BMW-Werk Woodruff rüstet sich für smarte Batteriemontage
Vor dem Serienstart im Dezember setzt das neue BMW-Werk Woodruff in South Carolina auf Künstliche Intelligenz und Virtual-Reality-Training. So soll die fehlerfreie Montage von Gen6-Hochvoltbatterien für den vollelektrischen BMW iX5 gelingen.
Woodruff spielt eine Schlüsselrolle in der US-Elektrostrategie des bayerischen OEMs.BMW
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South Carolina dient der BMW Group bereits seit drei Jahrzehnten als Erprobungsfeld außerhalb Deutschlands – und übernimmt nun eine neue Rolle. Im Dezember 2026 beginnt das neu errichtete Werk Woodruff mit der Serienproduktion von Hochvoltbatterien für den vollelektrischen BMW iX5. Er ist die erste batterieelektrische Variante einer Baureihe, die seit 1999 das Produktionsprogramm in Spartanburg prägt.
Die zeitgleich mit der Weltpremiere des X5 veröffentlichte Ankündigung markiert den Moment, in dem BMWs amerikanische „Local-for-Local“-Batteriestrategie von der Baustelle an die Produktionslinie wechselt.
Standort stärkt Elektromobilität in South Carolina
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Die Bedeutung von Woodruff reicht weit über ein einzelnes Modell hinaus. „Das Werk Woodruff spielt eine Schlüsselrolle beim Hochlauf der Elektromobilität in den USA“, sagte Raymond Wittman, Mitglied des Vorstands der BMW AG und verantwortlich für Produktion.
„Mit unserer Gen6-Hochvoltbatterie machen wir nicht nur einen großen technologischen Sprung – wir setzen auch neue Maßstäbe in der Produktion. In Woodruff verbinden wir modernste Prozesse, künstliche Intelligenz und das Know-how unserer Mitarbeitenden zu einer Produktionsstätte, die auf höchste Qualität ausgelegt ist.“
Seit 2011 für BMW tätig: Robert Engelhorn.Fred Rollison Photography
Für Robert Engelhorn, President und CEO von BMW Manufacturing Co., LLC, schließt das Werk einen Kreis, der mit der Zusage des Konzerns aus dem Jahr 2022 begann, seine Standorte in South Carolina auf die Montage von Elektrofahrzeugen vorzubereiten.
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„Mit dem Werk Woodruff erweitern wir unsere Präsenz in South Carolina weiter und stärken die enge Verzahnung von Batterie- und Fahrzeugproduktion“, so Engelhorn. „Damit schaffen wir die ideale Grundlage für die nächste Generation vollelektrischer BMW X-Modelle, die im Werk Spartanburg gebaut werden.“
Die fertigen Batterien werden per Lkw lediglich rund 24 Kilometer nach Spartanburg transportiert und dort in vollelektrische X-Modelle eingebaut. BMW betrachtet diese räumliche Nähe weniger als Annehmlichkeit, sondern vielmehr als grundlegendes Prinzip seines Produktionskonzepts.
Intelligente Produktion soll sämtliche Fehler vermeiden
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Was Woodruff von einem konventionellen Batteriewerk unterscheidet, ist die dichte digitale Infrastruktur rund um den physischen Produktionsprozess. Die Gen6-Batterie basiert auf einer Cell-to-Pack-Architektur, bei der neue zylindrische Rundzellen direkt in das Batteriepaket integriert werden, statt sie zunächst zu Modulen zusammenzufassen.
Jeder Produktionsschritt wird inline überwacht und in Echtzeit dokumentiert. Intern entwickelte KI-Assistenten und -Agenten interpretieren die Daten kontinuierlich. Gemeinsam mit mehr als 300 Mitarbeitenden und 250 Robotern sollen sie die von BMW angestrebte Null-Fehler-Produktion von Batterien ermöglichen.
Dieselbe KI-Ebene dient auch dazu, die Gesamtanlageneffektivität zu steigern. Das Werk kann dadurch bereits lange vor dem Ende einer Schicht in Echtzeit erkennen, an welchen Stellen Produktionsleistung verloren geht.
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Mitarbeitende trainieren zuerst in der virtuellen Fabrik
Bevor die Anlagen im realen Betrieb anlaufen, absolvieren die Produktionsmitarbeitenden in Woodruff ein vor Ort entwickeltes Virtual-Reality-Training. Ein digitaler Zwilling des Werks bildet die Produktionslinien detailliert nach. Dadurch können die Beschäftigten die Arbeitsabläufe allein mit einem Headset und einem PC einüben, bevor sie mit den tatsächlichen Maschinen arbeiten.
