So setzt Hyundai humanoide Roboter in der Fertigung ein
Dass humanoide Roboter die Arbeit von Menschen übernehmen, kennen viele nur aus Sci-Fi-Streifen. Metropolis, A.I. oder Terminator ließen Kinobesucher träumen, wie eine automatisierte Welt mit Robotern oder Cyborgs aussehen kann. Das könnte in den nächsten Jahren Realität werden.
Stefan GrundhoffStefanGrundhoff
3 min
Hyundai und Boston Dynamics präsentierten auf der CES die neueste Version des humanoiden Roboters Atlas und zeigten unter anderem, wie er sich in industriellen Umgebungen einsetzen lässt.Hyundai
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Autohersteller sind seit Jahrzehnten führend, wenn es um die
Perfektion und Effizienzmaximierung von Fertigungsprozessen geht und so
überrascht es nicht, dass humanoide Roboter bei der besonders komplexen
Fertigung eines Autos mit seinem tausenden von Einzelteilen, Modulen und
zahllosen Fertigungsschritten zeitnah den Weg für eine neue Produktionszukunft
einläuten werden.
Boston Dynamics als Taktgeber der neuen Produktion
Der humanoide Roboter Atlas von Boston Dynamics steht für Hyundais nächste Automatisierungsstufe in der Fertigung.Hyundai
Ging es bei Boston Dynamics in den vergangenen drei
Jahrzehnten darum, Roboter einzusetzen, die beim Packen, Transportieren oder
Verarbeiten von Gegenständen jene Arbeiten übernehmen, die besonders beschwerlich
oder gefährlich waren, so sehen die Einsatzmöglichkeiten der humanoiden Helfer
ganz ähnlich aus. Kein Wunder, dass die neuen Roboter, die zunehmend in der
Fertigung von Fahrzeugen eingesetzt werden sollen, beinahe aussehen wie ein
Mensch: Kopf mit Kamera-Augen, Rumpf mit Batterie und Technik sowie fleißige Arme,
Beine, Füße und Hände. Das alles ermöglicht, dass die Boston Dynamics Roboter
zum Beispiel im Hyundai Motor Group Metaplant America (HMGMA)
in Savannah / Georgia eingesetzt werden können, um Menschen jene Arbeiten
abzunehmen, die gefährlich, anstrengend und besonders monoton sind.
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Einen großen Schritt in Sachen effizienter Arbeitsübernahmen
ermöglicht der erstmals auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas Anfang
des Jahres vorgestellte humanoide Roboter namens Atlas, der für besonders
anspruchsvolle industrielle Anwendungen entwickelt und zum
Messehighlight gewählt wurde. „Wir fühlten uns geehrt und waren begeistert, den
Best of CES-Award in der Kategorie Robotik entgegenzunehmen“, so Boston
Robotics-CEO Robert Playter, „Atlas ist der beste Roboter, den wir je gebaut
haben; diese Auszeichnung ist ein eindrucksvoller Beleg für die harte Arbeit,
die unsere Teams investiert haben, um den weltweit leistungsfähigsten
humanoiden Roboter auf den Markt zu bringen.“
Anders als andere Humanoiden ist
Atlas darauf ausgelegt, sich in bestehende Anlagen und Prozesse zu integrieren.
Dabei kann sich der Boston-Dynamics-Gesandte an verändernde Anforderungen
anpassen ohne dabei Einschränkungen bei Effizienz, Sicherheit oder
Zuverlässigkeit in Kauf zu nehmen. Ausgestattet mit Drehgelenken und Sensoren
kann Atlas problemlos in komplexen industriellen Umgebungen navigieren, sich
wiederholende Aufgaben ausführen und dabei KI-gesteuertes Lernen nutzen, um
sich schnell an neue Herausforderungen anzupassen.
