So bringt Audi künstliche Intelligenz in die Fertigung
Audi setzt ab sofort in seinem gesamten Produktionsnetzwerk cloudbasierte Steuerungssysteme und KI-gestützte Tools ein. Die Plattform „Edge Cloud 4 Production“ soll massiv Industriecomputer einsparen und KI-Use-Cases in die Breite der Fertigung bringen.
Audi setzt in Neckarsulm weltweit erstmals die virtuelle Steuerung im Karosseriebau in Großserie ein.Audi
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Audi beschleunigt den Einsatz künstlicher Intelligenz in
seinen Produktionsstätten und führt Systeme ein, die Fertigungsprozesse über
Cloud-Plattformen statt über stationäre Fabrikcomputer steuern. Im Werk
Neckarsulm schleifen Roboter nun Schweißspritzer an den Unterböden von
Karosserien ab, nachdem KI-gestützte Kameras Unvollkommenheiten identifiziert
und mit Licht markiert haben.
Das System eliminiert eine körperlich anstrengende Aufgabe
und zeigt gleichzeitig, wie maschinelles Lernen in die Großserienfertigung
integriert werden kann. Sechs weitere Installationen sind für den Audi-Standort
Ingolstadt geplant.
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„Künstliche Intelligenz ist ein Quantensprung für die
Effizienz unserer Produktion. Wir verwandeln mit unserer KI- und
Digitalisierungs-Roadmap unsere Werke in denkende Fabriken, in denen KI als
Partner unsere Mitarbeitenden passgenau unterstützt. Erste KI-gesteuerte
Roboter übernehmen vollständig ergonomisch anstrengende Aufgaben und Chatbots
sorgen zusätzlich für Entlastung“, erklärt Gerd Walker, Audi-Vorstand für
Produktion und Logistik.
Die Technologie baut auf Partnerschaften mit Institutionen
wie dem Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI) in Heilbronn auf, der
Zugang zu neuen Anwendungen und Forschungstalenten bietet. Der Ansatz von Audi
kombiniert jahrzehntelange Fertigungskompetenz mit externen Innovationen und
schafft so ein Entwicklungsmodell, das den Transfer von Laborideen zu serienreifen
Systemen beschleunigt.
In der Montage in deutschen Werken erhalten die
Mitarbeiterführungssysteme nun Echtzeitinformationen zu Fahrzeugspezifikationen
und regionalen Varianten aus zentralisierten Cloud-Quellen. Durch die Migration
konnten bereits mehr als 1.000 Industrie-PCs eingespart werden, wodurch der
Wartungsaufwand für die Hardware reduziert und die Cybersicherheit durch
standardisierte Softwarebereitstellung verbessert wurde.
Künstliche Intelligenz ist ein Quantensprung für die Effizienz unserer Produktion. Wir verwandeln mit unserer KI- und Digitalisierungs-Roadmap unsere Werke in denkende Fabriken, in denen KI als Partner unsere Mitarbeitenden passgenau unterstützt.
Gerd Walker, Audi-Produktionsvorstand
Edge Cloud 4 Production wurde in der Karosseriewerkstatt A5
und A6 in Neckarsulm einem groß angelegten Test unterzogen, bei dem virtuelle
speicherprogrammierbare Steuerungen die lokale Hardware in den
Produktionslinien ersetzten. Rund 100 Roboter koordinieren ihre Arbeit über die
Cloud-Plattform mit einer Präzision, die ausreicht, um täglich mehrere hundert
Fahrzeugkarosserien in drei Schichten zu fertigen. Damit wurde ein solches
System erstmals in der Großserienfertigung von Automobilen eingesetzt.
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Die Architektur vereinfacht auch Software-Updates und
Sicherheitspatches, die zuvor während Produktionspausen auf jedem Gerät einzeln
installiert werden mussten. Mit der cloudbasierten Bereitstellung können
Änderungen gleichzeitig auf mehreren Systemen implementiert werden, was
Ausfallzeiten reduziert und die Einführung neuer Fertigungsmöglichkeiten
beschleunigt.
Die KI-Anwendung ProcessGuardAI bündelt beispielsweise für die kathodische Tauchlackierung menschliches Wissen mit Maschinen- und Sensordaten.Audi
Die „ProcessGuardAI“-Plattform von Audi kombiniert Expertenwissen
mit Maschinen- und Sensordaten, um Fertigungsschritte in Echtzeit zu
überwachen. Das System erkennt Anomalien frühzeitig und alarmiert Spezialisten,
sodass schneller eingegriffen werden kann, bevor sich Fehler in der
Produktionskette ausbreiten.
In der Lackiererei in Neckarsulm laufen derzeit zwei
Pilotprojekte, die sich auf die Dosierungsoptimierung in der Vorbehandlung und
die Erkennung von Anomalien bei der kathodischen Tauchlackierung konzentrieren.
Beide Anwendungen sollen im zweiten Quartal 2026 in die Serienproduktion
eingeführt werden. Es ist geplant, das System als zentrales Werkzeug für die
vorausschauende Wartung und Qualitätssicherung auf alle Fertigungsprozesse
auszuweiten.