Diese Reihenfolge ist ebenso wichtig wie die Technologie selbst. Digitale Zwillinge und Virtual-Reality-Anwendungen kamen bereits lange vor der Inbetriebnahme für die Planung und Schulung zum Einsatz. Die Belegschaft erreicht die reale Produktionslinie dadurch bereits mit einem genauen Verständnis der vorgesehenen Abläufe.
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Vom Spatenstich zur Serienproduktion binnen drei Jahren
Auch das Tempo der Umsetzung ist Teil der Geschichte. Der erste Spatenstich in Woodruff erfolgte im Juni 2023. Damals markierte BMW-Vorstandsmitglied Ilka Horstmeier gemeinsam mit regionalen Vertretern und Repräsentanten des Bundesstaats den Baubeginn auf dem Gelände einer rund 127 Hektar großen Pfirsichfarm.
Im Oktober desselben Jahres begann die Stahlkonstruktion zu wachsen. Im Juni 2024 wurde der letzte Träger montiert. BMW würdigte diesen Moment, indem das Unternehmen anstelle des üblichen immergrünen Baums eine Palme zusammen mit den Flaggen der USA und South Carolinas auf das Gebäude hob. Die Installation der Produktionsanlagen begann im September 2024, während die Bauarbeiten parallel weiterliefen. Bereits im darauffolgenden Sommer verließen die ersten Vorserienbatterien die Linie.
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„Das Werk Woodruff zeigt, wie schnell wir ein neues Batteriekonzept in die industrielle Produktion überführen können“, so Rich Everly, Vice President Production in ebenjenem Werk. „Der entscheidende Faktor ist das Zusammenspiel eines qualifizierten und engagierten Teams mit dem kontinuierlichen Erfahrungsaustausch innerhalb des Produktionsnetzwerks.“
Gen6-Zellen senken den CO₂-Fußabdruck
Die Batterie selbst stellt gegenüber ihrem Vorgänger einen deutlichen Technologiesprung dar. Im Vergleich zur Gen5-Zelle im BMW iX reduzieren die neuen zylindrischen Zellen die CO₂e-Emissionen je Wattstunde um rund 28 Prozent.
Dazu tragen ein hoher Anteil an Sekundärmaterialien beim eingesetzten Kobalt, Lithium und Nickel sowie erneuerbare Energien in der Anoden-, Kathoden- und Zellfertigung bei. Das Werk Woodruff arbeitet im regulären Betrieb ohne fossile Brennstoffe. Die eingesetzten Flurförderzeuge werden mit Wasserstoff betrieben.
Das daraus entstehende Batteriepaket bietet im iX5 60 xDrive einen nutzbaren Nettoenergieinhalt von 144 kWh in den USA und 141 kWh in der EU. Es handelt sich um die bislang größte Batterie in einem vollelektrischen BMW. Sie versorgt zwei Elektroantriebe an Vorder- und Hinterachse, die über das xDrive-Allradsystem des Konzerns zusammenarbeiten.
Lokales Produktionsnetz nimmt Form an
Woodruff ist kein Einzelprojekt, sondern Teil eines größeren Produktionsstrategie. BMW errichtet vergleichbare Montagewerke für Hochvoltbatterien in Irlbach-Straßkirchen in Niederbayern, im chinesischen Shenyang und im mexikanischen San Luis Potosí. Das Werk im ungarischen Debrecen produziert die jüngste Batteriegeneration bereits seit Oktober 2025 in Serie. An allen fünf Standorten folgt BMW derselben Logik: Die Batteriemontage bleibt in unmittelbarer Nähe zu den Fahrzeugwerken, die sie versorgt. Nach Darstellung des Konzerns stärkt dieses Konzept die regionale Lieferinfrastruktur und sichert Arbeitsplätze in den jeweiligen Märkten.
Die Größenordnung der BMW Group verleiht dieser Strategie Gewicht. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern weltweit 2,46 Millionen Pkw und mehr als 202.500 Motorräder. Bei einem Umsatz von 133,5 Milliarden Euro erzielte das Unternehmen einen Gewinn vor Steuern von 10,2 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund wirken die seit 1992 kumulierten Investitionen von umgerechnet rund 13,8 Milliarden Euro in South Carolina weniger wie eine einzelne Wette als vielmehr wie ein Baustein eines bewusst diversifizierten globalen Produktionsnetzwerks.