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Eine neue Dimension erreichen dabei die so
wichtigen Freiheitsgrade, denn 56 Degrees of Freedom (DoF) sind nur durch rotierende
Gelenke und menschliche Hände zu verwirklichen. Atlas kann laufende Prozesse
und Menschen in der Fertigung bei zahlreichen Anwendungen wie Materialsortierung,
Montage oder der Maschinenpflege unterstützen. Neue Aufgaben erlernt der
zweibeinige Altas in rund einem Tag, wobei dessen automatischer Batteriewechsel
schichtunabhängig einen Dauereinsatz ermöglicht. Zum Beispiel kann er mit
seinen Händen Gegenstände bis zu einem Gewicht von 50 Kilogramm heben; selbst
wenn es in der Arbeitsumgebung eng, warm oder feucht sein sollte. Die aktuell
nötige Umgebungstemperatur von -20 bis 40 Grad Celsius deckt nahezu jede
Umgebung ab. Erste Testeinsätze laufen bereits und spätestens ab dem Jahre 2028
sollen die Atlas-Roboter in Prozessen mit Sicherheits- und Qualitätsvorteilen,
wie der Sortierung von Teilen, eingeführt werden. Bis 2030 werden die
Anwendungsbereiche auf die Montage von Komponenten ausgeweitet, wobei Atlas im
Laufe der Zeit auch Aufgaben übernehmen soll, die schwere Lasten und komplexe
Vorgänge umfassen.
Diese Aufgaben übernehmen Atlas, Spot und Stretch
Doch nicht alle Roboter von Boston Dynamics sind auf
menschlichen Spuren unterwegs. Spot, der Roboter-Hund, ist mittlerweile in mehr
als 40 Ländern im Einsatz und übernimmt kritische Aufgaben wie Datenerfassung
und Sicherheitsüberwachung in Industrieanlagen. Kaum weniger emsig präsentiert
sich im beruflichen Alltag der Lagerhaus-Roboter namens Stretch, hat seit
seinem Start im Jahr 2023 weltweit mehr als 20 Millionen Kartons entladen und
die Lagerautomatisierung durch die Übernahme arbeitsintensiver Aufgaben unter
extremen Bedingungen verändert.
Die ersten humanoiden Boston Dynamiker –
ausgestattet mit Google Deep Mind - werden im Metaplant Savannah eingesetzt,
doch eine Ausweitung des Arbeitsbereichs nach Südkorea und auch nach Europa ist
fest eingeplant. Alberto Rodriguez, Director of Robot Behavior für das
Atlas-Projekt bei Boston Dynamics: „Wir entwickeln derzeit den weltweit
leistungsfähigsten humanoiden Roboter und wussten, dass wir einen Partner
benötigen, der uns dabei unterstützt, neuartige Modelle für die Verknüpfung von
visueller Wahrnehmung, Sprache und Handlungskontrolle für diese komplexen
Roboter zu etablieren. Niemand auf der Welt ist besser geeignet als Deep Mind,
um zuverlässige und skalierbare Modelle zu entwickeln, die sicher und effizient
für ein breites Spektrum an Aufgaben und Branchen eingesetzt werden können.“
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Spot zeigt, wie Roboter schon heute den Industriealltag verändern: Der Boston-Dynamics-Hund ist weltweit bei Datenerfassung und Sicherheitsüberwachung im Einsatz.Hyundai
Auf Savannah könnten Nosovice in Tschechien und Izmit in der Türkei folgen, wo bald
die Fertigung des Elektrofahrzeugs
Ioniq 3 starten soll. Sowohl in den beiden Werken als auch im Forschungs- und
Entwicklungszentrum in Rüsselsheim wurde umfangreich investiert. Mit einer
Investition von 150 Millionen Euro in den neuen Square Campus hat Hyundai im
vergangenen Jahr seine Einrichtungen im HMETC um 25.000 Quadratmeter erweitert
und es zu einem der modernsten Automobil-Forschungs- und Entwicklungszentren in
Europa gemacht. Kaum anzunehmen, dass die Roboter von Boston Dynamics hier in
den nächsten Jahren zum Batteriewechsel über den Campus flanieren.