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Die Plattform entstand aus der „P-Data Engine“ von Audi,
einer werksübergreifenden Initiative, die System- und Anlagendaten auf einem
einheitlichen Qualitätsniveau standardisiert. Diese konsolidierte Datenbank
ermöglicht es Datenwissenschaftlern, KI-Anwendungen schnell zu entwickeln und
zu skalieren und so modulare Lösungen zu schaffen, die im gesamten
Produktionsnetzwerk des Volkswagen-Konzerns eingesetzt werden können.
Zukünftige Versionen von ProcessGuardAIn werden
datenbasierte Empfehlungen liefern und Mitarbeiter über mobile Anwendungen
durch Korrekturmaßnahmen führen. Der Fortschritt von der Erkennung zur
Empfehlung stellt eine Veränderung in der Art und Weise dar, wie KI
Fertigungsentscheidungen unterstützt, und geht über die passive Überwachung
hinaus hin zur aktiven Problemlösung.
Automatisierung des Kabelbaum-Einbaus
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Das Projekt „Next2OEM“ befasst sich mit einem der nach wie
vor manuell durchgeführten Arbeitsschritte in der Automobilfertigung. In
Zusammenarbeit mit zehn Partnern demonstriert Audi an seinem Standort in
Ingolstadt die vollständige Digitalisierung und Automatisierung der Kabelbaumfertigung
und -montage, von der Herstellung beim Zulieferer bis zum Einbau im Fahrzeug.
Derzeit sind branchenweit weniger als zehn Prozent der Arbeiten an Kabelbäumen
automatisiert.
Bislang ist die Kabelbaumfertigung wenig automatisiert. Audi will das nun ändern.Audi
Ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
geförderter Demonstrator bildet die gesamte Prozesskette ab, einschließlich der
Kabelbaumfertigung, der Vormontage in der Mittelkonsole mit
automatisierungskompatiblen Steckverbindern und der automatisierten
Installation, die von einem zentralen System gesteuert wird. Dieser Ansatz
reduziert die logistische Komplexität und verkürzt die Vorlaufzeiten für
technische Änderungen von Wochen auf Minuten.
Audi testet außerdem in seiner Lackiererei in Neckarsulm
einen KI-gestützten Trocknerbetrieb, der in Zusammenarbeit mit der Initiative
appliedAI und der CVET GmbH entwickelt wurde. Das System verbindet Temperatur-
und Luftmengenregler in Längstrocknern mit einem KI-Modell und ermöglicht so
eine schnellere Reaktion auf Geschwindigkeitsschwankungen in der
Produktionslinie. Die Tests werden bis zum Sommer 2026 fortgesetzt, um das
Energieeinsparpotenzial zu messen.
Rund 60 Spezialisten im „Audi Production Lab“ und in der „P-Data
Factory“ treiben die Technologieentwicklung vom ersten Konzept bis zur
Umsetzung in der Produktion voran. Das Unternehmen arbeitet mit Broadcom, Cisco
und Siemens an Edge Cloud 4 Production und integriert dabei
Virtualisierungsplattformen, Netzwerkinfrastruktur und
Automatisierungstechnologie.
Der Entwicklungsprozess orientiert sich an
menschenzentrierten Designprinzipien. Die Teams erstellen frühzeitig
Demonstrationen und Prototypen und holen Feedback von den
Produktionsmitarbeitern ein, um sicherzustellen, dass die Schnittstellen den
Anforderungen in der Fertigung entsprechen. Dieser Ansatz spiegelt die
branchenweit verbreitete Erkenntnis wider, dass eine erfolgreiche
Digitalisierung nicht allein von der technischen Leistungsfähigkeit abhängt,
sondern auch von der Akzeptanz durch die Bediener.
Audi Ungarn bewertet systematisch seine Wertschöpfungskette,
um Digitalisierungsmöglichkeiten zu identifizieren und die Fertigungsprozesse
von der Planung bis zur Qualitätssicherung transparenter und effizienter zu
gestalten. Bei Audi México nutzt das Management KI-gestützte
Produktionsberichte, um Kennzahlen in Echtzeit anzuzeigen und Entscheidungen
auf der Grundlage aktueller Betriebsdaten aus dem Werk in San José Chiapa zu
treffen.
Der Automobilhersteller hat klare
Governance-Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI geschaffen. Sein
Verhaltenskodex und seine Grundsatzerklärung zur künstlichen Intelligenz
verpflichten das Unternehmen zu Respekt, Sicherheit und Transparenz bei KI-Anwendungen.
Ein Verhaltenskodex für den Datenaustausch stellt sicher, dass der Umgang mit
Daten mit den Unternehmenswerten im Einklang steht und ermöglicht gleichzeitig
die für die Skalierung digitaler Innovationen erforderliche werksübergreifende
Zusammenarbeit.
Walker betont das transformative Potenzial der Kombination
von internem Fachwissen mit externen Partnerschaften. „Gemeinsam mit unseren
Partnern setzen wir Standards für die datengetriebene Produktion der Zukunft:
entschlossen und zugleich verantwortungsvoll.“