwirkt, schafft Volkswagen in Mexiko bereits Fakten. Der Konzern bereitet das Werk Puebla auf die Übernahme des Traditionsmodells vor. Dabei setzt das Unternehmen nicht ausschließlich auf neue Produktionstechnik, sondern führt Anlagen und Betriebsmittel aus mehreren europäischen Standorten zusammen.
Woher kommt die Technik für den Golf?
Besonders sichtbar wird dieser Ansatz im Karosseriebau. Ein großer Teil der künftig in Puebla eingesetzten Roboter und Anlagenkomponenten stammt aus bestehenden Werksstrukturen, wie Volkswagen gegenüber Automobil Produktion mitteilte. Dazu gehören auch Betriebsmittel aus dem inzwischen geschlossenen Audi-Werk in Brüssel. Ergänzend übernimmt Puebla mehr als 200 Schweißsteuerungen und Schweißzangen aus Neckarsulm und Emden. Die Technik wird aufbereitet, an die Anforderungen der Golf-Produktion angepasst und in die vorhandenen Strukturen des mexikanischen Werks integriert.
Das Projekt gehört nach Angaben des Unternehmens zu den größten Retooling-Vorhaben im Produktionsnetzwerk des Volkswagen-Konzerns. Vorhandene Anlagen erhalten damit an einem anderen Standort einen neuen industriellen Lebenszyklus.
Warum setzt Volkswagen auf vorhandene Anlagen?
Mit der Wiederverwendung will Volkswagen den Beschaffungsaufwand reduzieren, Projektlaufzeiten verkürzen und den Ressourcenverbrauch begrenzen. Zugleich passt das Vorgehen in eine Phase, in der der Konzern Investitionen und Produktionskosten besonders kritisch prüft.
Die Übernahme vorhandener Technik ist dennoch kein einfacher Umzug von Maschinen. Anlagen aus unterschiedlichen Werken müssen technisch überarbeitet und zu einer stabilen Produktionsstruktur verbunden werden. Entscheidend wird sein, ob die zusammengeführten Roboter und Schweißanlagen dauerhaft die Qualitäts-, Taktzeit- und Verfügbarkeitsanforderungen des Golf erfüllen.
Für Puebla bedeutet die Modellverlagerung eine weitere Aufwertung innerhalb des Produktionsnetzwerks. Wolfsburg verliert dagegen das Fahrzeug, mit dem der Stammsitz über Jahrzehnte besonders eng verbunden war. Der elektrische Golf soll später wieder in Wolfsburg gefertigt werden. Der klassische Golf tritt seine Reise nach Mexiko jedoch bereits 2027 an.